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Das Entwicklungskonzept „Lebendige Zentren“ für Bieber und Bürgel geht nun in die Umsetzung. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber erzählt im Interview, welche Projekte kommen und wie es weitergeht. Außerdem lädt er zum Ergebnis-Dialog am 12. Oktober 2021 ins Stadion am Bieberer Berg ein.

Das Förderprogramm „Lebendige Zentren“ ist schon einen langen Weg gegangen. Am Ende steht nun ein umfangreiches Konzept. Was enthält das Konzept?

Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern hat das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement trotz der Corona-Einschränkungen beteiligungsorientiert Stärken und Schwächen der Ortskerne identifiziert und diskutiert. Zusätzlich haben die Fachplanerinnen und -planer des Stadtplanungsamts Daten in und für die Ortskerne erhoben sowie analysiert.
Auf dieser Basis wurden zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern Leitbilder entwickelt. Daraus wurden neunzehn Projekte für den Bieberer Ortskern und zwanzig für den Bürgeler Ortskern abgeleitet. Sie werden durch die umfangreiche Beteiligung und Analyse den spezifischen Eigenschaften der Ortskerne gerecht und zielen auf lebendige und zukunftsfähige Ortskerne. Da die beiden Ortskerne aber auch vor ähnlichen Herausforderungen stehen, ist es sinnvoll, diese in Form von gemeinsamen Maßnahmen zu bearbeiten. So kann zusätzlicher Nutzen geschaffen und können Honorarkosten gespart werden. Solche gemeinsamen Projekte sind u. a. das Parkraumkonzept oder die Gestaltung der Ortskernstraßen. In beiden Ortskernen dominiert der ruhende Verkehr. Es gilt, Lösungen zu finden und die Ortskernstraßen so zu gestalten, dass die besondere Charakteristik der Straßen herausgestellt und damit das Ortsbild aufgewertet wird. Ziel ist, dass sich die Menschen dort gerne aufhalten. Eine weitere, sehr wichtige gemeinsame Maßnahme, ist das Kernbereichsmanagement. Es begleitet die Umsetzung vor Ort. Mit vielfältigen Maßnahmen zeigt das Entwicklungskonzept die Richtschnur für lebendige und zukunftsfähige Ortskerne in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren auf. Bund und Land fördern die Maßnahmen in Höhe von rund 14 Millionen und damit zu zwei Dritteln.

Warum ist das Kernbereichsmanagement für die Umsetzung der Lebendigen Zentren in Bieber und Bürgel so wichtig?

Das Kernbereichsmanagement ist Voraussetzung für die Förderung.

Es begleitet und koordiniert vor Ort die Umsetzung des kürzlich von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Entwicklungskonzepts. Das Kernbereichsmanagement ist der lokale Ansprechpartner und Kümmerer. Einige Projekte setzt es auch selbst um, wie u. a. die Stärkung der Versorgungskerne – ähnlich einem City-Manager. Aber auch Projekte zum städtebaulichen Bereich oder zu den Themen Grün, Zusammenleben und Mobilität stehen auf dem Arbeitsplan. Das Aufgabenspektrum des Kernbereichsmanagements ist entsprechend vielfältig. Dabei stützt es sich auf bereits vorhandene gesellschaftliche Strukturen in Bieber und Bürgel, die sich in dem noch zu konstituierenden Gremium „Lokale Partnerschaft“ zusammenfinden. Diese werden die Umsetzung und die Ortskernentwicklung von Seite der Vereine, Institution sowie Bürgerinnen und Bürger begleiten. Außerdem werden sie einen Verfügungsfonds verwalten, der finanzielle Mittel für private Projekte bereithält.

Und welche konkreten Projekte gibt es für den Bieberer Ortskern?

