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Die Stadt Offenbach wächst – über 134.500 Menschen leben derzeit in der Stadt am Main. Die Zahl der Hilfsbedürftigen geht dabei zurück. Das belegt der Sozialbericht für 2016. Eine insgesamt positive Entwicklung der sozialen Situation in der Stadt bei einem immer noch hohen Problemdruck konstatiert Stadtrat Peter Freier, der den Sozialbericht 2016 vorlegte. Dieser Bericht wird jährlich vom Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration im Dezernatsbereich Freiers erstellt.

Die Bevölkerung der Stadt war auch im Jahr 2016 wieder kräftig gewachsen, um 1,3 Prozent auf knapp 134 Tausend Einwohner zum Jahresende. Noch stärker ist die Zahl der Einwohner gestiegen, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, nämlich um fünf Prozent auf über 50.000.

Dagegen nahm die Zahl der Menschen, die von Leistungen des SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende bzw. „Hartz 4“) abhängig waren, deutlich um 5,5 Prozent auf 18.700 Personen in 8.432 Bedarfsgemeinschaften zurück, wie Freier berichtet. Offenbach habe sich positiv vom Trend in Hessen absetzen können, wo die Fallzahlen gestiegen sind.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II ging um fünf Prozent auf 12.485 zurück. Interessant sei auch, so Freier, dass 3.647 erwerbsfähige Leistungsberechtigte zugleich erwerbstätig sind. Sie beziehen Leistungen, weil ihr Erwerbseinkommen nicht für den Unterhalt für sie und ihre Familie ausreicht. Ursachen seien in den meisten Fällen niedrige Wochenarbeitszeiten, in vielen Fällen aber auch eine große Zahl von Familienmitgliedern. Nur etwa ein Fünftel der erwerbstätigen Leistungsbezieher arbeite in Vollzeit.

Die SGB-II-Quote, also der Anteil der Leistungsbezieher an der Bevölkerung im Alter von 0 bis 64 Jahren, ist, wie der Bericht ausweist, um 1,2 Prozentpunkte auf nunmehr 16,7 Prozent zurückgegangen.

Viele Bedarfsgemeinschaften mit Kindern

Ein besonderes Augenmerk richtet der Bericht auf Kinder und Jugendliche, die in Familien von Leistungsberechtigten leben. In Offenbach gibt es überdurchschnittlich viele Bedarfsgemeinschaften mit Kindern. Rund 44 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften sind es in Offenbach, in Hessen dagegen nur rund 38 Prozent. Rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in der Stadt beziehen SGB-II-Leistungen. Das ist die höchste Quote in Hessen und gehört auch bundesweit zu den höchsten Werten.

Erfreulich sei aber, so Freier, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Leistungsbezug im Jahr 2016 sehr deutlich um 6,2 Prozent zurückgegangen sei. Auch im Bereich der Kinder und Jugendlichen habe sich die Situation in der Stadt gegen den allgemeinen Trend verbessert.

Wie in den Vorjahren liege innerhalb der Stadt der Schwerpunkt der SGB-II-Bezieher im Innenstadtbereich. Dort lägen die SGB-II-Quoten teilweise noch bei 20 Prozent, in den übrigen Stadtteilen seien sie deutlich niedriger. Allerdings zeigt der Bericht, dass sich die Situation in den Innenstadtbezirken in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Das Gefälle zwischen der Innenstadt und den übrigen Stadtteilen wird allmählich kleiner. Freier sieht darin auch einen Erfolg der Bemühungen der Stadt um die Entwicklung der Innenstadt: „Die Zahl der Leistungsbezieher im Zentrum geht überdurchschnittlich zurück. Die vielen neuen Wohnungen im Zentrum führen zu einer besseren sozialen Mischung der Bevölkerung. Es kommen Menschen nach Offenbach, die gut im Arbeitsmarkt integriert sind.“

Leicht steigend ist dagegen die Zahl der Bezieher von Leistungen des Sozialgesetzbuches XII. Das sind überwiegend Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in diesem Bereich blieb mit 3.330 konstant, die Zahl der Leistungsberechtigten stieg um knapp ein Prozent auf 3.617.

„Die aktuellen Entwicklungen im Sozialbereich sind ohne Zweifel positiv. Trotz wachsender Bevölkerung und anhaltend hoher Zuwanderung geht die Armut in der Stadt zurück. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch die erfolgreiche Arbeit des Jobcenters zahlt sich für die Stadt mehr und mehr aus. Allerdings ist der Problemdruck nach wie vor hoch. Wir müssen uns noch auf einen langen Weg zu einer stabileren Sozialstruktur einstellen“, kommentierte Freier.

Vor allem die Situation von Kindern und Jugendlichen mache ihm nach wie vor Sorgen. 

„Wichtig ist zu verhindern, dass sich Armut vererbt. Deshalb werden wir weiter in Bildung und Qualifizierung investieren. Aber auch eine gute soziale Durchmischung in den Quartieren der Stadt ist wichtig, damit soziales Lernen möglich ist und für alle erkennbar wird, dass sich Anstrengung für ein besseres Leben in unserer Gesellschaft lohnt.“

Zusammenstellung zentraler Ergebnisse des Offenbacher Sozialberichts 2016

Rahmenbedingungen

Das Berichtsjahr 2016 war wie in den Jahren zuvor von einem Bevölkerungswachstum in Offenbach geprägt. Gegenüber dem Vorjahresmonat wuchs die Bevölkerung im Dezember 2016 auf 133.827 Personen (+ 1,3 Prozent, +1.759 Personen).

