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Offenbach am Main, 6. Juli 2021 – In der Nacht von Donnerstag auf Freitag der vergangenen Woche führten extreme Temperaturschwankungen im Schultheis-Weiher zu einem massiven Sauerstoffmangel. Viele Fische verendeten und trieben auf dem Wasser. Mit vereinten Kräften haben das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz mit Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks und der freiwilligen Feuerwehr das Gewässer belüftet. Insgesamt haben die Pumpen am Südufer rund 14.000 Liter pro Minute bewegt. Der Einsatz wurde am Sonntagvormittag beendet, weil keine weiteren Verbesserungen durch die Maßnahme zu erwarten waren. Aufgrund der niedrigen Saustoffkonzentration im Wasser bleibt die Situation weiter angespannt.

Dr. Patrick Slattery, zuständiger Einsatzleiter des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz und verantwortlich für das Projekt: „Bereits kurze Zeit nach Eingang der Meldung fanden sich am Freitag gegen 11 Uhr die Feuerwehr und Mitglieder der lokalen Angelvereine am Schultheis-Weiher ein. Gemeinsam haben wir die Fischkadaver aus dem Wasser entnommen und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat Wasserproben entnommen. Weitere Unterstützung traf nachmittags in Form des 2. Technischen Zugs des THW ein. Mit dieser Unterstützung konnten auch Fische gerettet werden: Rund 140 Schleien von 6-10 Zentimeter (vereinzelte bis 18 Zentimeter), 80 Hechte mit 12-20 Zentimeter, sowie 10 Waller mit Abmessungen von 60-120cm und ein Exemplar ca. 160-170 Zentimeter.“

Der Regen am Sonntagnachmittag brachte kurzfristig Linderung, indem er die Gewässertemperatur senkte und wichtigen Sauerstoff für den Flachsee lieferte. Doch das extreme Wetterphänomen bringt auch Probleme mit sich, Starkregenereignisse können häufig zu einem erhöhten Nährstoffeintrag führen. Es kann immer noch vorkommen, dass einzelne Fische verendet nach oben treiben.

Zu viel Phosphat im Schultheis-Weiher führt zu einem immer wiederkehrenden Kreislauf: Es heizt die Cyano-Bakterien-Vermehrung explosionsartig an, sobald die Temperaturen hoch genug im Wasser sind. Sinken die Temperaturen dann unter 18 Grad im Wasser, sterben die Cyano-Bakterien ab - doch auch damit verschärfen sie die Situation: Beim Zersetzungsprozess der großen Menge an Biomasse wird der Sauerstoff im Weiher großflächig aufgebraucht. Verstärkt wird der Effekt des Kreislaufs der Cyano-Bakterien durch invasive Krebse: Sie vertilgen die sauerstoffproduzierenden Wasserpflanzen und sorgen damit für noch mehr zu zersetzende Biomasse im Wasser.

Je nach Wetterlage kommt es immer wieder zu hohen Wassertemperaturen und im Wasser befindet sich kaum noch Sauerstoff - das wechselt mit hoher Sauerstoffkonzentration und niedrigeren Temperaturen. Mit steigenden Temperaturen starten die Cyano-Bakterien erneut durch.

Langfristige Hilfe verspricht sich die Stadt von einer verfahrenstechnischen Anlage zur externen Phosphatelimination (PEA), die am Südufer errichtet werden soll. Die Anlage wird dieses Jahr bestellt und installiert. Sie wird dauerhaft dem Gewässer Phosphat, den limitierenden Nährstoff für Algen- und Pflanzenwachstum, entnehmen und so die Primärproduktion von Biomasse bremsen.

„Wir möchten uns herzlich bei den Einsatzkräften und Helfern bedanken, der Einsatz und die Zusammenarbeit waren vorbildlich. Wir wissen, dass die Maßnahme nur vorübergehend geholfen hat. Eine langfristige Besserung ist nur zu erwarten, wenn durch die Anlage das Phosphat dauerhaft gesenkt werden kann“, so Heike Hollerbach, Amtsleiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Bildinformation:

Die Fotos zeigen Maßnahmen zur Belüftung des Schultheis-Weihers.

Ansicht eines invasiven Krebses.

Fotos: Stadt Offenbach