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Gruppenfoto
v.l.n.r.: Günter Burkhardt vom Ökumenischen Vorbereitungsausschuss (ÖVA), Mahshid Najafi vom Verein Kultur und Bildung (KUBI), Hamza Etaou (THS-Schüler), Burkhard Rosskothen (Religionslehrer an der THS), Migrationsberater Ali Karakale (Arbeiterwohlfahrt AWO), Barbara Huber-Rudolf (Referentin des katholischen Dekanats), Tobias Blum (THS-Schüler), Katja Lenz vom Freiwilligenzentrum, Ulrike Schweiger (Pfarrerin, evangelisches Dekanat Offenbach) und der Integrationsbeauftrage der Stadt Offenbach, Luigi Masala. © Stadt Offenbach
„Was hält Menschen in einer Gesellschaft zusammen? Wieviel Gemeinsamkeiten und Konsens braucht es, damit Zusammenleben in Vielfalt gelingt? Wieviel Dissens ist fruchtbar? Und was gilt es zu tun, um ein gutes Miteinander in Gerechtigkeit und Respekt zu erhalten?“ fragt das offizielle Grußwort der diesjährigen bundesweiten Interkulturellen Wochen. Unter dem Motto „Vielfalt verbindet“ finden auch in Offenbach zwischen dem 18. September und dem 1. Oktober wieder eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen statt.

Auf der Flucht – und weiter?

Beengte Boote und Fahrzeuge, steinige Wege, Abschied, Verlust und ständig begleitet von Angst: Der 18jährige Schüler Hamza Etaou hat sich mit dem Thema „Flucht“ beschäftigt und findet die aktuelle Abschiebepolitik „einfach nur schrecklich“. Zumal auch einige seiner Mitschüler an der Theodor-Heuss-Schule von einer drohenden Abschiebung nach Afghanistan betroffen sind. Deshalb haben sich die Schüler der gastgebenden Schule zur Auftaktveranstaltung der bundesweiten Interkulturellen Woche 2017 einiges ausgedacht, um auf die prekäre Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. „Integration ist für die heutige Schülergeneration kaum noch ein Thema, inzwischen beschäftigen wir uns daher im Schulalltag stärker mit der Frage nach Identitäten“, erklärt Burkhard Rosskothen den Schwerpunkt. Er unterrichtet seit 2006 Religion an der Theodor-Heuss-Schule und gehört mit zu den Initiatoren des konfessionsübergreifenden Projekts „Verschiedenheit achten – Gemeinschaft stärken“, das 2014 mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet wurde. Anlässlich der Auftaktveranstaltung am heutigen Montag, 18. September, um 19.30 Uhr haben die Schüler Räume gestaltet, die Flucht und Vertreibung thematisieren, es gibt eine Selfie-Station und den Instagram-Account #vielfalt-verbindet, der die gelebte bunte Realität der Schule sowie der Stadt abbildet. „Wir waren wahnsinnig aktiv in Bezug auf Luftballons“, verspricht Rosskothen: „Zum Einsatz kommen viele bunte, aber auch einige schwarze, die zum Innehalten einladen sollen – immerhin sind fast 20 unserer Schüler von Abschiebung bedroht.“

International und konfessionsübergreifend

„Abschiebungen sind auch für uns ein großes Thema“, erklärt Günter Burkhardt vom Ökumenischen Vorbereitungsausschuss (ÖVA) zur Interkulturellen Woche und Geschäftsführer von PRO ASYL, „man darf niemanden in eine Situation abschieben, in der Gefahr für Leib und Leben droht.“ Er ist anlässlich der Vorstellung der diesjährigen Interkulturellen Woche nach Offenbach gekommen und lobt die Stadt als Ort, in dem Integration vorbildlich gelebt wird: „Ihr macht das in Offenbach super!“. Das beweist auch das umfangreiche Programmheft, bei dem fast 65 Organisationen mitwirken.
Die Interkulturelle Wochen in Offenbach sind aus dem Tag des ausländischen Mitbürgers hervorgegangen und ist eingebunden in die bundesweite Aktionswoche, die Ende September in 500 Orten in ganz Deutschland stattfindet. In Offenbach rückt die Stadt gemeinsam mit Initiativen, Vereinen und vielen Engagierten bereits zum 20. Mal das Verbindende in den Mittelpunkt, bei über 30 unterschiedlichen Veranstaltungen wird zusammen gegessen, geredet, gefeiert und auch gebetet. Denn neben Mahshid Najafi vom Verein Kultur und Bildung (KUBI), dem Integrationsbeauftragen der Stadt Offenbach, Luigi Masala, und den Migrationsberaterinnen und Beratern Elif Tekelioglu, Ornella Liscapade (beide Caritas), Anastassia Pentidou (Diakonie) und Ali Karakale (Arbeiterwohlfahrt AWO) gehören auch das evangelische und katholische Dekanat zum Koordinationsteam der Interkulturellen Woche in Offenbach. Deshalb liegt Barbara Huber-Rudolf, Referentin des katholischen Dekanats der Ökumenische Auftaktgottesdienst um 18 Uhr in der Katholischen Kirche, HL. Dreifaltigkeit in der Oberen Grenzstraße am Herzen, an dem Vertreterinnen und Vertreter des Bistums Mainz, der Griechisch-Orthodoxen Metropolie und verschiedene Gemeinden Offenbachs mitwirken. Die Predigt hält Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Integration hat eine lange Tradition in Offenbach

„Integration kann man immer theoretisch denken, aber man muss sie auch praktisch leben. Das ist hier möglich.“ Denn hier gibt es die Strukturen, in denen Menschen andocken können, weiß Luigi Masala und verweist in dem Zusammenhang auf die lange Zuwanderertradition der Stadt: Die liberale Einwanderungspolitik des isenburgischen Grafen Johann Philipp sorgte im 18. Jahrhundert mit der Aufnahme hugenottischer Glaubensflüchtlinge für den kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Aber auch heute ist die Stadt ein Ziel für Zuwanderer. „Wir haben viel zu tun“, bestätigt Migrationsberater Ali Karakale, „und ohne die viele ehrenamtliche Unterstützung würde das alles nicht funktionieren.“ Deshalb lädt die AWO Ehrenamtler und Interessierte am 27. September zum Brunch ins Mathildenviertel.
„Essen verbindet“, weiß auch Katja Lenz vom Freiwilligenzentrum, das gemeinsam mit anderen Initiativen zum zweiten Mal zur „Tafel der Begegnung“ einlädt. Hervorgegangen aus dem „Gastmahl“, bei dem Offenbacher Bürger Flüchtlinge zum Essen einluden und bei dem eine Vielzahl Kontakte und Freundschaften entstanden sind, gibt es am Sonntag, 24. September, eine große Tafel mit unterschiedlichen landestypischen Speisen auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Rathaus. Lenz weist darauf hin, dass Gäste unbedingt ihr eigenes Geschirr und Besteck mitbringen.
Darüber hinaus gibt es viele weitere spannende Möglichkeiten zur Begegnung und zum Austausch. Das komplette Programm der Interkulturellen Woche in Offenbach finden Sie hier: www.offenbach/interkulturelle-wochen