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Inklusionsteddy
© Gerti G. / photocase.de
Die Stadt Offenbach hat sich zum Ziel gesetzt, die Chancengleichheit behinderter Menschen im Alltag zu erhöhen. Drei Jahre lang arbeiteten Arbeitsgruppen unter Leitung des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration an einem „Kommunalen Aktionsplan Inklusion“ (KAI). Bürgermeister Peter Schneider hat das Ergebnis nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Aktionsplan beschreibt den Ist-Zustand bezüglich der Teilhabe behinderter Menschen in der Stadt sowie 115 Verbesserungsmaßnahmen, die sechs wesentliche Bereiche des Lebens umfassen: Erziehung und Bildung; Arbeit und Beschäftigung; Wohnen und Bauen; Kultur, Freizeit und Sport; Gesundheit und Pflege sowie Mobilität und Barrierefreiheit. „Die hier aufgestellten Maßnahmen gilt es nun abzuarbeiten“, sagte Schneider.

Einen Zeitplan gibt das Werk zwar bewusst nicht vor: „Der Aktionsplan wird jedoch nach dem noch ausstehenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für die gesamte Verwaltung verbindlich“, so Schneider weiter. Damit werde er auch für Bürgerinnen und Bürger einklagbar. Einige der Ziele im Aktionsplan seien im Ansatz schon vorhanden und müssten nur noch verbessert werden. „Andere kosten natürlich auch viel Geld und können deshalb nur schrittweise umgesetzt werden. Umgekehrt sparen diese Investitionen an anderer Stelle wieder langfristig Geld.“

Für Schneider ist aber allein schon der beschrittene Weg eine große Leistung: „Das Projekt ist mit breiter Beteiligung und intensiver Unterstützung aus vielen Teilen der Gesellschaft auf den Weg gebracht worden.“ Beteiligt waren Akteure aus Behindertenarbeit, Politik, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau, Wirtschaft, Kunst, Kultur, Sport sowie direkt oder indirekt betroffene Privatpersonen. Zurück geht das Projekt auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Deutschland in Kraft trat. 2015 hatte der Magistrat eine Planungsgruppe bestimmt, die an Entwicklungszielen für Offenbach arbeiten sollte.

Ralf Theisen, Leiter der Planungsgruppe, erinnerte daran, dass es zuvor schon verschiedene Bekenntnisse zur Inklusion gab, darunter den „Nationalen Aktionsplan" und den „Hessischen Aktionsplan", die in Weiterführung der Behindertenrechtskonventionen der Vereinten Nationen aufgestellt worden waren. Die Planungsgruppe habe nun ein Leitbild zur Inklusion und Integration erarbeitet, das auf die spezifischen kommunalen Belange in Offenbach ausgerichtet ist.

Kai Seibel, Leiter der Arbeitsgruppe Erziehung und Bildung, erläuterte exemplarisch die Arbeit der Beteiligten: „Wir haben mit einer Bestandsaufnahme begonnen, um anschließend Defizite zu identifizieren und daraus ein Leitbild zu formulieren, das konkrete Ziele setzt.“  Unterschiedliche Meinungen gehörten in allen Arbeitsgruppen dazu: „Wir mussten zunächst einmal für uns definieren, was der Begriff Inklusion beinhaltet.“ Zu den wesentlichen Ergebnissen dieser Arbeitsgruppe stand am Ende die Erkenntnis,  dass die professionellen Einrichtungen für Frühförderungen ausgebaut werden und ein Leitfaden für Eltern erstellt werden müsse.

Für das Handlungsfeld Arbeit und Beschäftigung merkte Dr. Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer der MainArbeit und Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, an, dass oft unterschätzt werde, welchen Gewinn vermeintlich nicht so leistungsfähige Behinderte im Arbeitsleben für ein Unternehmen darstellen können: „Wir bekommen sehr häufig die Rückmeldung von Firmen, dass sich die Leistungsfähigkeit eines Teams verbessert habe, seit dort ein Kollege mit Handicap arbeitet.“ Behinderte Menschen zu beschäftigen, zahle sich somit aus.  

Jörg Kreißl, Leiter der Arbeitsgruppe Wohnen und Bauen, betonte abschließend. „Nicht der Mensch ist behindert, sondern er ist die Behinderung.“ Er appellierte angesichts des derzeitigen Baubooms, mehr barrierefreie Wohnungen zu schaffen. „Bei einem Neubau entstehen Kosten, die gerade mal 1,5 bis 3,5 Prozent höher liegen, sich aber langfristig auszahlen. Denn Umbauten im Bestand sind später sehr teuer.“

Der vollständige Kommunale Aktionsplan Inklusion ist zu finden auf: www.offenbach.de/inklusion  

Link für die Presse:

https://www.offenbach.de/medien/bindata/of/dir-11/sozialplanung/KAI_OF_2018.pdf  

Pressekontakt:

Ralf Theisen
Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration
Telefon: 069 8065-2275
E-Mail: inklusionoffenbachde

Offenbach am Main, 5. Juli 2018