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Abgase von Autos, vorne Verbotsschild für Kohlenstoffdioxid
© Gerd Altmann / Pixabay
Im Jahr 2006 wurde von der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung der Beschluss gefasst, ein Klimaschutzprogramm zur messbaren Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen zu erstellen. Die erste Energie- und CO2-Bilanz der Stadt Offenbach wurde 2009 veröffentlicht. Die Fortschreibung der Energie- und Treibhausgasbilanz für den Zeitraum 2017 bis 2019 zeigt nun deutlichen Handlungsbedarf im Klimaschutz.

„Wie bereits die Ergebnisse des Vorgängerberichtes sind die Ergebnisse hier zugleich positiv wie ernüchternd“, berichtet Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß. „Ab 2012 betrachtet, also nach Stilllegung der Chemieproduktion auf dem Clariant-Gelände, haben wir die Reduktion der Treibhausgasemissionen um zehn Prozent alle fünf Jahre 2019 nur ganz knapp erreicht.“ Im aktuellen Bericht wurden die Treibhausgas-Emissionen in der Stadt auf Grundlage der Energieverbrauchsdaten zwischen 2005 und 2019 neu berechnet.

Die Herausforderungen in der Stadt wachsen seit der ersten Energiebilanz im Jahr 2005 enorm. Das liegt in erster Linie an der rasanten Stadtentwicklung und der damit einhergehenden Zunahme von Wohn- und Gewerbeflächen. „Die neuen Rechenzentren, die sich im Bau oder in der Planung befinden, werden den Stromverbrauch enorm in die Höhe treiben, dazu müssen wir uns dringend etwas einfallen lassen“, so Paul-Gerhard Weiß. Eine weitere große Herausforderung besteht im Sektor Mobilität: Hier hat sich in den letzten Jahren nicht viel zum Positiven verändert. Heike Hollerbach, Amtsleiterin des Amtes für Umwelt, Klimaschutz und Energie erklärt: „Wir brauchen ein Umdenken bei den Mobilitätsentscheidungen in unserer Gesellschaft. Denn so wie es derzeit läuft, kann es auf lange Sicht nicht weitergehen.“

Als Klimabündnismitglied hat sich die Stadt Offenbach dazu verpflichtet, alle fünf Jahre zehn Prozent der CO2-Emissionen einzusparen. Mit der Verabschiedung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes durch die Stadtverordnetenversammlung im Jahr 2010 wurden messbare Klimaschutzziele, ein Maßnahmenplan sowie die Ziele des Klimaschutzprogramms festgelegt.

Umweltdezernent Weiß erklärt: „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir uns auf allen Ebenen konsequent anstrengen. Insbesondere im Wärmesektor und bei der Stromerzeugung ist das Ziel, vom Kohlenstoff weg zu kommen – also fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas oder Öl. Solche Ziele lassen sich auf lokaler Ebene nur erreichen, wenn alle relevanten Akteure die erforderlichen Maßnahmen vor Ort so schnell wie möglich umsetzen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Energie- und Treibhausgasbilanz können im Erklärungsbericht des Zeitraumes 2017 bis 2019 nachgelesen werden. Dort gibt es zudem Informationen zur Emissionsentwicklung im privaten, wirtschaftlichen und kommunalen Bereich sowie Informationen zur Methodik und Datengrundlage des Berichtes. Die aktuelle Fortschreibung der Bilanz beruht im Wesentlichen auf den gleichen Datengrundlagen und Berechnungsschritten wie die im Jahr 2009 veröffentlichte Erstbilanz sowie den Fortschreibungen für die darauffolgenden Jahre.

Im Entwurf für die Fortschreibung des Klimakonzeptes bis 2035 ist die Erstellung von CO2-Bilanzen als eine Art Controllinginstrument vorgesehen. „Besonders herausfordern werden zukünftig Regelungen im Verkehrssektor, da wir davon ausgehen, dass der Verkehr eher noch ansteigt, was natürlich zu hohen Emissionen führt“, sagt Sabine Swoboda, zuständige Fachreferentin im Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Die Mobilitätswende müsse daher ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Auch die Förderung von Elektromobilität oder der Ausbau des ÖPNV-Angebots gehören dazu.

