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Reise nach South Dakota
Reise nach South Dakota © Jugendamt der Stadt Offenbach
Zum siebten Mal besuchen Jugendliche aus Offenbach indianische Jugendprojekte in den USA. In einem Blog berichten sie über ihre Erlebnisse.
Organisiert hat die Reise das Jugendamt der Stadt Offenbach.

Ziel der zweiwöchigen Reise ist es, die Geschichte und Kulturen der Native Americans hautnah zu erfahren, an Musik- und Medienworkshops mit Gleichaltrigen teilzunehmen, indianisches Kunsthandwerk zu erlernen, aber auch die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt in den USA kennenzulernen.

Am 24. Juli haben sich zwölf Jugendliche aus Offenbach zusammen mit drei Teamern auf den Weg nach Süd-Dakota gemacht. Nach insgesamt 20 Stunden Reisezeit kam die Gruppe in Rapid City an.

Josephine Fire Lame Deer hält einen Vortrag über Lakota-Kultur
Josephine Fire Lame Deer hält einen Vortrag über Lakota-Kultur © Jugendamt der Stadt Offenbach

Gleich am Tag nach ihrer Ankunft in den USA sind die Jugendlichen in die Kultur der vor Ort lebenden Native Americans (Lakota, Dakota und Nakota) eingetaucht. Beim Besuch des Journey Museum in Rapid City konnte die Gruppe sich über die Geologie der Region, die Besiedlungsgeschichte und die Kultur der Indianer informieren. Am Nachmittag trafen die jungen Offenbacher Josephine Fire Lame Deer, Tochter des Lakota-Medizinmanns Archie Fire Lame Deer. In ihrem Vortrag sprach sie über die Lakota Kultur, deren Werte, die Rolle der Frau, Probleme der Kolonialisierungsgeschichte, das Leben in Reservaten und die Folgen von Armut und Ausgrenzung. Gegen Abend bestiegen die Jugendlichen schlussendlich noch den "Bear Butte", einen für die Lakota heiligen Berg. 

Ausblick vom Gipfel des Bear Butte
Ausblick vom Gipfel des Bear Butte © Jugendamt der Stadt Offenbach

Medien-Workshops im "Pine Ridge" Reservat

Am dritten Reisetag ging es schließlich zum Indianerreservat „Pine Ridge Reservation“. Dort finden die verschiedenen Musik- und Medien-Workshops statt, vor allem aber lernen die Jugendlichen das heutige Leben vieler Native Americans kennen und tauschen sich mit anderen jungen Menschen aus.

Der vierte Tag der Reise begann mit einem Vortrag von Henry Red Cloud, Nachfahre Chief Red Clouds, der mit der US-Regierung 1851 und 1868 die Verträge von Fort Larami aushandelte. Henry Red Cloud, auf dessen Grundstück die Jugendlichen auch übernachteten, stellte der Gruppe sein Projekt für nachhaltige Energieerzeugung „Lakota Solar Enterprise – Henry Red Clouds Renewable Energy“ vor, das sowohl der Reduzierung der Energiekosten als auch der Armutsprävention dient. Tagsüber wurden die Musik- und Medien-Workshops fortgesetzt, während sich abends der von Sitting Bull abstammende, langjährige Aktivist indianischen Widerstands Frederick Cedar Face zur Gruppe gesellte. Seine anregenden Erzählungen vom indianischen Amerika zogen sich bis in die Nacht.

Der folgende Tag sah nach einem Zwischenstopp in Wounded Knee, dem Ort an dem im Jahre 1890 hunderte wehrlose Indianer von der US-amerikanischen Kavallerie ermordet wurden, den Besuch des lokalen Radiosenders "Radio Kili", bei dem einige der erstellten Songs präsentiert wurden. Am sechsten Tag der Reise wurde ein kleines, traditionelles Powwow besucht, bei dem sich viele Gelegenheiten für Gespräche mit Natives ergaben. Am siebten Tag trugen einige Teilnehmerinnen im Su Ann Big Crow–Jugendzentrum die in den Workshops erstellten Lieder vor.

"Lakota-Art-Workshop" in der Singing Horse Trading Post
"Lakota-Art-Workshop" in der Singing Horse Trading Post © Jugendamt der Stadt Offenbach

Weiterreise zur Singing Horse Trading Post und in die Badlands

Die zweite Woche begann mit dem Abschied von Henry Red Cloud und der Weiterfahrt über die westlichen Badlands zur Singing Horse Trading Post. Die Trading Post ist für viele Native Americans die zentrale Anlaufstelle, um Materialien für Kunsthandwerksarbeiten zu kaufen und später die erstellten Produkte zu verkaufen. 