Dies ging einher mit einem Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung unter der Wohnbevölkerung auf 50.187 Personen (+ 5,0 Prozent, + 2.403 Personen) und einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 9,7 Prozent (jeweils Stand Dezember 2016).

Entwicklung im Rechtskreis SGB II – Grundsicherung für Arbeitsuchende

Die SGB II-Quote (Relation der Zahl der Leistungsberechtigten zur Bevölkerung im Alter von 0-64 Jahre und das wichtigste Maß für Dichte und Belastung durch Einkommensarmut und Bedürftigkeit) sank hierbei auf 16,7 Prozent.

  • 18.662 Leistungsberechtigte, minus 1.078 gegenüber dem Vorjahr
    (- 5,5 Prozent). Im hessischen Durchschnitt kam es hingegen zu einem Anstieg.
  • 12.485 erwerbsfähige Bezieher von Arbeitslosengeld II, minus 656 gegenüber dem Vorjahr (- 5,0 Prozent).
  • 6.082 nicht erwerbsfähige Bezieher von Sozialgeld, minus 430 gegenüber Vorjahr (- 6,6 Prozent).
  • 8.432 Bedarfsgemeinschaften, minus 449 gegenüber dem Vorjahr (- 5,1 Prozent). Im hessischen Durchschnitt kam es hingegen zu einem Anstieg um 2,0 Prozent.
  • 30,0 Prozent der Offenbacher Kinder unter 15 Jahren lebte in einer SGB IIBedarfsgemeinschaft.
  • 3.647 Personen (29,2 Prozent) waren sog. „Ergänzer“ mit einem Erwerbseinkommen, das nicht zur Deckung des Bedarfs zum Lebensunterhalt ausreicht. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang um 141 Personen bzw. 3,7 Prozent. Etwa ein Fünftel (821 Personen) der erwerbstätigen Leistungsberechtigten arbeitete in Vollzeit in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.
  • Die Belastung der Innenstadtbezirke nahm weiter kontinuierlich ab. Darunter auch das Mathildenviertel als Fördergebiet des Soziale Stadt-Programms HEGISS, dessen SGB II-Quote von 30,2 Prozent im Jahr 2006 auf 21,2 Prozent im Jahr 2016 sank (siehe nachfolgende
    Abbildung).

Leistungen für Bildung und Teilhabe

Im Bereich der Leistungen für Bildung und Teilhabe gab es ein hohes Niveau bei der Inanspruchnahme von Leistungen:

  • Es gibt Leistungen für Bedarfe für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten, Schulbedarf, Schülerbeförderung, Lernförderung, Gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen.
  • 13.252 Personen stellten im Jahr 2016 Ansprüche und Anträge auf mindestens eine Leistung, darunter 11.571 bzw. 87,3 Prozent nach SGB II.
  • Die größte Bedeutung hatten Leistungen für den Schulbedarf (42 Prozent) und die Mittagsverpflegung (25 Prozent).

Kinder und Jugendliche im SGB II („Kinderarmut“)

  • 43,9 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften (= 3.698 BG) in der Stadt Offenbach haben Kinder unter 18 Jahren (Hessen: 37,5 Prozent).
  • 35,0 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren haben zwei Kinder. Dies ist in Hessen der höchste Wert (Durchschnitt Hessen: 32,4 Prozent). 23,2 Prozent der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern haben drei und mehr Kinder, in Hessen der zweithöchste Wert (Durchschnitt Hessen: 20,9 Prozent).
  • Die SGB II-Quote der Kinder unter 18 Jahren sank im Dezember 2016 gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Prozentpunkte auf 30,9 Prozent. Die SGB-II-Quote nur für die Kinder unter drei Jahren ging noch stärker um über vier Prozentpunkte auf 27 Prozent zurück. Die Stadt Offenbach wies damit eine günstigere Entwicklung auf als in den meisten anderen Kommunen Hessens, hat aber nach wie die höchste Armutsquote bei Kindern und Jugendlichen.

Entwicklungen im Rechtskreis SGB XII (Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter)

Im Bereich des SGB XII setzte sich der Anstieg der absoluten Zahl der Leistungsbezieher wie in den vergangenen Jahren fort:

  • 3.617 Leistungsberechtigte (+ 0,9 Prozent gegenüber Vorjahr).
  • 3.330 Bedarfsgemeinschaften (- 0,3 Prozent gegenüber Vorjahr).
  • Der Bereich Grundsicherung nach Kapitel 4 SGB XII (Grundsicherung im Alter und wegen Erwerbsminderung) hat mit über 79 Prozent aller Leistungsberechtigten (2.865 Personen) den größten Anteil.

Leistungen bei Wohnungslosigkeit

Die Zahl der Fälle von Wohnungslosigkeit, bei denen über das Sozialamt oder die Main-Arbeit die Zentrale Vermittlung von Unterkünften tätig wurde, sank im Jahr 2016. Die Zahl der von der Stadt vermittelten Übernachtungen in Notunterkünften war im Jahr 2016 mit 169.613 Übernachtungen um neun Prozent niedriger als im Vorjahr.

  • 91 Prozent davon waren Übernachtungen von Leistungsberechtigten im SGB II.

22. September 2017