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Seit 2009 verleiht die Stadt Offenbach alle zwei Jahre den „Sophie von La Roche-Preis" zur Förderung und Anerkennung hervorragender und innovativer Leistungen, die der Verwirklichung der Gleichberechtigung oder der Gleichstellung von Frauen dienen. Der Preis geht auf eine Empfehlung der Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau an den Magistrat zurück, die damit insbesondere die Leistungen und die Selbständigkeit von Frauen öffentlich sichtbar machen und Aktivitäten zur tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung ausgezeichnet sehen will.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit einem Preisgeld von 1.500 Euro dotiert. Mit diesem Preis soll das gesamte Lebenswerk der Sophie von La Roche (1733 – 1807) gewürdigt und die Erinnerung an sie und ihre Offenbacher Zeit, die letzten 20 Jahre ihres Lebens, wachgehalten werden.

Besonderes Engagement und hervorragende Leistungen auf kulturellem, sozialem und gesellschaftspolitischem Gebiet sollen sichtbar und ausgezeichnet werden. Die Stadt Offenbach ehrt mit diesem Preis: natürliche und juristische Personen, Frauenprojekte, Vereine, Institutionen, Verbände, die sich mit ihrer Arbeit für Gleichberechtigung und Gleichstellung besonders hervorheben.

Satzung für den „Sophie von La Roche – Preis für die Gleichberechtigung von Frauen“

Präambel

Sophie von La Roche, geb. Gutermann kam am 6.12.1730 als erstes Kind einer Arztfamilie in Kaufbeuren zur Welt. Ab 1743 in Augsburg, hielt sie sich zeitweilig in Biberach bei der Familie ihres Vetters und Verehrers Christoph Martin Wieland auf. 1753 heiratete sie den Kurmainzer Hofrat Georg Michael Frank, genannt La Roche. Sie starb 1807 in Offenbach. Sophie von La Roche war die erste professionelle Schriftstellerin des 18. Jahrhunderts. Als eine der ersten Frauen gelang es ihr, sich als freie Autorin mit ihrem Erfolgsroman „Geschichte des Fräulein von Sternheim“ zu etablieren.
Mit ihrer schriftstellerischen Arbeit konnte sie zeitweilig den Lebensunterhalt für ihre Familie verdienen; Sie begründete die erste deutsche Frauenzeitschrift „Pomona“. Noch im Alter bereiste La
Roche selbständig die Schweiz, Holland, Frankreich sowie England und berichtete in ausführlichen Reisebeschreibungen ihre Erlebnisse und Beobachtungen einem breiten Lesepublikum.

§ 1

In Würdigung und im Andenken an das gesamte Lebenswerk von Sophie von La Roche verleiht die Stadt Offenbach am Main den Sophie von La Roche - Preis zur Förderung und Anerkennung hervorragender und innovativer Leistungen, die der Verwirklichung der Gleichberechtigung bzw. der Gleichstellung von Frauen dienen. Besonderes Engagement und hervorragende Leistungen auf kulturellem, sozialem oder gesellschaftlichem Gebiet werden ausgezeichnet.

§ 2

Der Preis kann verliehen werden an
- natürliche und juristische Personen,
- Frauenprojekte
- Vereine, Institutionen, Verbände
die sich mit ihrer Arbeit im Sinne des § 1 besonders herausheben.

§ 3

Die Verleihung des Preises findet alle 2 Jahre, erstmals im Jahre 2009, statt.

Die Höhe des Preisgeldes beträgt € 1.500, --. Die Verleihung des Preises erfolgt durch den Magistrat der Stadt Offenbach am Main nach Entscheidung der zuständigen Vergabejury. Diese setzt sich zusammen aus
- der Vorsitzenden der Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau (Magistrat), zugleich Vorsitzende der Jury.
- zwei Mitgliedern dieser Kommission, die von derselben vorgeschlagen und gewählt werden
- der kommunalen Frauenbeauftragten
- zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Stadt Offenbach, die von der Kommission vorgeschlagen und gewählt werden
- einer Vertreterin bzw. ein Vertreter der Industrie- und Handelskammer

§ 5

Die Jury ist in ihrer Entscheidung unabhängig. Sie entscheidet mit der Stimmenmehrheit ihrer
anwesenden Mitglieder. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der Vorsitzenden der Jury.

§ 6

Der Rechtsweg ist für alle Anordnungen, Entscheidungen und Beschlüsse ausgeschlossen, welche im Zusammenhang mit der Preisverleihung und zu ihrer Vorbereitung getroffen worden sind. Der Ausschluss gilt sowohl für alle Mitglieder der Vergabejury sowie für mögliche Preisempfänger/-innen.
Die Stadt Offenbach kann die Preisverleihung jederzeit einstellen.

§ 7

Diese Satzung tritt am Tage nach ihrer Bekanntmachung in Kraft.



Gleichstellungskommission, UO Sophie von La Roche

veröffentlicht am 14.01.2009

Die Namensgeberin Sophie von La Roche

Vor rund 200 Jahren, am 18. Februar 1807 starb 76-jährig Sophie von La Roche in Offenbach am Main. La Roche war eine „Lebenskünstlerin“. Sie behauptete sich erfolgreich in sehr verschiedenen Rollen und sozialen Welten. Als Gesellschafterin am kurfürstlichen Mainzer Hof sowie als erste deutsche Romanschriftstellerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift „Pomona“ steht die Großmutter Bettina von Arnims und Clemens Brentanos am Anfang weiblicher Bildungsgeschichte.

Ihre Reiseberichte wurden zum Tagesgespräch in den Salons ihrer Zeit und ihr Werk zum Ansporn einer ganzen Generation schreibender Frauen in der Ära der Romantik und des Vormärz – zumal es ihr gelang, sich und ihre Familie zeitweilig von der Schriftstellerei zu ernähren. Sie setzte sich darüber hinweg, dass schreibende Frauen meist ein männliches Pseudonym benutzten, um überhaupt ein Lesepublikum zu erreichen.

So muss es als ein besonderes Kunststück der La Roche betrachtet werden, dass sie offen als Autorin auftrat und dennoch nicht ins soziale Abseits geriet. Sie blieb zwar in den Grenzen der Konvention, schmuggelte jedoch unauffällig Verbotenes in ihr Werk ein: Bilder weiblicher Selbständigkeit und Kritik am „starken Geschlecht“. Die Geschichte des „Fräulein von Sternheim“ ist der erste Erfolgsroman einer deutschen Autorin und machte die La Roche zu Recht berühmt.

Die bisherigen Preisträgerinnen: