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Teilnehmer an der Bürgerwerkstatt
Mit 100 Personen war die Veranstaltung sehr gut besucht. © www.stefaniekoesling.de
Die Bewohnerinnen und Bewohner Bürgels leben gerne in ihrem Stadtteil. Dieses Zwischenfazit hat sich nach dem Auftaktworkshop zum Stadtteilentwicklungskonzept für Bürgel ergeben, an dem sich rund 100 Anwesende im Gemeindezentrum St. Pankratius beteiligten.

An vier Stationen mit den Schwerpunkten „Ortsgeschichte und Siedlungsstruktur“, „Wohnen und Soziales“, „Verkehr und Mobilität“ sowie „Freiraum und Umwelt“ brachten sich die Anwesenden interessiert ein.

Wunsch nach Belebung des alten Ortskerns

Wie die nun vorliegende Auswertung der ersten Beteiligung durch das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement zeigt, verleihen insbesondere die umliegenden Naherholungsgebiete Mainufer, Mainbogen und Kuhmühlgraben dem Stadtteil eine hohe Attraktivität. Gleichzeitig wurden die Verkehrsbelastung im Ortskern und die Parksituation in den engen Straßen kritisiert. Auch besteht der Wunsch nach einer Belebung des alten Ortskerns und einer Neugestaltung des Dalles mit umliegender Gastronomie. Nach Ansicht der Einwohnerinnen und Einwohner fehlt zudem ein öffentlicher Treffpunkt. Hohen Stellenwert genoss das Thema Wohnen: „Wir suchen ein Haus im Stadtteil“, lautete der Appell einer Bürgerin, sich unter der auf einer Pinnwand hinterlassenen Telefonnummer zu melden – ein sichtbares Zeichen für die Nachfrage nach Wohneigentum in Bürgel.

Oberbürgermeister Schneider am Mikrofon
Oberbürgermeister Schneider begrüßt die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt in St. Pankratius.Oberbürgermeister Schneider begrüßt die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt in St. Pankratius. © www.stefaniekoesling.de

Attraktiver Stadtteil mit regen Vereinsleben

„Bügel ist ein attraktiver Stadtteil mit einer langen Geschichte und einem regen Vereinsleben“, fasste Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Begrüßung die Ist-Situation zusammen. Und warf einen Blick nach vorne: „Mit der Entwicklung des Neubaugebiets Bürgel-Ost, das ein Zuhause für fast 1000 neue Einwohner werden wird, kommen Veränderungen auf den Stadtteil und seine Bewohner zu.“ In einem Entwicklungskonzept will die Stadt nun aufzeigen, welche besonderen Qualitäten die Neubürger vorfinden und welche Maßnahmen geeignet sind, den attraktiven Wohnstandort Bürgel zu sichern und weiter zukunftsfähig machen.

„Das Entwicklungskonzept ist die Grundlage dafür, dass wir uns um Fördermittel des Bundes für wichtige zukünftige Investitionen bewerben können“, motivierte Marion Rüber-Steins, Referatskoordinatorin im Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement, die Anwesenden zur regen Meinungsäußerung. „Dieser Prozess ist eine Chance für Bürgel.“ Denn der Stadtteil verändert sich: Die Bevölkerung wächst, wird bunter und älter. Das durchschnittliche Alter in Bürger beträgt 43 Jahre. Damit ist Bürgel einer der „ältesten“ Stadtteile Offenbachs. „Zukünftig werden sich die genannten Bevölkerungstrends verstärken und neue Herausforderungen mit sich bringen, auf die mit geeigneten Maßnahmen zu reagieren ist.“

Verwaltung hofft auf rege Bürgerbeteiligung

Jeder Blick nach vorne beginnt auch mit einem Blick ins heute und in die Vergangenheit: Stadtplanerin Anna Biegler, die das Stadtteilentwicklungsprojekt leitet, stellte deshalb eine Bestandsanalyse vor. Demnach ist die Geschichte Bürgels im Ortsbild deutlich ablesbar. Der alte Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern ist ein Alleinstellungsmerkmal für Bürgel. Dieses Kleinod muss aus Sicht der Stadtplaner in Zukunft noch sichtbarer werden. „In der Analyse wurde deutlich, dass die Zeit an vielen Gebäuden im Ortskern ihre Spuren hinterlassen hat“, so Biegler. Zur Verbesserung der Situation ist die Ausweisung eines Sanierungsgebietes zu prüfen, um Anreize für Eigentümer für die Sanierung ihres Hauses zu schaffen.

Noch steht das Konzept ganz am Anfang, weshalb die Verwaltung auf eine weitere rege Bürgerbeteiligung hofft: „In den vergangenen Monaten haben wir Bürgel ganz genau unter die Lupe genommen. Aber das ist immer eine Sicht von außen. Heute und in den nächsten Wochen sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ihre Sicht von innen einzubringen.“ Sie sollen einen wesentlichen Beitrag zur Bestandsaufnahme und zur Erarbeitung des Stadtteilkonzepts leisten.

Im Mai und Juni 2017 haben sie die Möglichkeit in Rundgängen, Interviews und Bürgerwerkstätten ihre Sicht auf Chancen und Probleme des Stadtteils einzubringen. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung fließen in das Konzept ein, das Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnens und zur Aufwertung des Stadtteils bündelt. Dieses wird in einer weiteren Bürgerwerkstatt im September öffentlich vorgestellt. Über die Umsetzung des Konzeptes soll die Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich im November entscheiden.

Die Termine der Stadtteil-Spaziergänge:

1) Ortskern und Sanierung am 29. Mai, 17 Uhr

Welche Rolle spielte der Dalles in der Vergangenheit und welche Anforderungen werden heute an den Platz gestellt? Ist der historische Ortskern als Ganzes wahrnehmbar und was gibt es bei der Sanierung eines Fachwerkhauses zu beachten? Im Spaziergang, der sich auf den Ortskern konzentriert, möchten die Stadtplaner mit Eigentümern und Bewohnern des Ortskerns sowie Interessierten ins Gespräch kommen. Anton Demmer, Träger des Denkmalschutzpreises der Stadt Offenbach, berichtet über seine Erfahrungen bei der Sanierung seines Fachwerkhauses; Architektin Thekla Sturm vom Architekturbüro Ammon + Sturm aus Frankfurt bringt eine externe Expertensicht von außen ein.

2) Bürgel allgemein am 30. Mai, 17 Uhr

Welche Qualitäten hat Bürgel und was gefällt nicht so gut? Mit welchen Verkehrsmitteln bewegen sich die Einwohner fort und wo gehen sie einkaufen? Gibt es genug Betreuungsplätze für Kinder? In diesem Spaziergang wird Bürgel in all seinen Facetten betrachtet. Stadt- und Verkehrsplaner begleiten die Teilnehmer.

3) Barrierefreiheit und Senioren am 13. Juni, 10 Uhr

Sind Gehwege und Haltestellen überall in Bürgel barrierefrei? Komme ich mit dem Kinderwagen gut durch den Stadtteil? Sind an den öffentlichen Plätzen genügend Sitzmöglichkeiten vorhanden? In diesem Spaziergang steht die Frage im Vordergrund, wie barrierefrei der Stadtteil ist. Im Praxistest ist das am besten herauszufinden.

Treffpunkt für alle Rundgänge: Dalles / Bürgerplatz

24. Mai 2017