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Schlosspark
© Alexander Habermehl / Stadt Offenbach
Der Schlosspark Rumpenheim soll eine Replik seiner historischen Diana-Statue erhalten. Ein privater Sponsor beabsichtigt, der Stadt Offenbach eine Geldsumme in Höhe von rund 82.600 Euro zur Wiederbeschaffung einer Kopie der Statue für den dauerhaften Verbleib im Park zu zahlen. Der Magistrat hat jüngst beschlossen, hierzu einen Sponsoringvertrag zu unterzeichnen. Dem Vorhaben muss zunächst noch die Stadtverordnetenversammlung zustimmen.
Wie Stadtrat Paul-Gerhard Weiß mitteilt, bietet der Vertragsabschluss der Stadt Offenbach „die seltene Gelegenheit, einen bedeutenden Beitrag zur Wiederherstellung der historischen Substanz im Schlosspark Rumpenheim zu leisten“. Lediglich die Kosten für den erforderlichen Sockel in Höhe von rund 18.000 Euro sowie die dauerhafte Erhaltung der Statue sind von der Stadt zu tragen. Die jährlichen Unterhaltskosten sind über den Rahmenvertrag mit der GBM – Gebäudemanagement GmbH, ein Unternehmen im Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Unternehmensgruppe, abgedeckt. Sofern sich keine Verzögerungen ergeben, könnte das Vorhaben Ende 2019 / Anfang 2020 umgesetzt werden.

Die Diana-Statue (heute in Eichenzell bei Fulda) ist eine klassizistische Skulptur aus dem 19. Jahrhundert. Sie stand, wie Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, erläutert, unweit der Schlosskirche in einer Sichtachse zum Ehrenhof des Rumpenheimer Schlosses sehr dekorativ auf einem Podest. Die Jagdgöttin Diana erscheint in einer Toga dargestellt, wie sie mit der Linken einen Hirschen am Geweih packt, mit der Rechten nach einem Köcher hinter ihrem Rücken greift.

Die Statue wird in Zeitungsartikeln der 1950er Jahren als durch Vandalismus beschädigt beschrieben, das heißt die Vorderläufe der Tierfigur waren „mutwillig“ abgeschlagen worden, wie damalige Abbildungen bezeugen. Beiläufig wird auch erwähnt, die Figur sei bereits „über hundert Jahre alt“, womit deutlich wird, dass sie nicht zur frühesten Ausstattung des Schlossparks gehörte, sondern später errichtet wurde.

Die Zerstörungswut im Schlosspark war nach dem Zweiten Weltkrieg so groß, dass die Offenbach-Post am 23.3.1955 berichtete, „etliche tausend Meter“ Stahldraht lägen bereit, um den Park durch die Kurhessische Hausstiftung (Eigentümerin) zu schließen. Unter diesen Voraussetzungen kam es 1965 zum Verkauf der Schlossruine und des Parks an die Stadt Offenbach am Main, wobei das beschädigte Schloss mit den erhaltenen Seitenflügeln komplett abgerissen, der Park als Naturdenkmal erhalten bleiben sollte. Die Kurhessische Hausstiftung (heute Hessische Hausstiftung), Stiftung der ehemaligen Fürstenfamilie, bettete daher ihre Toten aus dem Rumpenheimer Mausoleum um und versetzte auch die bloß wenig beschädigte Diana-Statue.

Das Original befindet sich aufgrund der geschilderten Zeitereignisse im Park von Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda, Sitz der Hessischen Hausstiftung, und ist dort ein schöner Blickfang. Die Statue wurde mittlerweile restauriert, wieder mit den zuvor abgeschlagenen Vorderläufen des Tieres ausgestattet. In Eichenzell befinden sich auch Stücke des ehemaligen Inventars des Rumpenheimer Schlosses, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise der Nachkriegszeit ebenfalls gerettet werden konnten.

Offenbach am Main, 25. Februar 2019