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Die schriftlich überlieferte Geschichte des Offenbacher Stadtteils Bieber beginnt vor mehr als 1200 Jahren. Eine fränkische Siedlung bildete im frühen Mittelalter die Keimzelle des heutigen Ortes. Darauf weist auch ein Gräberfeld im Bereich der Herder- und Uhlandstraße hin. In einer der etwa 50 Grabstätten fand man eine Goldmünze aus der Zeit um 650 n. Chr. Sie war einem
toten Krieger als „Charonspfennig“ in den Mund gesteckt worden und sollte ihm die Überfahrt über den Fluss der Unterwelt sichern.
Bieberer Amulett
© Stadt Offenbach

Einst keltische Siedlung

Urkundlich wird „Biberaha“ erstmals 791 erwähnt – in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch.

Archäologische Funde belegen, dass Kelten die Bieberer Gemarkung schon Jahrhunderte zuvor besiedelten. In den „Struthäckern“ südlich von Bieber entdeckte man ein Gräberfeld, das sowohl in der Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit, 1.200 – 750 v. Chr.) als auch in der Jüngeren Eisenzeit benutzt wurde (Latènezeit, 450 v. Chr. – Christi Geburt).

In einer eingestürzten Grabkammer befand sich das „Bieberer Amulett“, ein rührend filigranes Geflecht aus Bronzedraht – gerade einmal 4,5 Zentimeter hoch. Es ist heute ein Wahrzeichen Biebers und im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte ausgestellt.

Zentrum der Biebermark

Das zweite Wahrzeichen Biebers ist die katholische Kirche St. Nikolaus. Eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Kirche gibt es in Bieber nachweislich seit 1270. Im Jahr 1307 wird Bieber eigenständige Pfarrei. Um 1840 sind von den rund 1080 Einwohnern Biebers 1053 katholisch.

Der erste evangelische Gottesdienst findet erst 1865 in einem Dachstuhl statt. Daraus entwickelt sich nach dem Bau der Lutherkirche 1935 die heutige evangelische Gemeinde Bieber. Die heutige katholische Kirche St. Nikolaus wird 1936 eingeweiht.

Politisch gehört der Ort im 14. Jahrhundert zum Amt Steinheim, damals im Besitz der Herren von Eppstein. Wechselvoll ist die Geschichte der Landesherren. Ab 1425 untersteht das Amt Steinheim dem Kurfürstentum Mainz. Ab 1385 gehört Bieber außerdem der Biebermark an, einer Markgenossenschaft zur Bewirtschaftung des Waldes, bestehend aus zwölf benachbarten Orten, die in Bieber ihren Gerichtsstand hatten.

Zunehmende Industrialisierung

Schlimm wüten der 30-jährige Krieg und die Pest in Bieber. Um 1638 geht die Bevölkerung auf 26 Einwohner zurück.

Knapp 50 Jahre später, um 1681, zählt Bieber wieder 151 Einwohner. Nachdem das Kurfürstentum Mainz 1803 aufgelöst worden ist, fällt Bieber an das Großherzogtum Hessen- Darmstadt. Mit der neuen Gemeindeordnung erhält Bieber 1821 seinen ersten Bürgermeister, Jakob Zilch.

Nachdem der Ort zunächst dem Landratsbezirk Seligenstadt zugeteilt wird, gehört Bieber ab 1832 zum Kreis Offenbach.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist Bieber noch landwirtschaftlich geprägt. Die Hälfte der Einwohner sind Bauern. Nach den Gründerjahren entstehen kleine Gewerbebetriebe. Sie sind die Vorboten einer zunehmenden Industrialisierung im 20. Jahrhundert. Um das Jahr 1900 siedeln sich erste Industriearbeiter in Bieber an. Hier gibt es nun auch eine Brotfabrik. Bis zum Ersten Weltkrieg ist es die größte in ganz Hessen.

Heimat der Feintäschner

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs zählt Bieber knapp 5000 Einwohner, darunter nun viele Kleingewerbetreibende, Arbeiter und Handwerker.

