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© Stadt Offenbach
„Wie wollen wir eigentlich in diesem Land miteinander leben?“: Judith Strohm von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung hatte ein Projekt mit breiter Beteiligung durchgeführt, bevor sie mit Dr. Cicek Bacik das Projekt „Gemeinsam. Mittendrin.Gestalten“ realisiert hat. Um Flüchtlinge ging es in beiden Projekten, zur Abschlussveranstaltung im Offenbacher KJK Sandgasse waren unbegleitete minderjährige Jugendliche, sogenannte UMAs, aus Afghanistan, Iran, Guinea und Bulgarien gekommen, die nach der Flucht aus ihren Heimatländern in Weißenfels ein vorerst neues Zuhause gefunden haben. Vorerst, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht final geklärt ist. „Die Unsicherheit sei groß, erklären sie alle unisono, umso wichtiger ein Ankommen hier. Deutsch sprechen inzwischen die meisten, die einen mehr, die anderen weniger passabel. Die Flucht hat sie geprägt, sie vermissen ihre Familie, Sicherheit, Perspektive.

Teilhabe und Integration ermöglichen

„2015 war es leicht, eine Projektfinanzierung zu bekommen“, erinnert sich Strohm, heute gibt es diese Fördertöpfe nicht mehr. Aber, wendet sie ein: „Vielleicht ist es gut, dass nicht mehr Flüchtlinge darauf steht, sondern dass Kinder und Jugendlichen allgemein in den Blick genommen werden und damit auch mehr gemeinsames entstehen kann.“ Immerhin sind rund 50 Prozent der Ankommenden minderjährig und haben Träume. Einen kleinen konnten sie sich bei dem Projekt erfüllen, nämlich gemeinsam mit anderen Jugendlichen etwas machen, Spaß haben und sich als Teil der Gemeinschaft fühlen. „Die meisten konnten sich das erste Mal zu Wort melden, sie wurden gefragt und gehört“, weiß auch Patrick Probst, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit beim Jugendamt Offenbach. Für ihn sind Partizipation und Integration wichtige Themen unserer Zeit: „Integration kann nur von Innen funktionieren, alle Beteiligten müssen Bereitschaft und Offenheit zeigen und aufeinander zugehen.“
Gruppenfoto
Gruppenfoto aus der Livesendung © Stadt Offenbach

Jugendlichen eine Stimme geben

Hier setzte das Projekt „Gemeinsam. Mittendrin.Gestalten“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, das von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde, an, das geflüchteten Jugendlichen im Alter von 14 bis 27 Jahren an den drei Standorten Trier, Weißenfels und Offenbach Möglichkeiten gab, in den teilnehmenden Einrichtungen, Jugendzentren bzw. Häusern sowie eben der Medien Etage, ihre Potenziale zu entfalten und zu erproben. Dies geschah gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen auf unterschiedliche Arten: So entstand in Weißenfels das Theaterstück „Weißenfels needs love“, das die persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen mit der Bürokratie Deutschlands auf die Bühne brachte, während die Jugendlichen in Trier kreative Ideen ausprobieren konnten. Es entstanden Hip-Hop-Performances, Graffiti oder sie spielten gemeinsam Tischtennis. Eine Videodokumentation zeigte eindrucksvoll das lebendige Miteinander der UMAs mit den Jugendlichen aus Trier. Inés Jacoby vom Jugendzentrum „Von der Höhe“ hatte noch einen weiteren Film eines anderen Projektes mitgebracht, „refugees welcome“ heißt er, in dem Erwachsene von ihrer Flucht und ihrem neuen Leben in Deutschland berichten. „Wir hatten ein gutes Leben in Syrien“, erklärt eine Frau aus Aleppo, „bis der Krieg kam.“ Ein Haus habe ihre Familie gehabt, ein Auto. Jetzt lebt sie mit ihrer Familie in einer karg möblierten Zweizimmerwohnung und ist froh in Deutschland zu sein.
Bildschirm
Szene aus "Refugees welcome" aus Trier © Stadt Offenbach

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

„Zuhause in der Fremde“ hieß das Projekt der Offenbacher Medien Etage, bei dem Kinder und Jugendliche aus Stadt und Kreis Offenbach gemeinsam gekocht, gebacken, gegessen und geredet haben. Ein bunter Haufen, schließlich haben auch viele Kinder aus Offenbach einen Migrationshintergrund. Für die UMAs die in den Wohngruppen des Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrums leben und zum Teil in Offenbach zur Schule gehen, war das ein guter Austausch und dass alle dabei viel Spaß hatten, zeigte auch der Film, der im Herbst letzten Jahres in der Medien Etage entstanden war. Anlässlich der Abschlussveranstaltung war er mit den anderen Dokumentationen in der Live-Sendung des Jugendmagazins „Standby“ im Offenen Kanal (MOK) Rhein-Main nochmals zu sehen. Dort stellten auch die Vertreter der anderen Projekte nochmals ihre Arbeit vor und es kamen einige der geflüchteten jungen Männer zu Wort. Die Sendung ist noch einige Tage in der Mediathek zu sehen: 

Gruppenfoto
Dr. Gerd Placke von der Bertelsmann-Stiftung hatte mit drei Schecks in Höhe von jeweils 2.500 Euro noch eine schöne Überraschung für die weiterführende Arbeit an den drei Standorten dabei. Auf dem Bild von links nach rechts: Herr Dr. Gerd Placke von der Bertelsmann Stiftung Maria Kloss, Jugendhaus Weißenfels Bea Müller, Medien-Etage Offenbach Inés Jacoby, Jugendzentrum auf der Höhe Trier © Stadt Offenbach

Offenbach am Main, 11. Dezember 2018

Gruppenfoto Stadt Offenbach
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