Ein Projekt ist eine Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung und Verkehrsberuhigung der Aschaffenburger Straße. Diese ist die zentrale Einkaufsstraße und somit auch ein Treffpunkt in Bieber. Gleichzeitig wird sie stark vom Verkehr dominiert, da sie eine wichtige Erschließungsachse für den Ortskern ist. Also muss geprüft werden, mit welchen Mitteln die Aufenthaltsqualität verbessert und die Dominanz des motorisierten Verkehrs vermindert werden kann. Unerlässlich ist es dabei, die unterschiedlichen Abhängigkeiten zum Einzelhandel, Verkehrsfluss etc. im Auge zu behalten. Im Anschluss gilt es, die entwickelten Lösungen baulich umzusetzen. Auch die Vitalisierung des historischen Bahnhofsgebäudes, das heute ja schon wieder ganz anders aussieht als noch vor wenigen Monaten, haben wir im Blick. Weitere der neunzehn Maßnahmen sind u. a. die Umgestaltung des Platzes am ehemaligen Bieberer Rathaus. Auch für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, brauchen wir bessere Bedingungen auf den Straßen. Auch die Grünvernetzung sowie mehr öffentliches Grün im alten Ortskern sind Projekte, die angegangen werden. Wichtig ist auch die Identität von Bieber mit einem Rundgang durch den historischen Ortskern sichtbar zu machen. Dies ist eine Maßnahme der lokalen Akteure. Eine Gestaltungssatzung soll helfen, die Besonderheit von Bieber zu schützen. Damit diese wirkungsvoll umgesetzt werden kann, wird sie von einem Stadtteilarchitekten, der Interessierte direkt vor Ort anspricht und berät, sowie einem Anreizprogramm, welches interessierte Eigentümer finanziell unterstützt, flankiert.

Und wann werden die Projekte umsetzt?

Im Moment wird bereits eines der Projekte in Bieber umgesetzt. Der Kleinkindbereich des Spielplatzes an der Pfarrgasse wird umgestaltet. Dies ist ein Projekt, welches mit Hilfe des Förderprogramms kurzfristig in Angriff genommen werden konnte. Prioritäres Projekt ist die Aschaffenburger Straße. Da es ein umfangreiches Projekt ist, benötigt es einen längeren, fachlichen und planerischen Vorlauf – Verkehrsflüsse, Modal Split (Verteilung des Verkehrsaufkommens nach Autos, Bussen und Bahnen, Fahrrädern sowie zu Fuß gehenden Personen) etc. müssen betrachtet werden, sodass es erst, ab 2023, terminiert ist. Außerdem gibt es Projekte, die aufeinander aufbauen. So ist die Gestaltung der Ortskernstraßen auch abhängig von einem Parkraumkonzept. Ohne ein vorangegangenes, fundiertes Konzept und eine Diskussion darüber, nutzt eine Umgestaltung wenig. Daher steht diese Maßnahme erst 2025 an. Nach diesem Priorisierungsschema ist das gesamte Konzept aufgebaut. Neben der Bürgersicht und der fachlichen Expertise ergibt sich die Projekt-Priorisierung aus der zeitlichen Bearbeitungsabfolge. Es gibt schnelle, kurzfristige Maßnahmen, um den Ortskern zügig sichtbar lebendig zu gestalten. Daneben gibt es Projekte, die größer sind und deshalb mehr Zeit und eine umfangreiche Planung brauchen. Und es gibt aufeinander aufbauende Projekte. Insgesamt ist wichtig, während der gesamten fünfzehnjährigen Laufzeit am Ball zu bleiben, Projekte umzusetzen und Fördermittel rechtzeitig und vollständig abzurufen. Entsprechend sind die Maßnahmen im Konzept angelegt.

Und welche konkreten Projekte stehen im Bürgeler Ortskern an?

