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Geburtstagstorte 10 Jahre Patenschaftsmodell
© Stadt Offenbach

Chancen ermöglichen: das Patenschaftsmodell Offenbach feiert 10. Geburtstag

„Das Patenschaftsmodell ist ein Netzwerk der feinsten Art“, so Bürgermeister Peter Schneider anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Zusammenarbeit der Offenbacher Hauptschulen und Wirtschaftsunternehmen Rhein-Main. Rund 275 Schüler in der 8. und 9. Klasse der Bachschule, Mathildenschule, Geschister-Scholl-Schule und der Ernst-Reuter-Schule wurden in den vergangenen Jahren auf ihrem Weg von 182 ehrenamtlichen Paten begleitet und haben, weiß Christopher Zabler, Verbindungslehrer an der Bachschule, dadurch einen „letzten Schliff“ bekommen.Er ist sich sicher, dass sich für viele erst durch den Austausch mit den Paten „neue Perspektiven eröffneten und andere Türen aufgingen“.
Diese Erfahrung hat auch Schulleiterin Fanny Mülot an der Geschwister-Scholl-Schule gemacht: „Die Patenschaften sind ein ungeheurer Gewinn und bringen den Kindern ein Maß an Zuwendung, das Schule gar nicht leisten kann“. Sie weiß, dass Eltern heute vielfach bei der Begleitung ihrer Kinder in die Berufswelt überfordert sind. Wer wolle es ihnen auch verdenken, fragt daher auch Friedrich Rixecker von der Industrie- und Handelskammer: „Wie sollen junge Menschen aus den über 350 anerkannten Ausbildungsberufen den passenden für sich herausfinden?“ Die IHK Offenbach ist von Anfang an Partner des Patenschaftsmodells und unterstützt das Projekt mit einem Hauptschultag im November, Angeboten wie Ausbildungsmessen, konkreten Hilfen bei der Praktikums- oder Ausbildungsplatzsuche und finanziell. Er würde sich wünschen, so Rixecker, „das die Arbeit der Paten zur Regel wird und Kinder auf ihrem Weg durch die Bildungslandschaft insgesamt besser begleitet werden.“
Aus seinem Berufsleben weiß Pate Dr. Wolfgang Christian, dass Schulversager schon früh auffallen. Daher wendete sich der Pädagoge im Ruhestand direkt an die Mathildenschule und fragte im Lehrerkollegium, welchen Schüler er unterstützen könne. „Hassan“ habe es seinerzeit unisono geheißen. Nach einer Hospitanz in der 5. Klasse sei Hassan Butt auch derjenige gewesen, der den ersten Schritt auf ihn zugemacht habe, erinnert sich Dr. Christian. Inzwischen arbeiten beide seit dreieinhalb Jahren zusammen, Mentee Hassan Butt hat inzwischen seinen qualifizierten Hauptschulabschluss in der Tasche und bereitet sich auf die mittlere Reife vor. Er habe nicht nur schulisch gelernt, findet Hassan, sondern auch Offenbach besser kennengelernt: „Ich war sonst immer nur in meiner Straße. Dr. Christian hat mir auch die Stadt gezeigt“.
Mentees und Paten des Offenbacher Patenschaftsmodells
"Ohne die Unterstützung hätten wir das nicht geschafft": Mentees Danielle Gontsok (2.v.r.) und Hassan Butt (2.v.l.) mit ihren Paten Jessica Schröder und Dr. Wolfgang Christian © Stadt Offenbach
„Wir wollen Optionen zur Entfaltung aufzeigen und Begegnungen ermöglichen, die sonst nie stattfinden würden“: Christine Schwake ist Projektmanagerin für die Bereiche Corporate Citizenship und Corporate Volunteering bei der Deutschen Bank AG und freut sich, dass das Patenschaftsmodell Offenbach Möglichkeiten bietet, die oft über die Schule hinausgehen. Denn die Paten, die fest im Beruf stehen oder ihr Berufsleben hinter sich haben, teilen nicht nur ihre Erfahrungen mit den Schülern, sondern Teil des Projektes sind auch gemeinsame kulturelle Erlebnisse, wie Theater-, Hip Hop und Trommelworkshops oder gemeinsame Besuche des Kletterparks und ähnliches.
Neben der ständigen Suche nach Menschen, die bereit sind, einen Schüler oder eine Schülerin bis zu zwei Jahren lang zu beraten und zu fördern, ist der Austausch mit den Eltern ein wichtiger Teil der Arbeit: die beiden Projektleiter Anja Harzke, Evangelische Kirche Offenbach, und Jörg Meyer, Jugendberufshilfe Offenbach, haben das Patenschaftsmodell entwickelt. „Es war klar, dass wir für die kleine Großstadt andere Konzepte brauchen“, so Meyer in der Rückschau, „hier kommen viele Kinder aus unterschiedlichsten Nationen“. Er weiß, dass sie sprachliche Barrieren ohne zusätzliche Unterstützung kaum überwinden können. Das bestätigt auch Mentee Danielle Gonstok: „Als ich nach Deutschland kam, konnte ich nur wenig Deutsch. Jessica Schröder hat mit mir gelesen, Diktate geübt und meine Sprache verbessert.“ Sechs Jahre sind seit dem ersten Kennenlernen vergangen, nach dem Haupt- und Realschulabschluss hat die junge Frau unlängst ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Das mache sie schon stolz, so Patin Jessica Schröder, die bei der Deutschen Bank arbeitet und phasenweise sogar zwei Mentees betreute: „Ich freue mich, dass ich Danielle unterstützen konnte und wir gemeinsam erfolgreich waren.“
Entsprechend positiv fällt auch die Zwischenbilanz des Patenschaftmodells nach zehn Jahren aus, denn rund 70 Prozent der teilnehmenden Jugendlichen bekamen einen Ausbildungsplatz oder schlossen einen weiterführenden Schulabschluss erfolgreich ab. Seit vier Jahren werden zudem Stipendien für besonders begabte Schülerinnen und Schüler ausgelobt, mittlerweile erhielten 38 Stipendiaten Unterstützung von der Bürgerstiftung Offenbach, der Deutschen Bank, der IHK und einer Offenbacher Privatperson.
Geburtstagstorte 10 Jahre Patenschaftsmodell Stadt Offenbach
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