In den 1920er Jahren blüht die Lederwarenindustrie auf. Bieberer Feintäschner, die zuvor in Offenbacher Firmen beschäftigt waren, gründen zu Hause eigene Werkstätten.

Ihre Blütezeit erreicht die Lederwarenindustrie in den 1950er und 1960er Jahren. Noch heute sind in Bieber und Waldhof einzelne Lederwarenfirmen ansässig.

Seit dem 1. April 1938 ist Bieber ein Stadtteil Offenbachs. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wird die Eingemeindung gegen den Widerstand der Bevölkerung erzwungen. Offenbach übernimmt damit den reichen Grundbesitz, aber auch die beträchtlichen Schulden der Gemeinde Bieber.

Sie resultieren aus umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kurz nach der Zwangseingemeindung veranlasst die Offenbacher NS-Führung den Abriss des Bieberer Rathauses zwischen der Langener Straße und der Rathausgasse.

Eigenen Charakter bewahrt

Nach dem Zweiten Weltkrieg scheitert eine Initiative zur Wiedererlangung der Selbstständigkeit. Noch sind die historischen Wunden nicht gänzlich verheilt.

Bieber ist heute ein fester Bestandteil Offenbachs mit eigenständigem Charakter. Die Inbetriebnahme der S-Bahnlinien S1 und S2 im Jahre 2003 hat die Verkehrsverbindung nach Offenbach und ins Rhein-Main-Gebiet deutlich verbessert. Durch die Ausweisung der neuen Wohngebiete Bieber-West und Bieber-Waldhof in den 1960er Jahren ist die Einwohnerzahl stark angestiegen. Ende 2010 leben rund 15.000 Menschen in Bieber.

Bedeutsame Stationen der Bieberer Geschichte - hier finden Sie eine Auflistung der historischen Meilensteine.

791 Ersterwähnung als „Biberaha“ in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch.
1270 Urkundliche Erwähnung einer Kirche.
1307 Bieber wird selbständige Pfarrei.
1371 Gottfried von Eppstein verpfändet das Amt Steinheim, zu dem auch Bieber gehört, an
den Grafen Ulrich von Hanau.
1380 Die Obermühle wird erstmals urkundlich erwähnt.
1385 Aufzeichnung über Rechte und Gewohnheiten („Weistum“) der Bieger- oder
Biebermark. Bieber war mit 11 umliegenden Orten Mitglied dieser Markgenossenschaft, die hier ihr Gericht abhielt.
1393 Das Amt Steinheim mit Bieber wird von den Eppsteinern an die Herren von Kronberg verpfändet.
1425 Erzbischof Konrad von Mainz erwirbt das Amt Steinheim von den Herren von Eppstein.
1576 Anlage eines Jurisdiktionalbuches, in dem die bürgerlichen Rechtssachen aufgeschrieben und geregelt werden.
Die Dorfmühle wird erstmals urkundlich erwähnt.
1604 Die Käsmühle wird erstmals urkundlich erwähnt.
1638 Als Folge von Krieg und Pest geht die Bevölkerung auf 26 Einwohner zurück.
1681 Bieber hat wieder 151 Einwohner.
1708 Einweihung der neuen Pfarrkirche (13. Juli).
1803 Als Folge des Reichsdepuationshauptschlusses wird das Kurfürstentum Mainz aufgelöst und Bieber fällt an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt.
1819 Auflösung der Bieger- oder Biebermark.
1821 Mit den neuen hessischen Gemeindeordnung erhält Bieber einen Bürgermeister (Jakob
Zilch) und wird dem Landratsbezirk Seligenstadt zugeteilt.
1832 Bieber gehört zum Kreis Offenbach.
1840 Nach der Volkszählung hat der Ort 1.080 Einwohner (1053 Katholiken, 17 Reformierte und 10 Lutheraner).
1841 Gründung des Gesangvereins „Frohsinn“ (erster Verein).