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Während die Bevölkerung der Stadt Offenbach weiterhin kräftig wächst, ist die Zahl der Leistungsberechtigten im SGB II, aber auch die Kinderarmut im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen.

„Dieser robuste Trend ist erfreulicherweise schon seit einigen Jahren zu beobachten und er hat auch 2018 zu einer insgesamt positiveren Entwicklung der Sozialstruktur in Offenbach beigetragen“, teilte Sozialdezernentin Sabine Groß bei der Vorstellung des Sozialberichts 2018 mit, den der Magistrat in dieser Woche verabschiedet hat.

Der Bericht veranschaulicht die Entwicklung in den Bereichen der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung für Arbeitssuchende) und dem Sozialgesetzbuch XII (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit, Sozialhilfe) für das Jahr 2018 und vergleicht längerfristige Zeiträume. Ergänzt wurde die Publikation um Auswertungen zum Bildungs- und Teilhabepaket, zur Wohnungslosigkeit und zur Entwicklung der Hilfebedürftigkeit bei Kindern und Jugendlichen.

Weniger Leistungsbezieher im SGB II

Eine wesentliche Kennzahl für die Sozialstruktur der Stadt ist die SGB-II-Quote, die den Anteil der Menschen im Leistungsbezug an der Bevölkerung zwischen 0 und 64 Jahren misst, also derjenigen Altersgruppe, die prinzipiell anspruchsberechtigt sein könnte. Diese ging von 15,7 Prozent Ende 2017 auf 14,2 Prozent Ende 2018 zurück. Wie der Bericht aufzeigt, ist mit dem Wachstum der Offenbacher Bevölkerung auf rund 138.300 Menschen bis Ende 2018 auch die absolute Zahl der in Offenbach lebenden Menschen gestiegen, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen und somit sozialversicherungspflichtig sind (Beschäftigte am Wohnort). Umgekehrt sank die Zahl der leistungsberechtigten Personen im Rechtskreis des SGB II von 17.731 Menschen im Jahr 2017 auf 16.495 Menschen im Jahr 2018. Damit ist die Zahl der Betroffenen 2018 deutlich geringer als noch vor zehn Jahren (2008: 18.681).

287 Personen bzw. 2,5 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten waren sogenannte Aufstocker, bei denen das Arbeitslosengeld I nicht zur Deckung des Bedarfs zum Lebensunterhalt ausreichte. 3.059 Personen (27,7 Prozent) waren „Ergänzer“ mit einem Erwerbseinkommen, das nicht zur Deckung des Bedarfs zum Lebensunterhalt ausreicht. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang um 241 Personen (-7,3 Prozent). Ebenfalls rückläufig ist mit 2.200 die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die in Familien mit SGB-II-Leistungsbezug leben (minus 4,3 Prozent; 2017: 2.300). „Dieser deutliche Rückgang ist zwar sehr positiv“, erläuterte Sozialdezernentin Groß, „allerdings gibt es in Offenbach nach wie vor eine überdurchschnittliche Armutsbetroffenheit von Kindern. Deshalb sind nach wie große Anstrengungen zur Verbesserung der Situation erforderlich.“  

Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit unter ausländischer Bevölkerung

Für Offenbach als Stadt mit dem höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland (63,8 Prozent der Gesamtbevölkerung) ist die Betrachtung der Arbeitslosigkeit unter den zugewanderten Menschen im Vergleich zu der eingebürgerten oder einheimischen Bevölkerung stets von besonderem Interesse. Auch hier erkennt Sozialdezernentin Groß eine sehr erfreuliche Entwicklung. So sank die SGB II-Quote der Menschen mit deutschem Pass von 13,4 auf 12,3 Prozent. Die Quote der Ausländer ging noch etwas deutlicher von 18,9 auf 17,0 Prozent zurück. Bezogen auf die Anzahl der betroffenen Personen beziehungsweise Bedarfsgemeinschaften ist festzustellen, dass die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer unter den Leistungsberechtigten um 7,5 Prozent zurückgegangen ist. 50,5 Prozent aller Leistungsberechtigten sind nichtdeutsch.

„Bei der Betrachtung einzelner Bevölkerungsgruppen kann bei vielen Nationalitäten ein teilweise deutlicher Rückgang der Leistungsberechtigten festgestellt werden“, betonte Sozialdezernentin Groß. So lag 2018 beispielsweise die Quote der arbeitslosen Menschen aus Rumänien mit 13,4 Prozent (2017: 13,8 Prozent) deutlich unter der Quote der ausländischen Bevölkerung insgesamt. Erwähnenswert ist auch die Entwicklung bei den Polinnen und Polen: Die Quote der Arbeitslosen dieser Nationalität sank im Jahresvergleich um 19,7 Prozent, während die polnische Bevölkerung in Offenbach insgesamt nur um 0,6 Prozent schrumpfte. Starke Rückgänge in der Arbeitslosigkeit verzeichnete auch die Bevölkerungsgruppe aus Pakistan: Während im Vergleich zum Vorjahr 7,7 Prozent mehr Menschen aus Pakistan in Offenbach lebten, sank die Arbeitslosigkeit in der pakistanischen Community um 8,1 Prozent. Ebenfalls starke Rückgänge in der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig wachsendem Anteil in der Gesamtbevölkerung ist unter den Litauern (-21,1 Prozent) und Griechen (-11,8 Prozent) zu verzeichnen.

