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„Die Kommunen können es nicht alleine richten – die Reduzierung unserer hohen Luftschadstoffkonzentrationen muss auch vom Bund ernst genommen werden.“ Oberbürgermeister und Umweltdezernent Horst Schneider äußert deutlich seinen Unmut zur Veröffentlichung der Bundesregierung, dass die flächendeckende Einführung einer „Blauen Plakette“ bis auf weiteres offen bleibt. „Der Verkehr ist zu 60 bis 70 Prozent Verursacher der gesundheitlichen Belastungen für unsere Bürgerinnen und Bürger. Aufgrund der gesundheitsschädlichen Wirkung wurden Grenzwerte eingeführt. Seit 2015 sind alle Kommunen verpflichtet, den Grenzwert für Stickstoffdioxid einzuhalten, was uns jedoch flächendeckend derzeit nicht gelingt. Deshalb arbeiten wir auch mit den Städten in der Region zusammen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Wir brauchen aber auch die Unterstützung durch den Bund, sonst schaffen wir es nicht.“

Die negativen Auswirkungen hoher Konzentrationen von Luftschadstoffen auf die menschliche Gesundheit sind allgemein bekannt. Stickstoffdioxid (NO2) ist ein Luftschadstoff mit hoher gesundheitsschädlicher Wirkung. Insbesondere schädigt es die Atemwege und beeinträchtigt die Herz-/Kreislauffunktionen. Auch der Feinstaub (PM 10) mit seinen ganz unterschiedlichen Inhaltsstoffen (wie Schwermetalle, Sulfat, Nitrat, organischer Kohlenstoff und Bodenpartikel) hat überwiegend negative Auswirkungen auf das Atmungs- und Herz-Kreislauf-System. NO2 und PM 10 werden immer an verkehrsnahen Orten gemessen.

Die stark wachsenden Regionen wie der Ballungsraum Rhein-Main mit seinen Städten Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Mainz und Offenbach müssen daher geeignete Maßnahmen finden, um die Gesundheit ihrer Bewohner zu schützen. Dazu sind jetzt und zukünftig energie- und verkehrspolitische Entscheidungen zu treffen, die auf eine Reduzierung von schädlichen Emissionen wie Stickoxiden, Schwefel, reaktiven Kohlenwasserstoffen oder Feinstaub hinwirken.

Luftqualität und Klimawandel stehen außerdem in einer wechselseitigen Beziehung. Maßnahmen, primär entwickelt zur Verbesserung der Luftqualität, haben auch einen positiven Einfluss auf das Klima. Deshalb wird auch im Klimaanpassungskonzept der Stadt die wechselseitige Wirkung bei den Maßnahmen berücksichtigt.

Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie u. Klimaschutz: „ Der Verkehr wird durch die jährlichen Neuzulassungen von zusätzlich etwa 1.500 Fahrzeugen immer mehr. Auch wenn die Einzelfahrzeuge umweltfreundlicher sind, belasten sie jedoch nach wie vor die Stadt. Damit wir dem Problem nicht nur nachrennen, sondern auch aktiv etwas zur Verbesserung tun, haben wir einen umfangreichen Maßnahmenkatalog beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingereicht. Und trotzdem reicht das noch nicht.“

Um das Problem der Städte deutlich zu machen und nach Lösungen zu suchen führen die Städte Frankfurt, Mainz, Darmstadt u. Wiesbaden am 10. Mai 2017 in Offenbach die Regionalkonferenz Luftreinhaltung RheinMain durch. Dort wird auch gemeinsam mit dem Land und dem Deutschen Städtetag diskutiert, was gemeinsam getan werden kann.

Offenbach am Main, 10. April 2017