Offenbach ist zudem Teil des Arbeitskreises „Kommunaler Klimaschutz“ des Deutschen Instituts für Urbanistik, welches im Juni ein Impulspapier mit dem Titel „Energie- und CO2-Bilanz als wirksames Instrument für Klimaschutz in Kommunen“ für die Bundesregierung herausgebracht hat. Dieses begründet die Notwendigkeit von Energie- und CO2-Bilanzen für den kommunalen Klimaschutz und ist unter diesem Link abrufbar: 

Grafik: Treibhausgasemissionen gesamt nach Energieträgern
Treibhausgasemissionen gesamt (LCA) nach Energieträgern: Die jährlichen Emissionen haben sich von 2005 bis 2019 um 35 Prozent reduziert. Das Minderungsziel von 25 Prozent wurde erreicht. © Stadt Offenbach

Hintergrund: Einzelne Ereignisse

  • Im Bereich der privaten Haushalte ist der Prozess-Stromverbrauch im Vergleich zu 2005 um 2 % zurückgegangen - der witterungsbereinigte Heizenergieverbrauch stieg dagegen um fast 7 % an. Insgesamt ist der Energieverbrauch der Haushalte seit 2005 witterungsbereinigt damit um 5 % gestiegen.
  • Aufgrund des Anstiegs der Einwohnerzahl und der Wohnfläche im gleichen Zeitraum entspricht dies einem Rückgang des spezifischen Gesamtverbrauchs von 2005 bis 2019 um etwa 11 % je Einwohner bzw. 4 % je m² Wohnfläche. Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen sind im gleichen Zeitraum um 25 % je Einwohner bzw. 19 % je m² Wohnfläche zurückgegangen und halten den für die Gesamtemissionen definierten Zielpfad damit bezogen auf die Einwohnerzahl knapp ein.
  • Der Energieverbrauch der Wirtschaft (Industrie und GHD ohne kommunale Einrichtungen) ist – ohne den Einfluss der Betriebsstillegungen im Industriepark – seit 2011 um 22 % gesunken, die Emissionen sind sogar um 31 % zurückgegangen.
  • Bei den städtischen Gebäuden (Verwaltungsgebäude, Schulen, Kitas u.a.) machen sich die durchgeführten Sanierungen deutlich in einem sinkenden Heizener­gieverbrauch bemerkbar. Der Stromverbrauch ist starken jährlichen Schwankungen unterworfen und liegt nach zwischenzeitlichem deutlichem Rückgang und einem erneuten Aufwärtstrend in den letzten drei Jahren 2019 um 5 % unter dem Wert von 2005.
  • Erfolge zeichnen sich durch den Einsatz der LED-Technologie bei der Straßenbeleuchtung ab, deren Stromverbrauch seit 2010 um knapp 40 % gesunken ist.
  • Der in Offenbach produzierte Strom erzeugt, trotz leichter Verbesserungen, immer noch deutlich mehr Treibhausgasemissionen als im deutschen Durchschnitt (im Jahr 2019 983 g/kWh gegenüber 544 g/kWh im Bundesmix). Ähnlich sieht es mit der Fernwärme aus, die mit 301 g/kWh über dem deutschen Durchschnitt von 262 g/kWh liegt. Ursächlich hierfür sind v.a. der hohe Anteil der Kohleverbrennung in einem vergleichbar ineffizienten Kraftwerk und geringe Anteile erneuerbarer Energien an der Erzeugungsstruktur. Trotz erfolgter Verbesserungen durch einen Ausbau des Müllheizkraftwerks ist hier noch viel zu tun.
  • Die verkehrsbedingten Emissionen stagnieren insgesamt, eindeutige Trends sind im gesamten Bilanzierungszeitraum nicht erkennbar. Hauptverursacher sind der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit 66 % und der Straßengüterverkehr mit 28% der Emissionen aus dem Verkehrssektor.  

16. September 2020