„Die Erfahrung, aber auch die statistischen Daten der vergangenen Jahre zeigen, dass es vielen zugewanderten Menschen nach anfänglicher Arbeitslosigkeit gelingt, mit der Zeit Fuß zu fassen, Geld zu verdienen und unabhängig zu werden.“ Diese Erfolge sind, so Groß, neben der eigenen Motivation der Menschen auch den vielfältigen Integrationsbemühungen der Stadt Offenbach geschuldet sowie der Arbeit des Quartiersmanagements in verschiedenen Stadtteilen. „Das Quartiersmanagement ist ein wichtiges Instrument, Menschen dabei helfen, Fuß zu fassen und Wurzeln zu schlagen.“ Problematisch sei jedoch die weiterhin hohe Rate von Menschen aus Bulgarien, die von SGB-II-Leistungen abhängig sind. Hier habe man offenkundig trotz einer Vielzahl von bestehenden Unterstützungsangeboten noch einen längeren Weg vor sich, um eine Angleichung der sozialen Lage zu erreichen. Zwar sank auch dort die Quote um 1,1 Prozentpunkte, mit 31,0 Prozent liegt die Quote aber noch immer sehr deutlich über dem Durchschnitt.

Positiver Strukturwandel in der Innenstadt

Räumlich verteilt sich der Bezug von SGB II-Leistungen im Stadtgebiet weiterhin ungleich. „Allerdings ist die Ungleichverteilung 2018 nach dem sogenannten Segregationsindex von 12,2 auf 11,8 Prozent weiter zurückgegangen“, erläuterte Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration und Geschäftsführer des kommunalen Jobcenters MainArbeit. Er verwies darauf, dass die Belastung insbesondere in allen Innenstadtbezirken zurückgegangen ist. Für Schulze-Böing und Dezernentin Groß ist dieser Index ein deutlicher Hinweis dafür, dass sich in der Innenstadt ein positiver Strukturwandel vollzieht, der auch auf die Verwirklichung zahlreicher Neubauprojekte in diesem Gebiet zurückzuführen ist. „Der für Offenbach so wichtige Strukturwandel ist die positive Seite des Bevölkerungswachstums, der die Stadt durch notwendige Neubauten für Schulen und Kitas bekanntlich auch sehr viel Geld kostet“, so Groß.

Leistungsbezug im SGB XII weiter ansteigend

Im Gegensatz zum rückläufigen Trend beim SGB II sind die Fallzahlen im SGB XII weiter leicht angestiegen. „Es handelt sich hier um einen langfristigen Trend“, teilte Schulze-Böing mit. Hintergrund ist im Wesentlichen die demografische Entwicklung, also der wachsende Anteil der Bevölkerung im Alter über 65 Jahre. Gegenüber dem Vorjahr wurden 3.731 Leistungsberechtige (+3,2 Prozent) und 3.437 Bedarfsgemeinschaften (+3,0 Prozent) registriert. Damit erhielten rund 2,7 Prozent der Offenbacher Bevölkerung Leistungen nach SGB XII. 39,3 Prozent (1.467 Personen) waren Ausländerinnen und Ausländer (+5,6 Prozent). Während rund 80 Prozent aller SGB XII-Bezieher Grundsicherung im Alter und wegen Erwerbsminderung erhielten, wurde für 7,0 Prozent der Bedarfsgemeinschaften (240) Hilfe zum Lebensunterhalt geleistet, weitere 13,4 Prozent bekamen Hilfe in besonderen Lebenssituationen.

Längere Verweildauer in Notunterkünften

Abschließend wirft der Sozialbericht noch einen Fokus auf die Wohnungs- und Obdachlosigkeit. In diesem Segment verzeichneten die Statistiker keine besonderen Auffälligkeiten. Die Zahl der von der Stadt vermittelten Übernachtungen in Notunterkünften war 2018 mit 196.010 Übernachtungen zwar um 10,7 Prozent höher als im Vorjahr. 89 Prozent davon waren Übernachtungen von Leistungsberechtigten im SGB II. „Das bedeutet aber nicht, dass wir deutlich mehr Obdachlosigkeit hatten. Hintergrund ist vielmehr der schwierige Wohnungsmarkt, weshalb die Menschen länger in den Notunterkünften verweilen müssen, bis Wohnraum für sie gefunden wird“, erläuterte Schulze-Böing. Die Zahl der Übernachtungen im Frauenhaus ging gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent auf 8.846 zurück.

2. August 2019