Für Bürgel wurden die beteiligungsorientiert erarbeiteten Maßnahmen des 2017 von den Stadtverordneten beschlossenen Stadtentwicklungskonzepts konkretisiert und nachgeschärft. Mithilfe des Förderprogramms „Lebendige Zentren“ gibt es nun die finanzielle Unterstützung, diese umzusetzen. Prioritäre Maßnahme ist natürlich die Umgestaltung des Dalles. Hierzu liegen bereits Konzepte vor, sodass die Akteure als erstes an die Konkretisierung der Planung und bauliche Umsetzung gehen können. Dabei gilt es, die vorhandenen unterschiedlichen Interessenslagen abzubilden und entsprechende Vertreter aus der Bürgerschaft einzubinden. 750.000 Euro Fördermittel wurden bereits beantragt. Auch für die charakteristische Umgestaltung der Ortskernstraßen liegen Konzeptideen vor, sodass nach Einführung des dafür notwenigen Parkraumkonzepts ab 2025 allein hier 1,25 Millionen Euro für die bauliche Gestaltung angesetzt sind. Die Gestaltungssatzung ist, derzeit in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Außerdem sollen die bereits etablierten historischen Ortsrundgänge unterstützt werden. Weitere wichtige Projekte sind die Hauptverkehrsstraßen, die neu geordnet und auch in den Kreuzungsbereichen aufgewertet werden sollen. Darüber hinaus steht an: Verbesserung der Fahrradinfrastruktur, Aufwertung der Wegeverbindung zwischen Dalles und Main, Stärkung des Versorgungskerns, Einrichtung eines offenen Treffpunkts, Erhöhung des Grünvolumens, Verbesserung des ÖPNVs. Insgesamt sind es zwanzig Maßnahmen.

Warum gibt es so viele Projekte?

Einerseits waren diese alle bereits im Konzept von 2017 enthalten und auch beschlossen. Andererseits, und dies gilt auch für Bieber, haben die Fachplanerinnen und -planer des Teams der Stadtplanung die Ortskerne in einer Gesamtschau betrachtet. Das heißt, es wurden die Themenfelder Mobilität, Grün und Klima, Versorgung, Baukultur und Zusammenleben angeschaut. Denn lebendige Ortskerne zeichnen sich nicht nur durch eine attraktive bauliche Gestaltung, sondern auch durch eine zukunftsfähige Versorgungslandschaft, ein lebendiges Zusammenleben vor Ort, eine zukunftsfähige Mobilität und ein gutes Klima aus. Diese umfassenden Interessenslagen wurden auch während der Beteiligung deutlich. Gerade den Jüngeren waren Themen wie Fahrradinfrastruktur, Treffpunkte und Grün wichtig. Dementsprechend interdisziplinär sind die Projekte angelegt. Zudem gibt es aufgrund einiger Konzeptionen bereits recht viele baulich-investive Maßnahmen. Für Bürgel sind für diese ein Großteil der Förderung einkalkuliert. In einigen Bereichen bedarf es jedoch zunächst eines Konzepts oder einer Studie, um konkrete bauliche Maßnahmen entwickeln und anschließend zur Förderung beantragen zu können. Schließlich gibt es aber auch ausschließlich weiche Maßnahmen, die z. B. das historische Erbe sichtbar machen oder die Versorgungslandschaft bewerben. Auch diese sind für einen attraktiven und lebendigen Ortskern wichtig.

Wo kann das Konzept angeschaut werden?

Das Konzept und die Projekte werden am 12. Oktober 2021 bei dem Ergebnis-Dialog vorgestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit dem Team der Stadtplanung ins Gespräch zu kommen, Feedback zu geben und Rückfragen zu stellen. Auch wird dann voraussichtlich das bereits beauftragte Kernbereichsmanagement vorgestellt und es wird skizziert, wie sich Interessierte bei der Gestaltung der Mitte von Bieber und Bürgel einbringen können.

Der Ergebnis-Dialog findet am Dienstag, 12. Oktober 2021, von 18:30 bis 20:30 Uhr im Stadion am Bieberer Berg statt. Einlass ist bereits um 18 Uhr. Um besser planen zu können, wird um eine Anmeldung bis 6. Oktober 2021 per E-Mail an bieber-buergelkokonsultde  gebeten. Die Veranstaltung findet unter den geltenden Corona-Beschränkungen statt: Mund-Nasen-Schutz und 3-G-Nachweis (geimpft, genesen oder getestet).

Offenbach am Main, 28. September 2021