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Gesamtansicht Marienkirche
© Stadt Offenbach
Ein ruhiger Ort zum Nachdenken mitten in der betriebsamen östlichen Innenstadt von Offenbach ist die katholische Kirche St. Marien in der Bieberer Straße. Als einzige neubarocke Kirche Offenbachs lädt sie nicht nur Gläubige zu Gottesdiensten und Andachten ein, sondern ist auch aus baulicher Sicht eine Sehenswürdigkeit und einen Besuch wert.
Sankt Marien Kirche
© Stadt Offenbach

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg von 1911 bis 1913 an in der östlichen Innenstadt erbaut, ist das dreischiffige Gebäude ein imposanter Nachfolger des 1896 eingeweihten provisorischen Kirchenbaus und trägt den offiziellen Titel „Unsere liebe Frau vom heiligen Rosenkranz“. Das Hauptschiff ist etwa 40 Meter lang und knapp 20 Meter breit. Im Kircheninnenraum finden rund 500 Menschen Platz. Hinzu kommen 200 Stehplätze. Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts alte Kirchenbaustile wie Gotik und Romanik wieder belebt wurden, sollte auch das Gotteshaus der katholischen Gemeinde St. Marien in diesem mittelalterlichen Baustil errichtet werden. Der Entwurf wurde jedoch verworfen und stattdessen unter Einfluss einer Kunstschule aus Offenbach eine neobarocke Kirche erbaut. Zudem erwies sich der Baustil als billiger, denn die zahlreichen Verzierungen im Innenraum an Gewölbe, Rundbogen und Altar mussten nicht in Sandstein gehauen werden, sondern wurden mit Putz oder Stuck aufgesetzt.

Als Fingerzeig Gottes gegen die zahlreichen Fabrikschlote, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Silhouette der Stadt Offenbach prägten, ließ Pfarrer Bernhard Grein einen 60 Meter hohen Glockenturm errichten. Als krönender Abschluss wurde eine neobarocke Doppelzwiebel mit Schieferbedeckung weithin sichtbar aufgesetzt. Ein Aufstieg über die rund 300 Stufen zu dem Rundgang (48 Meter Höhe) der „Fingerkuppe“ ist nur mit Führung und bei vorheriger Anmeldung im Pfarrbüro möglich. Dort befindet sich auch die Turmuhr mit drei vergoldeten Zifferblättern. Mittlerweile erschallen von der Marienkirche aus acht Glocken, die vier ältesten von 1913. Zwei große Bass-Glocken wurden 1999 eingeweiht und zwei weitere kleine Glocken 2005. Die Gemeinde St. Marien hat damit das tontiefste und schwerste Geläut im Bistum Mainz.

Einer barocken Kirche nachempfunden wurde auch der so genannte Paradieshof im Eingangsbereich der Kirche – auch wenn er in der dicht besiedelten Offenbacher Innenstadt eher klein gehalten wurde. Der Vorhof direkt an der Bieberer Straße ist von einem Eisenzaun umgeben. Dahinter reicht eine kurze, dafür breite Treppe zum Kirchentor empor. Durch Grünpflanzen unterstützt soll der Paradieshof einen Moment zum Durchatmen bieten, bei dem die Besucher die Hektik des Alltags hinter sich lassen können, bevor sie den Gottesraum betreten.

Marienfigur am Portal der Kirche
© Stadt Offenbach

Wie ein Thronsaal wirkt der Innenraum der Marienkirche. Der Grund dafür ist im Chorraum zu finden: der imposante Hochaltar aus dem Jahr 1913 – ein typisch barocker Baldachinaltar. Die Rückwand des Altars ziert ein Gemälde, das die Krönung der Christus-Mutter Maria als die Königin des heiligen Rosenkranzes zeigt und gleichzeitig im unteren Teil des Andachtsbildes die Bedeutung des volkstümlichen Gebets hervorhebt. Die Großplastiken von Ambrosius, der von 374 an Bischof von Mailand war, und Papst Leo der Große (Mitte des fünften Jahrhunderts) umringen den thronsitzähnlichen Hochaltar. Rechts und links davon zieren zwei Seitenaltäre die südliche Wand des Querschiffs. Sehenswert auch der Buntfaserzyklus, der die Himmelfahrten von Maria und Jesus darstellt. Er war durch eine Brandbombe im Zweiten Weltkrieg zerstört und 2005 wiederhergestellt worden.

Breitere, bisweilen runde Formen, plastische Zierelemente wie Girlanden, den spielerisch wirkenden Puttenfiguren an den Seitenwänden oder -eingängen und Stuck zieren nicht nur den Hochaltar, sondern beispielsweise auch die üppig geschmückte Kanzel. In der Marienkirche finden sich aber auch dekorative Elemente des Jugendstils, wenn zum Beispiel die floralen Ornamente des Deckengewölbes betrachtet werden oder auch die feingliedrigen Schnitzereien an den Holzbänken.

Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die Einwohnerzahl in Offenbach stieg und sich nach der Verdrängung durch die Reformation wieder katholisches Leben in der Fabrikstadt entwickelte, wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder in der katholischen Gemeinde St. Paul so stark an, dass eine zweite Gemeinde für die östliche Innenstadt eingerichtet wurde – St. Marien. Von etwa 12.000 Mitgliedern Anfang des 20. Jahrhunderts sank die Zahl der Gemeindemitglieder auf rund 8.000 in den 60er Jahren und auf etwa 4.500 heutzutage. Auf dem Gelände von St. Marien finden sich seit Anbeginn eine Kindergartenstätte, zugänglich über die Kraftstraße, das Pfarrhaus direkt neben dem Paradieshof am Vordereingang und der Mariensaal, ein Versammlungs- und Veranstaltungsraum, in dem etwa 180 Menschen Platz finden. Seit über zehn Jahren arbeitet die Mariengemeinde zudem mit der Italienischen katholischen Gemeinde Offenbach, Rathenaustraße 36, zusammen und zelebriert mit den Gläubigen zusammen Gottesdienste.