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Gewalt
© Nanduu / photocase.de
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bleibt oft lange unerkannt und es gibt eine hohe Dunkelziffer. Auf das Leben der Betroffenen wirkt sich das auf Jahre oder lebenslang verheerend aus. Die Stadt Offenbach kooperiert nun mit der Organisation pro familia, um eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche aufzubauen, die von sexueller Gewalt bedroht sind oder sie bereits erleben.

Bürgermeister Peter Schneider – zugleich Kinder- und Jugenddezernent – sagt hierzu: „Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, einen seit langen Jahren in Offenbach erfolgreich arbeitenden Träger als Beratungsstelle für die Kinder und Jugendliche gewinnen zu können.“ Pro familia wird zukünftig neben der Beratungsstelle für betroffene Kinder und Jugendliche auch eine Fachberatung für professionelle Fachkräfte und Institutionen anbieten.

Hessenweit waren im Jahr 2016 lt. offizieller Polizeistatistik  890 Kinder und 71 Jugendliche unter 18 Jahren von sexuellem Missbrauch betroffen. Im Stadtgebiet Offenbach wurden im Jahr 2016 offiziell 21 Anzeigen  von sexuellem Missbrauch von Kindern registriert. Es wird jedoch von einer erheblich höheren Dunkelziffer ausgegangen.

Möglich wird das neue Angebot durch den „Aktionsplan des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen“: Hessen stellt Landesmittel für den Auf- und Ausbau von Beratungsstellen bereit. Der Aktionsplan verfolgt das Ziel, Hilfsangebote für Missbrauchsopfer zu fördern und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, um Kinder zu schützen und deren gesunde Entwicklung zu sichern.

Das Land Hessen hebt in seinem Aktionsplan hervor, dass die meisten Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erfahren, lange unter dem erlebten Missbrauch leiden, manche ein Leben lang. Neben unmittelbaren physischen und psychischen Folgen können Langzeitfolgen auftreten wie emotionale und kognitive Beeinträchtigungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Somatisierungen, Identitätsstörungen, Probleme in interpersonalen Beziehungen, in der sozialen Anpassung oder im Sexualbereich, sowie Lern-, Ess- oder Schlafstörungen, welche Privat- und Berufsleben der Betroffenen nachhaltig schädigen.

Folgen sexueller Gewalt beschränken sich jedoch nicht auf die individuellen Biographien der Betroffenen, sondern bringen darüber hinaus gesamtgesellschaftliche Konsequenzen mit sich. Vor allem bei sexueller Gewalt in Institutionen kommt es zu einem gravierenden Vertrauensverlust der Bürger in die jeweilige Einrichtung. Die notwendige psychologische und medizinische Versorgung der hervorgerufenen körperlichen und psychischen bzw. psychosomatischen Beeinträchtigungen unterschiedlichster Art verursacht außerdem erhebliche Folgekosten.

Bürgermeister Peter Schneider erklärt: „Viele Opfer von sexuellem Missbrauch entscheiden sich nur zögerlich oder gar nicht für eine Strafanzeige, insbesondere wenn der Täter oder die Täterin zu ihnen in einer familiären oder sonstigen engen sozialen Beziehung stehen.  Mit dem Beratungsangebot bei pro familia haben wir eine neutrale, institutionenunabhängige und leicht zu erreichende Anlaufstelle geschaffen. Hier können sich jetzt Kinder und Jugendliche hinwenden, insbesondere die, die bisher aus Angst vor negativen Konsequenzen keine Hilfe aufgesucht haben und genauso Erwachsene, die einen Verdachtsfall abklären wollen.“ Um einen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen und Hilfe zu gewährleisten, besteht auch die Möglichkeit, sich im Internet unter www.haltepunkt.org zu informieren.

Die neue Beratungsstelle bei pro familia Offenbach in der Domstr. 42 ist unter 069 85096800 montags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr erreichbar, dienstags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr.

Selbstverständlich steht auch weiterhin in der Stadtverwaltung die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Hessenring 57 als Anlaufstelle Montag bis Mittwoch und Freitag von 10 bis 12, Dienstag von 14 bis 16 und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr außerhalb der Ferien zur Verfügung. Sie ist per E-Mail unter beratungsstelleoffenbachde erreichbar.

Offenbach am Main, 12. Februar 2018