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Sankt Pankratius Innen
© Stadt Offenbach
Das älteste Bauwerk Offenbachs und die größte Orgel Offenbachs hat die katholische St. Pankratiuskirche in Bürgel als Schätze geborgen. Der Kirchturm, der 1492 erbaut wurde, hat bisher drei Kirchenschiffe überdauert und ziert den traditionellen neugotischen Kirchenbau in der Stiftstraße. Sehenswert auch die Kirchenfenster im Längsschiff und Chorraum, die alle 15 Stationen des katholischen Rosenkranzgebets verbildlichen.
Außenansicht Sankt Pankratius in Bürgel
© Stadt Offenbach

Um 880 soll es in Bürgel den ersten katholischen Sakralbau gegeben haben – vermutlich sogar an dem Platz in der Stiftstraße, auf dem heute die St. Pankratiuskirche steht. Und bis heute hat sich die Dominanz der katholischen Kirche in Bürgel bewahrt, denn im Gegensatz zu Offenbach und Rumpenheim wurde Bürgel nicht reformiert, so dass es 1829 erst 38 Protestanten in Bürgel gab.

Aus dem Mittelalter stammt der Kirchturm der St. Pankratiuskirche, der 1492 erbaut wurde. Das gotische Bauwerk ist damit das älteste erhalten gebliebene Bauwerk der Stadt Offenbach. Während der Turm die Jahrhunderte standhielt, wurden die angebauten Kirchen mehrmals abgerissen und neue erbaut. Das heutige Gotteshaus ist bereits das dritte an dem Kirchturm und wurde 1896/97 innerhalb von 17 Monaten im neugotischen Baustil errichtet und ersetzte damit den Bau von 1714. Als traditioneller Kirchenbau bilden Längs- und Querschiff eine Kreuzform als Symbol des gekreuzigten, liegenden Christus. Dabei ist das Längsschiff etwa 48 Meter lang, so dass im Kircheninnenraum rund 500 Gläubige Platz finden. Am Turm der St. Pankratiuskirche findet der Besucher eine Kopie des Epitaphs des kurtrierischen Kanzlers Laroche (gestorben 1788) und seiner Frau Sophie, der Schriftstellerin und Großmutter der Bettina Brentano. Da der damalige Architekt auch die katholische Kirche St. Nazarius in Rödermark-Ober Roden und die St. Matthiaskirche in Rodgau-Niederroden plante, ähneln sich die Bauwerke in Gestaltung und Konzeption.

Die St. Pankratiuskirche blieb von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nahezu unversehrt. Selbst die Buntglasfenster blieben erhalten. Sie sind dem katholischen Rosenkranzgebet gewidmet und zeigen auf zwölf Fenstern rechts und links im Längsschiff und auf den drei großen Fenstern im Chorraum die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Stationen des Rosenkranzes. Die im Chorraum hervorgehobenen Rosenkranz-Stationen entsprechen den höchsten christlichen Feiertagen – Geburt Jesu zu Weihnachten, Kreuzigung und Auferstehung Jesu zu Ostern und die Erscheinung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Typisch mittelalterlich ist dabei die Darstellung der Himmelfahrt Jesu, der über den Boden schwebend auf der Erde seine Fußabdrücke hinterlässt.

Kirchengebäude Sankt Pankratius
© Stadt Offenbach

In den 1960er Jahren wurde der Kircheninnenraum im damaligen, weit verbreiteten Trend einheitlich in grau gestrichen. Doch spätestens nach der letzten Renovierung 1981 wurde der heilige Raum wieder in seine ursprüngliche Gestaltung zurückgeführt. Ein heller Anstrich der Wände und die roten Umrandungen der Pfeiler und Spitzbögen hellen das Ambiente auf, das durch den geringen Lichteinfall und die dunkelbraunen Holzbänke entsteht. Wie auch die äußere Konzeption wird im Inneren ebenfalls die Vertikale betont – durch die Pfeiler und Bögen, die länglichen Fensterfronten und der Marienaltar im Chorraum unterhalb der drei großen Festtagsfenster. Die alten Seitenaltäre waren bereits in den 50er Jahren entfernt worden. Ein typisches Merkmal (neo-)gotischer Bauweise findet sich auch in der St. Pankratiuskirche wieder: runde Rosettenfenster. Über dem südlichen Portal ist Maria, die Mutter Gottes, zusammen mit dem Heiligen Dominikus, Begründer des Dominikanerordens, und dem Rosenkranz abgebildet. Das Rosettenfenster schließt sich damit inhaltlich an die 15 „Rosenkranz“-Fenster an. Oberhalb des gegenüberliegenden Portals befindet sich ebenfalls ein Rosettenfenster, das die Heilige Cäcilia als Patronin der Musik zeigt – gleichzeitig auch Namensgeber des Kirchenchors der Gemeinde, der 2009 sein 120-jähriges Jubiläum feiert. Die Orgel der St. Pankratiuskirche stammt aus dem Jahr 1987 und soll mit drei Manualen und über 2500 Orgelpfeifen die größte in Offenbach sein.

Namensgeber und Schutzpatron der Gemeinde ist Pankratius, der etwa um 290 in der heutigen Türkei geboren wurde und 14-jährig in Rom als Märtyrer starb. Sein aus dem Griechischen stammender Name bedeutet „der alles Besiegende“. Zugleich gilt er als einer der Eisheiligen (12. Mai). Ihm ist in dem Bürgeler Gotteshaus ein neu geschaffener Seitenaltar gewidmet, umgeben von vier Figuren. Die Stifter hatten sich dabei ihre berühmten Namenspatronen, wie beispielsweise Elisabeth von Thüringen, ausgewählt.
Rund 3.000 Mitglieder hat die katholische St. Pankratiusgemeinde in Bürgel derzeit. In dem Stadtteil hat die Gemeinde zudem zahlreiche soziale Angebote. Auf der Rückseite des Kirchenbaus befindet sich der Kindergarten der Katholischen Gemeinde St. Pankratius, der bereits seit 1882, damals noch im Schwesternhaus an der Stelle des heutigen Pfarrhauses, betrieben wurde. Zuvor gab es zehn Jahre lang eine „Kinderschule“ in St. Pankratius. Für Veranstaltungen jeglicher Art – egal ob kulturell oder religiös – gibt es das Gemeindezentrum neben dem Kindergarten, dessen Vorgänger, der St. Pankratiussaal, um 1912 errichtet worden war. Jedes Jahr wieder ein Höhepunkt der Festivitäten in der katholischen Gemeinde ist die Fastnachtszeit, wenn gemeinsam gelacht und gefeiert wird. Seit nunmehr 60 Jahren existiert auch eine Kolpingfamilie in Bürgel; besonders aktiv ist dabei auch die Kolpingjugend von St. Pankratius mit Gebetsstunden, Meditationen und Freizeiten. St. Pankratius übernimmt zudem die seelsorgerische Arbeit in einer Altentagesstätte. Mit der evangelischen Gustav-Adolf-Gemeinde in Bürgel pflegen die Katholiken ein freundschaftliches Miteinander.

Alle drei Gemeinden der "Pfarrgruppe Offenbach-Ost", dies sind neben Sankt Pankratius die Pfarreien Heil Geist in Rumpenheim und Heilig Kreuz in Waldheim, werden von Pfr. Andreas Puckel geleitet. http://www.bistummainz.de/pfarreien/dekanat-offenbach/pvpg/pg_ofost/index.html