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Blick in die Hermann-Steinhäuser-Straße
© Stadt Offenbach

Noch zur Jahrtausendwende ist der Stadtteil „Östliche Innenstadt“ ein hochverdichtetes, einwohnerstarkes Viertel mit problematischer Sozialstruktur und vielen Defiziten in der Infrastruktur, von fehlenden Grün- und Spielflächen bis hin zu fehlenden Versammlungsstätten und Kinderbetreuungsplätzen. Doch von 2000 bis 2013 unterzieht die Stadt Offenbach am Main das Viertel mit Hilfe des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt – „Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt“ (HEGISS) – einer grundlegenden Erneuerung. Damit gibt sie dem heterogenen, zwischen Bismarckstraße und Main gelegenen, Innenstadt-Quartier mit städtebaulichen, ökonomischen und sozialen Impulsen eine neue Entwicklungsperspektive.

Eine 72-seitige, von Agnes Stockmann gestaltete und Jörg Muthorst verfasste Broschüre, die der Magistrat der Stadt Offenbach sowie das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement in Zusammenarbeit mit dem Amt für Öffentlichkeitsarbeit herausgegeben haben, dokumentiert jetzt diesen Entwicklungsprozess. Sie zieht eine Bilanz dieser Stadterneuerung, die zu den größten und erfolgreichsten Projekten des HEGISS-Programms zählt und mit ihrem „Leuchtturm-Projekt“, dem Gründerzentrum Ostpol, bundesweite Beachtung gefunden hat.
Anhand von Berichten, Interviews und vielen Bildern entwirft Autor Jörg Muthorst ein facettenreiches Porträt des traditionsreichen Stadtviertels, das sich aus den dörflich-kleinbürgerlichen Anfängen der verwinkelten Offenbacher Altstadt zum industriell geprägten Arbeiterviertel entwickelt. Schon immer spiegelt das Quartier den wirtschaftlichen und sozialen Strukturwandel Offenbachs und ist gestern wie heute attraktiv für Unternehmensgründer und Arbeitsmigranten.

Der Autor spricht mit Politikern und mit Stadtplanern, mit Quartiersmanagern und mit Bewohnern des Viertels, stellt Akteure und Projekte vor und zeigt die verschiedenen Stellschrauben auf, an denen gedreht worden ist, um einen ganzen Stadtteil wieder sozial zu stabilisieren.

Die Stadt Offenbach hat dabei neue Wege beschritten und ein innovatives Modell entwickelt. Bereits das damals neue HEGISS-Förderprogramm begreift Stadterneuerung nicht nur als städtebaulichen, sondern auch als sozialen Prozess. Der Schwerpunkt liegt jedoch weiterhin auf der Städtebauförderung. Offenbach ist darüber weit hinaus gegangen. Die Stadt hat den integrativen Ansatz des Programms konsequent zu Ende gedacht und zu einem viel beachteten ganzheitlichen und interdisziplinären „Integrierten Handlungskonzept“ weiter entwickelt.

Nach diesem Konzept werden alle Handlungsfelder, von der Arbeits- und Wirtschaftsförderung über Städtebau, Verkehrs-, Ordnungs- und Integrationspolitik bis hin zu Jugend- und Sozialarbeit und Quartiersmanagement miteinander verknüpft. Entsprechend dieser Grundidee sind in dem Stadtteil zahlreiche Akteure eingebunden, viele Bürger, vor allem Kinder und Jugendliche, an Projekten beteiligt und ergänzend zu HEGISS auch Fördermittel anderer Programme eingesetzt worden.

Seit 2010 heißt die östliche Innenstadt Mathildenviertel. Das Flussufer hat die Stadt zum attraktiven Park umgestaltet. Manche Straßen, in denen nicht nur die Kommune selbst gebaut und Kreative oder wie im „Lichtpol“ auch Studenten angesiedelt hat, sind kaum wieder zu erkennen. Private Eigentümer haben ihre Häuser saniert, Investoren Baulücken geschlossen.

Aus Schulhöfen sind öffentliche Spielplätze geworden, neue Grünverbindungen führen zum Mainufer. Eine neue, baulich und pädagogisch mit der Grundschule vernetzte Kita hat sich zum lebendigen Treffpunkt entwickelt. Der Gründercampus Ostpol mit seinem Quartierssaal bietet Raum für Kreativität und Begegnung, und im Stadtteilbüro als zentrale Anlaufstelle, wo die Bewohner zur Eigeninitiative motiviert werden, wird eine Vielzahl von Projekten und sozialen Initiativen gebündelt.

„Der Wandel ist spürbar“, sagen die Menschen, die hier leben. Der Stadtteil, in dem auf engem Raum rund 12.500 Menschen aus vielen Nationen zusammen leben, hat nicht nur sein Gesicht verändert. Er hat auch eine neue Identität angenommen und entwickelt sich allmählich zu einem gefragten Wohnquartier.

Die Broschüre „Im Mathildenviertel zu Hause“ ist gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro im OF-Infocenter am Salzgässchen erhältlich.