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Am Dienstag, 29. November, stattete Bundespräsident Joachim Gauck der Theodor-Heuss-Schule einen Besuch ab. Damit sollte auch ein Zeichen für die hier geleistete Integrationsarbeit gesetzt werden. Immerhin wurde die Bachschule unlängst mit dem Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes und Mercedes Benz ausgezeichnet und bis zum vergangenen Sonntag, 27. November) war Offenbach Teil der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig. Dort waren seit Mai unterschiedliche Positionen zum Thema „Reporting from the Front“ zu sehen, der deutsche Pavillon wurde vom Deutschen Architekturmuseum Frankfurt kuratiert. Unter dem Motto „Making Heimat“ hatte das Team um Peter Cachola Schmal acht Thesen extrahiert, wie Integration gelingen kann. „Arrival City“ Offenbach, hier funktioniert, was anderswo nur schwer gelingen will.
Was erwarten sich die Offenbacher Bürger vom Besuch des Staatsoberhaupts in Offenbach, wie erleben sie das Zusammenleben in der Stadt? Wir haben nachgefragt:

1.Der Besuch des Bundespräsidenten ist ein ´Ritterschlag´ für das, was hier geleistet wird. Denken Sie, dass der Besuch einen positiven Effekt hat?

2.Wie erleben Sie die Wahrnehmung Offenbachs, hat sich diese in den letzten Monaten bzw. insgesamt verändert?

3. Joachim Gauck kommt aus, weil Integration hier gut funktioniert. Wie erleben Sie das Zusammenleben in der Stadt?

Anh-duy Nguyen, 18, aus Maintal

  1. Ja, unbedingt. Der Besuch wirft einen anderen Blick auf die Stadt.
  2. Offenbach ist eigentlich ganz hübsch. Und schöner, als ich mir es vorgestellt habe.
  3. Man kann sehen, dass sich die Leute anpassen und die Lebensweise übernehmen. So gesehen ist Offenbach ein gutes Beispiel.

D. Stojanovic, 66. 1972 aus Serbien erst nach Frankfurt, dann nach Offenbach gekommen.

  1.  Keinen. Mehr Rente kriege ich deswegen nicht.
  2. Unverändert. Seit einem Jahr traue ich mich abends nicht mehr raus. Es sind zu viele Fremde in der Stadt. Schauen Sie mal, die laufen rum und machen die Mülleimer kaputt und sind laut.
  3. Da wo wir hingehen, meist auf den Wilhelmsplatz ist alles gut. Aber wenn ich könnte, würde ich lieber woanders leben.

Georg Klein, 45, aus Offenbach

  1.  Nö.
  2. Internation ja, regional nein und lokal rasant. Auch weil überall gebaut wird und die Mieten in der Stadt immer teurer werden.
  3. Meistens relaxed und angenehm. Probleme sind hier auch nicht krasser als anderswo.

R. Krauser, 86, aus Langen

  1.  Ja.
  2. Man bemüht sich. Was die am Main machen, also die neuen Häuser, ist absolut gut. Muss aber erst Patina ansetzen.Relativ tolerant, auch Behinderten gegenüber.
  3. Was Migranten angeht, bin ich skeptisch, Das ist inzwischen des Guten zuviel.

Marina und Ferdon Kostakis, 76 und 80, sind als Rentner vor zehn Jahren von Frankfurt nach Offenbach gezogen.

  1. Natürlich. Gauck ist etwas Besonderes.
  2. Ja. Alle schauen nach Offenbach, weil der Bundespräsident kommt.
  3. Wir sind enttäuscht. Als wir hierher gezogen sind, war es anders. Wir sind aus Griechenland und jetzt sind so viele Fremde hier, die die Stadt verändern.

T.Schulz (50), z.Zt. im Anerkennungsjahr als Erzieherin

  1. Es schadet nicht, sondern ist eher positiv und gut für den Ruf der Stadt.
  2. Ja, man versucht einiges für das Stadtbild zu tun. Wenn man sich eingefunden hat, ich komme ursprünglich aus Wiesbaden, gibt es schöne Stellen. Es tut sich was. 
  3. Ich arbeite in einer sogenannten Brennpunkt-Kita. Das heißt ein hoher Anteil der Kinder hat einen Migrantionshintergrund, aber mit denen geht es, die lernen meist sehr schnell. Schwieriger ist es mit den Eltern, die verstehen wenig. Da muss man dann mit Händen und Füßen erklären. Erst neulich musste ich einem Vater aufmalen, wie eine Orange aussieht. Der kannte das nicht und hat es nicht verstanden. Das ist anstrengend und aufreibend.