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Gruppenbild mit Sabine Groß, Rainer Marx und Monika Heinz
v.l.n.r.: Sabine Groß, Rainer Marx und Monika Heinz bei der Vorstellung des Projekts. © Stadt Offenbach/georg-foto.de

Ein Flur ist ein Raum mit vielen Türen, beim Einkaufen muss man bezahlen und wer ist die Person gegenüber? Mit einer Demenzerkrankung schwinden viele Selbstverständlichkeiten, der Prozess ist meist schleichend und daher auch für Familienangehörige oft erst nicht zu erkennen. Die Betroffenen erleben dies in der Regel als angstmachenden Autonomieverlust und reagieren nicht selten mit Aggression. Familienmitglieder sind damit erst einmal überfordert und es bedarf fachkompetenter Beratung und Hilfe, um die Situation zu gestalten. „Ein erster wichtiger Schritt ist es, sich die Erkrankung des Familienmitglieds einzugestehen, als Veränderung anzuerkennen und sich neu einzustellen“, weiß Monika Heinz von den Maltesern.

Weil es aber auch darum geht, Betroffenen noch möglichst lange ein selbstständiges Leben zu ermöglichen und eine Demenz ohnehin in unterschiedlichen Phasen verläuft, es also durchaus gute und weniger gute Tage gibt, ist es wichtig, dass auch Verkäufer, Apotheker, Pflegepersonal, Mitarbeiter bei Sparkassen und Versicherungen für ältere Kunden sensibilisiert werden.

Demografische Entwicklung bestätigt das Projekt

Die Menschen werden immer älter, aktuell gibt es bundesweit rund 1,7 Millionen Demenzerkrankte. Bis 2030 gehen Fachleute von mehr als 3 Millionen  Betroffenenaus.  „Eine Demenz ist eine Belastung und bringt viele ans Limit, daran lässt sich nichts beschönigen“, weiß auch Stadträtin und Sozialdezernentin Sabine Groß, die das Projekt der Demenzlotsen als Schirmherrin unterstützt: „Es ist gut und wichtig, dass es das Projekt der Demenzlotsen jetzt auch in Offenbach gibt. Das knüpft an die bestehenden Netzwerke in der Stadt an, gemeinsam stehen Erkrankten und Angehörigen unterschiedliche Akteure zur Seite. Mit den Demenzlotsen kommt ein weiterer wichtiger Baustein dazu und ich hoffe, dass viele Unternehmen mitmachen“.

Das hofft auch Rainer Marx. Er engagiert sich als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich im Behindertenbeirat der Stadt Offenbach und lernte bei der Alzheimer Erkrankung seiner Mutter, wie wichtig die Auseinandersetzung und Sensibilisierung für die Krankheit ist: „Das Wissen um die veränderten Gehirnstrukturen hat geholfen, meine Mutter wieder zu verstehen. Deshalb können Mitarbeiter und Unternehmen nur profitieren, wenn sie mehr wissen.“  

„Demenzfreundliches Unternehmen“ - Schulung sensibilisiert für Umgang mit Dementen

In einer 8-stündigen Schulung lernen Mitarbeiter, wie sie Veränderungen erkennen und darauf reagieren können. Wenn sie also feststellen, dass die ältere Dame jeden Tag 1.000 Euro von ihrem Konto abhebt, könnte dies ein Hinweis auf eine Demenz sein. Oder wenn ein Herr im Supermarkt ratlos vor der Auswahl von 20 verschiedenen Zahnpastasorten steht und nicht mehr weiß, welche er immer benutzt hat. „Da könnte es helfen, ihn kurz anzusprechen und ihn zu fragen, haben sie immer die mit oder ohne Minze benutzt?“, erklärt Heinz. Denn das wichtigste ist Verständnis, dafür werben die Malteser mit dem 2014 in Limburg gestarteten Projekt. Seitdem haben sich Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen mit Kundenkontakt in Hanau, Marburg und Seligenstadt ausbilden lassen, 2019 kommen zehn bis zwölf neue Standorte dazu. Neben Wiesbaden und Fulda werden auch an drei Terminen in Offenbach „Demenzlotsen“ ausgebildet, die dann als Ansprechpartner in Unternehmen für Kunden, Angehörige und Kollegen fungieren.

Projektstart und Schulungstermine

Das Projekt startet am Freitag, 10. Mai, mit einer Eröffnungsveranstaltung um 15 Uhr in Saal 2 im Rathaus, Berliner Straße 100. Anmeldungen für die drei kostenlosen Schulungstermine am 4., 6. und 18. Juni 2019 in der Volkshochschule sind bereits möglich (Kursnummer M5738A, M5738B und M5738C).  

5. April 2019