Am achten Tag der Reise fand in der Trading Post ein "Lakota-Art-Workshop" statt, bei dem die Jugendlichen unter fachlicher Anleitung Trommeln, Perlenschmuck und Traumfänger herstellten. Am selben Tag erfuhr die Gruppe, dass die Musik-Workshops in Pine Ridge durch junge Lakota weitergeführt werden, für viele der örtlichen Kinder eine Möglichkeit weiter Musik zu machen. 

Am zehnten Tag verabschiedete sich die Gruppe bereits wieder von der Singing Horse Trading Post und setzte die Reise in Richtung Badlands fort. Auf der Fahrt ergaben sich viele außergewöhnliche Momente, wie der Ausblick vom Sheep Mountain Table und die Sichtung einer Herde Bisons, an der die Gruppe in ihren Vans sehr nahe vorbeifahren konnte. Nach dem Einchecken ins Hotel wurde der Tag mit einer kurzen Bergwanderung abgeschlossen. 

Für den elften Tag der Reise war eine Hitzewanderung in den Badlands geplant, aufgrund von niedrigen Temperaturen und bedecktem Himmel, wurde sie aber eher kurz gehalten. Bald darauf ging die Fahrt weiter, zu den Black Hills. Im dortigen Beaver Lake Campground verbrachten die Jugendlichen die letzten drei Nächte des Kulturaustauschs.

Das "Crazy Horse Memorial", eine Skulptur zu Ehren des Lakota Anführers.
Das "Crazy Horse Memorial", eine Skulptur zu Ehren des Lakota Anführers. © Jugendamt der Stadt Offenbach

Wander-Touren durch die Black Hills

Der erste Tag in den Black Hills begann mit einer Wandertour zum Black Elk Peak. Der, nach einem Lakota-Medizinmann benannte, Berg ist mit 2300 Metern Amerikas höchster Berg östlich der Rocky Mountains. Nach einer kurzen Verschnaufpause reiste die Gruppe weiter zum "Crazy Horse Memorial". Crazy Horse war ein wichtiger Anführer der Lakota und gilt vielen, aufgrund seines Widerstandes gegen die Weißen, noch immer als Held. Die 1948 begonnene, monumentale Skulptur soll einmal 175 Meter hoch werden. Das Projekt wird jedoch von vielen Native Americans kritisch gesehen, da die Statue in einen heiligen Berg hineingebaut wird.

Am 13. Tag der Reise begaben die Jugendlichen sich auf eine sechsstündige Rundfahrt durch den Wind Cave Nationalpark und den Custer State Park. Abends bereitete die Gruppe sich dann auf die Rückreise nach Deutschland vor. Die Fahrt zum Flughafen von Rapid City begann schon um 2:15. Von dort flogen die Offenbacher, mit einem Zwischenstopp in Chicago, wieder zurück zum Frankfurter Flughafen.

Hintergrund und finanzielle Unterstützung des Projekts:

Die Idee für das Projekt formte sich schrittweise in den Jahren 2001 und 2002. Dr. Michael Koch, Sachgebietsleiter im Jugendamt, zur Entstehung der Begegnungsaktion: "Am Anfang stand der Besuch eines indianischen Sozialarbeiters, der sich mit Offenbacher Jugendarbeitern über ihre Konzepte austauschte." Dem Sozialarbeiter gefiel das offRock-Projekt der musikpädagogischen Jugendkulturarbeit in Offenbach. "So entstanden erste Überlegungen, wie man so etwas in der Pine-Ridge-Reservation South Dakotas aufbauen und unterstützen könnte", berichtet Dr. Koch. "Bei einem privaten Besuch des Reservats im Sommer 2002 regte dann die Leiterin eines Jugendzentrums an, mit der Spende von Instrumenten doch eine Jugendbegegnung zu verbinden."

Finanziell unterstützt durch den Kinder-und Jugendplan des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelte das Jugendkulturbüro des Kinder-, Jugend-und Kulturzentrums Sandgasse (Jugendamt Offenbach am Main) in Kooperation mit Arbeit und Leben Hessen (Projektträger) und einem Menschenrechtsverein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte die Ideen und das Konzept zum Austauschprogramm. Weitere finanzielle Unterstützung kamen vom Jugendamt der Stadt Offenbach, von namhaften Rock-und Bluesmusikern aus allen Teilen der Welt und von den Teilnehmern selbst.

Das Projekt, das bereits 2014 aufgrund steigender Reisekosten eingestellt werden sollte, konnte dieses Jahr ein letztes Mal stattfinden.

Wer sich für die Erlebnisse der Jugendlichen in den USA interessiert, kann das in deren Reise-Blog detailliert nachlesen.