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Die Stadt Offenbach widerspricht einer Darstellung, sie lasse Hauseigentümer mit Rissen alleine, handle dogmatisch und verweigere sich pragmatischen Problemlösungen.

„Diese Darstellung trifft nicht zu und wird durch ständige Wiederholung nicht wahrer. Das Gegenteil ist richtig. Die zuständigen Behörden sind seit November 2018 mit der Frage beschäftigt, wie fachlich fundiert auf diese in der ganzen Stadt vorkommenden Probleme reagiert werden kann. Wenn die Fachleute überzeugt wären, dass durch das Fällen von Bäumen diese Probleme gelöst werden könnten, würden die Behörden auch zustimmen“, erwidert Paul-Gerhard Weiß, Dezernent für Planen, Bauen und Umwelt, einen Pressebericht vom 23. August.

Der zuständige Dezernent weist darauf hin, dass die Stadt in der Vergangenheit immer wieder Bäume entfernt hat, wenn der hinreichende Nachweis erbracht wurde, dass diese Bäume für das Problem verantwortlich waren. „Es gibt aber auch Fälle wie in der Karl- und Krafftstraße, die sehr komplex sind und wo unterschiedliche Ursachen für die Risse in Betracht kommen. Hier ist es wichtig, im Interesse der Betroffenen festzustellen, welche Ursachen wirklich für die Risse verantwortlich sind.“ Nur dann könne einer weiteren Verschärfung der Problematik entgegengewirkt werden.

„Die Aussage, es stehe fest, dass die Straßenbäume für die Austrocknung des Bodens und dadurch hervorgerufene Risse verantwortlich seien, ist falsch.“ Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt in einem Urteil zur Karlstraße gerade erst festgestellt und hierbei in zweiter Instanz das erstinstanzliche Urteil bestätigt. Kläger war hier einer der Beschwerdeführer in der Krafftstraße. Auch hier wurde mit Berufung auf ein Gutachten vorgetragen, der Baum vor dem Haus sei die Ursache. Das Gericht bestellte daraufhin einen unabhängigen Sachverständigen, der das Gutachten nicht bestätigte und den Nachweis nicht als erbracht ansah. Vielmehr sei deutlich geworden, dass eine Reihe von Ursachen in Frage komme.

Falsch ist auch die Aussage, dass in einer stadtinternen Präsentation Gutachter empfohlen hätten, die Bäume zu entfernen. Wie das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz betont, zitiert die Präsentation der Umweltkommission lediglich aus Gutachten, in denen allgemein Gründe für Baumfällungen angegeben werden und stellt gleichzeitig dar, dass diese Gutachten unzureichend sind.

„Einfach so große Bäume auf Verdacht zu fällen, wäre in Zeiten des Klimawandels und der Bedeutung von Grün für das Stadtklima nicht nur unvernünftig, sondern auch völlig verantwortungslos“, sagt Weiß. Gleichwohl wisse die Stadt um ihre Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. „Gerade weil wir die Haus-Eigentümer nicht allein lassen, sondern mithelfen wollen, die tatsächlichen Ursachen zu ermitteln, haben wir ein Verfahren vorgeschlagen, wie die verschiedenen, in Frage kommenden Ursachen abgeklärt werden können.“

Dafür Geld in die Hand zu nehmen ist, so Weiß weiter, im Interesse aller jetzigen und künftigen Betroffenen und deshalb eine sinnvolle Vorgehensweise für alle. „Mit einem fachlich anerkannten Verfahren können Hauseigentümer am Ende auch viel Geld sparen, das sie sonst in Gutachten investieren müssten.“

Der Magistrat hat die Beauftragung einer Fachfirma beschlossen, das Verfahren exemplarisch in der Krafftstraße durchzuführen. Ziel dieses Verfahrens ist es, durch die geologischen Beschaffenheiten rund um die Häuser ein Ursachenprofil erstellen zu können und dadurch eine Lösung für die Probleme zu finden. Untersucht werden dabei nicht die Bodenart, die Bodenverhältnisse in Baum- und Gebäudenähe, die Bodenschichtung, die Wasserbindungskapazität, die Totwassergehalte, die Grundwasserabsenkung, die Erhitzung des Bodenkörpers und die Hohlräume. Zunächst wurden drei Eigentümer, die direkt betroffen sind und bei denen das Verfahren besonders gut durchgeführt werden kann, um Zustimmung für die Maßnahme auf ihrem Grund gebeten. Ein gegenüberliegendes Referenzhaus, das gut geeignet ist, für die Bodenuntersuchungen die notwendigen Werte zu analysieren, wird in das Verfahren eingebunden. Dessen Hauseigentümer hat dem Verfahren bereits zugestimmt. Die direkt Betroffenen jedoch nicht. Daraufhin werden jetzt weitere angefragt.

Die Stadt macht auch deutlich, dass es einen intensiven Austausch mit den Eigentümern gegeben hat. „Von Ignoranz kann keine Rede sein, alle nehmen das Thema sehr ernst. Die beteiligten Ämter, das Umweltamt mit der unteren Wasserbehörde, das Bau- und Planungsamt und der ESO, die zu diesen Fragen eine hohe Fachlichkeit besitzen, sind sehr besorgt, dass diese Probleme sowohl Eigentümer als auch die Stadt in Zukunft häufiger beschäftigen werden.“ Offenbar aufgrund der zunehmenden Trockenheit der Böden gibt es aus verschiedenen Stellen des Stadtgebietes Rückmeldungen über Risse. Eine „pragmatische Lösung“ besteht nach Auffassung aller Fachleute bei Stadt und ESO nicht einfach im Abholzen von Bäumen. Vielmehr gilt es die jeweils konkreten Ursachen zu ermitteln, zum Beispiel Boden- und Grundwasserverhältnisse sowie die baulichen Gegebenheiten, um fachlich fundiert reagieren und eine möglichst dauerhafte Lösung für die Eigentümer finden zu können.

23. August 2019