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Wolken
© Stadt Offenbach
„Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, mit diesen Worten stellte Paul-Gerhard Weiß, verantwortlicher Dezernent für Umwelt und Verkehr, die Gesamtstrategie der Stadt Offenbach zur Luftreinhaltung vor. Mit einem Bündel an Einzelmaßnahmen will die Stadt die Luftqualität verbessern und ein Fahrverbot für Dieselfahrverbote verhindern. Die Zeit drängt, nicht nur weil es um die Gesundheit der Bürger geht, sondern auch, weil die Deutsche Umwelthilfe gegen den Luftreinhalteplan des Landes Hessen geklagt hat. 40 Mikrogramm Stickoxide beträgt der Höchstwert, der 2010 auf Basis einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1999 erlassen wurde und innerstädtisch an vielbefahrenen Straßen oft überschritten wird. Und weil Dieselmotoren größere Mengen des Gases ausstoßen als Benziner, sollen diese, wenn es nach dem Willen der Umwelthilfe geht, mit einem Fahrverbot belegt werden. „Damit würden“, so Weiß, „die Bürger für die Verfehlungen der Autoindustrie bestraft. Das gilt es auch für Offenbach zu vermeiden.“

Schnelle Verbesserung der Luftqualität oder Fahrverbot

Zumal die Stadt in den letzten Jahren schon sichtbare Anstrengungen unternommen, um die Grenzwerte an einigen Hot Spots in der Stadt zu verringern, erläuterte Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz: „So konnte mit der Einrichtung eines Tempo 30-Bereiches auf der Bieberer Straße eine signifikante Verbesserung der Luftqualität erreicht werden.“

Weil Luft aber keine Stadtgrenzen kennt und punktuelle Einzelmaßnahmen die Werte für Stickoxide (NOx) in der Luft nicht dauerhaft und vor allem nicht schnell genug senken, wurde in den vergangenen Monaten mit der Stadt Frankfurt der gemeinsame „Masterplan Green-City“ erarbeitet und auch bereits mit dem hessischen Umweltministerium abgestimmt.

Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme und Analyse des Mobilitätsverhaltens wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, in dem die Digitalisierung ein zentrales Handlungsfeld darstellt. Geplant sind eine Optimierung des Verkehrsflusses unter anderem durch neue digitale Steuergeräte an den Lichtsignalanlagen sowie die Stärkung des Radverkehrs und des Öffentlichen Nahverkehrs. „Wir müssen den Menschen attraktive Alternativen aufzeigen, damit sie vielleicht doch das Auto stehen lassen“, so Hollerbach, „oder, wenn sich dies nicht vermeiden lässt, dafür sorgen, dass der Verkehr punktgenau und sensitiv gesteuert wird.“

Alternativen zum Auto aufzeigen

Mit viel Enthusiasmus wird beispielsweise der Ausbau der Stadt Offenbach zur Fahrradstadt vorangetrieben. So wurden Einbahnstraßen für Radler freigeben, die Infrastruktur verbessert und ein Leihradsystem für E-Bikes etabliert. Außerdem konnten mit Aktionen wie der Klimaschutz-Initiative „Stadtradeln“ viele Menschen für diese Form der Fortbewegung begeistert werden: Bei der unlängst zu Ende gegangenen Etappe legten 645 Radlerinnen und Radler sowie 15 Teams die beachtliche Strecke von 128.446 Kilometer zurück.

Positiv zum Stadtklima insgesamt trägt auch der Ausbau der E-Mobilität bei, hier genießt die Stadt seit einigen Jahren den Ruf einer Vorreiterrolle, die mit der weiteren Ausweitung der Car- und Bike-Sharing-Angeboten und zusätzlichen Ladestationen vorangetrieben werden soll. Dazu gehört auch die Elektrifizierung der kommunalen und gewerblichen Flotten, bei der Stadtverwaltung sollen sukzessive alle Dienstfahrzeuge elektrisch unterwegs sein.

E-Mobilität und bessere Taktung

Geräuschlos und emissionsarm sollen auch die Busse der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) in Zukunft unterwegs sein, ab 2019 ist die Anschaffung von zunächst 23 Elektrobussen bis 2023 geplant. Bereits im November diesen Jahres findet die größte Angebotserweiterung in der Geschichte der Verkehrsbetriebe statt, wenn mit einer Taktverdichtung im 7,5 Minuten-Takt und weiteren Haltstellen mehr Menschen der Einstieg zum Umstieg ermöglicht werden soll. Zusätzliche Attraktivität versprechen sich die Planer mit dem Einsatz von Echtzeit-Anzeigern an den Haltestellen, die Reisenden die optimale Planung ihrer Fahrt ermöglichen. Wer für Teilstrecken doch noch ein Auto benötigt, kann dies auf den geplanten Park- und Ride-Parkplätze am Nassen Dreieick oder am Stadion stehen lassen.
Verkehrsrechner
© Stadt Offenbach

Herzstück: Verkehrsmanagement

Leidgeprüfte Pendler kennen die Nadelöhre in der Stadt, in der Rush-Hour gehören die Mainstraße und der Odenwaldring nicht nur zu den zähflüssigsten, sondern auch den am meisten NOx-belasteten Straßen der Stadt. Auf Basis der Verkehrssituation soll ein neuer Verkehrsrechner die Lichtsignalanlagen passgenau steuern und so nicht nur die innerstädtischen Verkehrsbeziehungen dem Verkehrsaufkommen entsprechend strukturieren, sondern vor allem den emissionsintensiven Stop-and-Go-Verkehr reduzieren.

Durch eine solche mit dem Verkehr in Frankfurt korrespondierende Zuflussdosierung können Hotspots entlastet und die NOx-Belastung um 10 bis 15 Prozent gesenkt werden. Die Kosten für den Austausch der Ampeln und einen neuen Rechner liegen bei rund 6,5 Mio. Euro. „Das erscheint vergleichsweise hoch“, räumt Hollerbach ein, „ist aber langfristig ein echter Gewinn für die Stadt und die Verkehrsteilnehmer.“ Bis 2020 soll Offenbach ein rundherum erneuertes Verkehrsmanagement haben, dafür sowie für die Umsetzung aller anderen Maßnahmen des Masterplans wurde, so Hollerbach weiter, „so ziemlich jeden Fördertopf angezapft“. Allein die sehr konkret geplanten Maßnahmen des Masterplans rechnet sie mit Kosten in Höhe von rund 14 Millionen Euro, von denen voraussichtlich60 bis 70 Prozent aus Mitteln des Bundes gefördert werden.

Weitere Entlastung soll kurzfristig auch ein Durchfahrtsverbot für Lkw bringen, denn rund 40 Prozent des Lkw-Verkehrs in Offenbach, das sind zirka 1200 Lkw pro Tag, nutzt das Stadtgebiet nur zur Durchfahrt. Dieser Durchgangsverkehr soll bereits im Vorfeld möglichst weiträumig umgeleitet werden. „Es gibt zahlreiche alternative Routen um Offenbach herum, diese müssen nur genutzt werden“, erklärt Horst-Ingo Kupfer vom Referat Verkehrsplanung beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement.