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Modellprojekt interkulturelle Pflegelotsen
Von links: Manuel Dieter (Ehrenamtsbeauftragter), Angela Joost (Forschungsstelle des BWHW, stellv. Leitung), Rosina Walter (beramí berufliche Integration e. V., geschäftsführender Vorstand), Heidi Weinrich (Kommunale Altenplanerin), Sabine Groß (Sozialdezernentin) und Luigi Masala (Integrationsbeauftragter). © georg-foto.de
Die Stadt Offenbach wurde, neben den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Groß-Gerau und der Stadt Frankfurt am Main, für das Modellprojekt „Interkulturelle Pflegelotsinnen und Pflegelotsen“ ausgewählt. Ziel dieses für die Stadt kostenneutralen Projektes ist es, muttersprachliche Lotseninnen und Lotsen für ältere Menschen mit Migrationshintergrund sowie deren Angehörige auszubilden, die Unterstützung und Pflege benötigen. Das Projekt mit dem Titel „Interkulturelle CARE GUIDES“ wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration sowie den Pflegekassen in Hessen gefördert.

Sozialdezernentin Sabine Groß begrüßt, dass das Vorhaben in der Stadt Offenbach mit ihren vielfältigen Kulturen erprobt und umgesetzt wird: „Untersuchungen zeigen, dass ältere Menschen mit Migrationshintergrund in geringerem Maße die staatlichen Leistungen des Pflege- und Hilfesystems in Anspruch nehmen als diejenigen ohne Migrationshintergrund“, so Groß. Die kommunale Altenplanerin Heidi Weinrich hat in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeauftragten Luigi Masala diese Ergebnisse im Rahmen eines kleinen Workshops auch für Offenbach bestätigt.

Ursachen hierfür sind häufig fehlende Informationen und Unkenntnis über Angebote, institutionelle Hürden sowie Vorbehalte gegenüber Einrichtungen zusammen mit Sprachbarrieren. Hinzu kommt der unterschiedliche individuelle und institutionelle Umgang mit Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit in einzelnen Kulturen.

Menschen aus verschiedenen Migrations-Gemeinden sollen geschult werden

In dem Projekt ist deshalb vorgesehen, Menschen aus den verschiedensten Migrations-Gemeinden vor Ort zu ehrenamtlichen Pflege-Lotsinnen und Lotsen zu schulen, die im sozialen Umfeld der älteren Bevölkerung dieser Gemeinden tätig und dadurch niedrigschwellig erreichbar sind.

Wir wollen es Menschen mit Migrationshintergrund ermöglichen, die in der Kommune vorhandenen Versorgungsstrukturen im Bereich Unterstützung und Pflege kennenzulernen und zu nutzen. Ziel ist es, den Zugang zum Pflege- und Hilfesystem zu erleichtern und Zugangshürden abzubauen, damit die Menschen, die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen können und auf vorhandene Beratungs- und Hilfsangebote in Offenbach, wie den Pflegestützpunkt, aufmerksam gemacht werden“, betonte Sabine Groß bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit den Projektbeteiligten im Offenbacher Rathaus.

Interdisziplinäre Steuerungsgruppe in der Stadtverwaltung

Geleitet wird das Projekt vom Verein „beramí berufliche Integration e.V.“ mit der Forschungsstelle des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft e.V. (BWHW), die die wissenschaftliche Begleitung durchführt. In der Stadtverwaltung Offenbach wurde eine interdisziplinäre Steuerungsgruppe mit diesen Organisationen gebildet, die unterstützend bei der Umsetzung und Vernetzung mitwirkt. Beteiligt sind das Sozialamt mit der kommunalen Altenplanerin und das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration mit dem Integrationsbeauftragten sowie das Amt für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ehrenamtsbeauftragten. Die Vereine der Migranten und deren informellen Netzwerke sollen mit bestehenden Strukturen verknüpft werden. Die interkulturellen Pflege-Lotsinnen und Lotsen wirken hier als vermittelnde Akteure.

Im Dezember 2018 lebten 8.897 über 64-Jährige mit Migrationshintergrund in der Stadt Offenbach. Deren Anzahl ist seit den ersten Berechnungen in 2011 um 39 Prozent gestiegen. Sie machen damit 46 Prozent aller über 64-Jährigen in Offenbach aus. Dies war ein wesentlicher Grund, warum Offenbach als Pilotstadt von den Projektträgern ausgewählt wurde. In dem jetzt vorliegenden und gemeinsam erarbeiteten Kooperationsvertrag sind die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Projektes in der Stadt Offenbach am Main mit den vom Land Hessen beauftragten Projektpartnern definiert und vereinbart. Er wurde am Freitag, 20. Dezember, im Offenbacher Rathaus unterzeichnet.

Kostenlose dreitägige Schulung

Das Projekt startet Anfang Januar und läuft bis Ende Mai 2021. Teilnehmende erhalten eine kostenlose dreitägige Schulung in der Pflegeakademie des Sana Klinikum Offenbach. Die Schulungen informieren über die Leistungen rund um die Pflege und die Unterstützungsangebote. Dies umfasst neben dem Leistungsspektrum der Pflegeversicherung, den staatlichen Transferleistungen und deren Zugang hierzu, auch die Versorgungs- und Angebotsstruktur in der Stadt Offenbach. Die Schulungen starten am Freitag, 8. Mai, mit einem Abend zum Kennenlernen. Es folgen Schulungen am 9. Mai, 13. Juni, und 4. Juli jeweils von 9.30 bis 17 Uhr.

Wer Interesse hat, sich zum interkulturellen Pflegelotsen ausbilden zu lassen, meldet sich bei Shabana Maliki vom Verein „beramí berufliche Integration e.V.“ unter maliki@berami.de per E-Mail oder telefonisch unter 069 913010-16. Ein Flyer mit allen Terminen und kurzer Erläuterung zum Projekt wird in den Migrantenvereinen und allen bekannten Informationsstellen zu finden sein.

27. Dezember 2019