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Der Begriff Quartiersmanagement steht für eines der interessantesten Handlungsfelder der Kommunalpolitik. Verschiedene Verwaltungsdisziplinen wirken hier zusammen, um für ein lebenswertes Wohnumfeld der Bewohner zu sorgen: Akteure aus den Bereichen Sozial- und Bildungspolitik, Stadtentwicklung und -gestaltung arbeiten Hand in Hand, damit Menschen sich in ihrem Viertel zu Hause fühlen können.
Dazu bedarf es – neben Einkaufsmöglichkeiten und Spielplätzen, Kindergärten und Schulen sowie Einrichtungen zur wohnortnahen Erholung – eben eines freundlichen Wohnumfeldes, das geprägt ist von einem freundlichen Miteinander und guten nachbarschaftlichen Beziehungen.

Die Idee – stand am Anfang

Offenbach startete sein erstes Quartiersmanagement bereits 2002 als Pilotprojekt in der Östlichen Innenstadt. Mit Mitteln aus dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" fokussierte es die strukturelle Verbesserung des städtebaulichen Wohnumfeldes. Allgemein setzt Quartiersmanagement in Wohnquartieren mit sozialräumlichen Nachteilen an. Solche Nachteile können eine extrem hohe Bewohner- und Nutzungsdichte, relativ schlechte Wohnungsbausubstanz und Wohnumfeldqualität oder eine große Zahl einkommensschwacher und bildungsferner Haushalte sein. Dies sind Faktoren, die die Lebensqualität in einem Stadtteil erheblich einschränken. Meist ist eine hohe Bewohnerfluktuation die Folge, was eine Abwärtsspirale im Stadtteil noch verstärken kann.

Eine solche Abwärtsspirale war bis in die 1990er Jahre auch in der Östlichen Innenstadt (Mathildenviertel) zu beobachten. Das einst blühende Arbeiterviertel hatte seinen Zenit schon lange überschritten. Von der Vielzahl der Industriebetriebe, die es gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Marktplatz und Altem Friedhof gab, waren rund 100 Jahre später nur noch einzelne übrig geblieben. Wo einstmals Fabrikanten neben ihren Beschäftigten wohnten, lebten schließlich nur noch jene, denen das Geld für den Umzug in attraktivere Gegenden fehlte. Die östliche Innenstadt brauchte dringend neue Impulse, denn ein Mangel an Investitionen und eine hohe Dichte einkommensschwacher Haushalte wurden sichtbare Zeichen einer wachsenden Vernachlässigung.

Das Stadtteilbüro – Dreh- und Angelpunkt der Quartiersentwicklung

Hier setzt die Arbeit eines Stadtteilbüros mit einem Quartiersmanagement an. Dessen Mitarbeiter sind Ansprechpartner für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers und tragen mit ihren Aktivitäten zu einer Verbesserung des Lebensraumes bei. Die Stadtteilbüros sind Orte des Austauschs und der Kommunikation für die Bevölkerung. Sie unterstützen die örtliche Verwaltung bei der Erfassung problematischer Wohn- und Arbeitsbedingungen und vermitteln Bedürfnisse und Sichtweisen der Bewohnerinnen und Bewohner. Vor allem aber konzentrieren sich die Aktivitäten der Mitarbeiter des Quartiersmanagements darauf, die Bereitschaft der Bewohner zu wecken, sich aktiv für ihre Umgebung einzusetzen und mit ihnen gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Die Bündelung von Aktivitäten im Quartiersmanagement kann bereits mittelfristig zu einer qualitativen Verbesserung des wahrgenommenen Lebensumfeldes führen. Dort, wo Menschen gerne leben, bleiben sie über längere Zeit, entwickeln ein Gefühl der Zugehörigkeit, engagieren sie sich für das Zusammenleben. So entstehen Lebensräume, die das Gesicht und den Charakter einer Stadt prägen und den Menschen Identität und Heimat geben. Das ist das Ziel von Quartiersmanagement.

Die Praxis – brachte wertvolle Erfahrung

In einigen Stadtteilen Offenbachs arbeiten die unterschiedlichen Akteure aus den Bereichen Arbeit- und Wirtschaftsförderung, Stadtplanung und Städtebau sowie sozialer Stadtentwicklung inzwischen seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Beteiligt sind die Stadt Offenbach, die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) sowie Institutionen, freie Träger und Initiativen. Gemeinsam wurde 2002 im Rahmen des Programms „Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt“ (HEGISS) in der Östlichen Innenstadt ein Quartiersmanagement als direkter Ansprechpartner für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers vor Ort eingerichtet. Hier wurden seitdem wichtige Erfahrungen gesammelt, die nun auch der Entwicklung anderer Stadtteile zu gute kommen sollen.

So konnte in der Östlichen Innenstadt nicht nur die Abwärtsspirale gestoppt werden, sondern auch die Voraussetzungen für eine positive Fortentwicklung Aufschwung geschaffen werden: das ehemalige Arbeiterviertel kommt nun als Ort für junge Kreative zu neuer Blüte. Das Gründerzentrum Ostpol bietet heute Büros und Ateliers für Unternehmensgründer. Die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) hat Wohnraum für Studierende geschaffen. Die Sanierung alter Bausubstanz hat das Stadtbild im Quartier verbessert, die Mieterstruktur verändert sich durch die Ansiedlung von Studierenden und wird perspektivisch auch die Angebotsstruktur im Stadtteil verändern, wenn Handel und Gastronomie diese Zielgruppe für sich entdecken. Die Umbenennung zentraler Bereiche der Östlichen Innenstadt in "Mathildenviertel" soll mit dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung stärker mit ihrem Quartier identifiziert.

Die Zukunft – hat bereits begonnen

Seit 2010 werden Stadtteilbüros nun auch in anderen Stadtteilen eingerichtet und mit einem Quartiersmanagement versehen. Schritt für Schritt soll auf diese Weise ein Netz von miteinander kooperierenden Stadtteilbüros über weite Teile des Stadtgebietes entstehen. Die Stadtteilbüros dienen zum einen als niedrigschwellige Anlaufstelle für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie für Initiativen vor Ort. Zum anderen entwickelt ein Quartiersmanagement von dort aus gezielt bewohnerorientierte Aktivitäten für den jeweiligen Stadtteil und setzt diese gemeinsam mit den Bewohnern um.

In Offenbach gibt es inzwischen fünf Stadtteile, die über ein Stadtteilbüro mit Quartiersmanagement verfügen: Bieber-Waldhof (2014), Senfelder Quartier (2014), Lauterborn (2010), Nordend (2010) und Östliche Innenstadt/Mathildenviertel (2002).