Sprungmarken
Suche
Suche

Titelbild der Broschüre Ankommen in Offenbach
© Katja Lenz
Vereine sind für Zuwanderer ein Stück Heimat – aber auch wichtiges Netzwerk: Die Broschüre „Ankommen in Offenbach – In Offenbach zuhause“ stellt einige Migrantenorganisationen vor.

Vereinsarbeit und ehrenamtliches Engagement lassen sich nicht hoch genug einschätzen. Erst recht, wenn es um Integration und Zusammenleben geht. Denn da, so Stadtrat und Integrationsdezernent Peter Freier, leisten die Vereine insbesondere in einer Stadt mit 159 Nationalitäten eine nicht zu unterschätzende Arbeit. Mehr noch: „Die Vereine sind ein ganz integraler Baustein für die Integrationsarbeit der Stadt.“ Die jetzt vorgestellte Broschüre mit 13 Vereinsporträts ist da nur eine kleine Würdigung der von ihnen erbrachten Leistung, nämlich Neuankömmlingen ein Stück Heimat aber auch wichtiges Netzwerk mit Kontakten zu sein.

Das kann Ewa Zielinska von der polnischen Kulturvereinigung nur bestätigen. Insbesondere der wöchentliche Mütter- und Kindtreff sei eine wichtige Austausch- und Informationsbörse, berichtet die junge Frau. Ansonsten dreht sich bei der Vereinsarbeit des 2001 gegründeten, aber erst im vergangenen Jahr von Pfarrer Thadeusz Michalik aus seinem Dornröschenschlaf wiedererweckten Verein - „viele waren umgezogen oder sogar nach Polen zurückgegangen“ so Zielinska – alles um Sprache. Sie selbst hat in Polen Germanistik studiert und bietet ihren Landsleuten nun Kurse an. Für Kinder wird auch Polnisch-Unterricht angeboten. Muttersprachlicher Unterricht und Kenntnis der Kultur des Heimatlandes lernen auch die Kinder des vietnamesischen Vereins. Von „Horizonterweiterung“, spricht Hung Trinh, der den Verein vertritt. Er selbst kam 1971 als kleiner Junge nach Deutschland. Zu einer Zeit, als die Banane als tropischste Frucht im Supermarkt erhältlich war, erklärt er augenzwinkernd. Aber die Welt und ihre Herausforderungen seien komplexer geworden, daher sei es wichtig, „Kinder auf die anspruchsvolle Zukunft vorzubereiten.“ So gehe es im muttersprachlichen Unterricht nicht nur um Sprache und Denkweisen, sondern beispielsweise auch mal um die Vorbereitung auf Jobinterviews oder eine Ausstellung. So offen wie der Unterricht sind auch die Vereine: „Die Türen sind offen, man muss nur hingehen.“

Monika Pröse von der Designagentur unikatwertvoll hat die Vereine für die Porträts gemeinsam mit Fotografin Katja Lenz besucht und dabei „viele wunderbare Menschen kennengelernt“. Jetzt hätte sie Lust, vietnamesisch zu lernen und serbisch zu tanzen. Aber auch der griechische Zeibekiko würde sie reizen und die Frauen des kurdischen Frauenrats würde sie gerne öfter besuchen, beim Freundschaftsverein Türkei mitkochen. Tolle Begegnungen, die Spaß gemacht haben: „Diese Freude soll sich auch in der 60 Seiten umfassende Broschüre übertragen.“ Die hält Freier schlichtweg für gelungen und lobt Farbgebung und das inhaltliche Konzept, das sich streng an der Chronologie der Ereignisse beziehungsweise Gründung orientiert. Die 1699 gegründete Französisch-Reformierte Gemeinde steht am Anfang der Publikation, der 2016 gegründeten FC Asteras Offenbach e.V. am Ende. Begleitet werden die Portraits von einem Zeitstrahl, der vom ersten Eintreffen der Hugenotten über das Anwerbeankommen für Gastarbeiter 1955 und die Auszeichnung Offenbachs mit dem Europapreis im darauffolgenden Jahr, das Asylverfahrensgesetz 1982 bis zum deutschen Beitrag auf der Architekturbiennale „Offenbach is almost alright“ im vergangenen Jahr reicht.

Offenbach hat eine lange Tradition als Ankommerstadt und wird nicht umsonst gerne als „Integrationsmaschine“ bezeichnet. Dass dies hier funktioniert, zeigen auch die rumänischen und bulgarischen Kulturvereine, berichtet Ana-Violeta Sacaliuc, vom Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, die 2013 noch mit Problemen zu kämpfen hatten und jetzt „ein normales und schönes Vereinsleben“ haben. Die WIR-Programmkoordinatorin Sacaliuc ist im ständigen Austausch mit Vereinen und Migrantenselbstorganisationen. Broschüren wie „Ankommen in Offenbach – In Offenbach zuhause“ sollen deren Arbeit bekannter machen und sind zudem ein Angebot einzutreten. „Jeder ist wirklich superwillkommen“, bestätigt auch Hung Trinh.

Die Broschüre ist auf Anfrage beim Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration im Rathaus erhältlich.

7. April 2017