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Lärmgegner
© Stadt Offenbach
Unter freiem Himmel und ohne technische Verstärker, unter normalen Bedingen also, informierten Fachvertreter der Ämter am Mittwoch, 25. April, über Lärm und was dagegen getan wird beziehungsweise getan werden kann.
Der Treffpunkt im Isenburgring an der Ecke Helene-Mayer-Straße war mit Bedacht gewählt, denn hier sind mindestens drei Lärmquellen hautnah erfahrbar: So dröhnten während der Begrüßung durch Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß die Flugzeuge im Anflug an den Frankfurter Flughafen über die Köpfe der Gruppe, rauschten die Züge beim Vortrag von Christian Homburg, Fachreferent beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement und unterstrich ein röhrendes Mofa lautstark die Ausführungen von Dr. Irene Haas vom Umweltamt. Insgesamt vier Vorträge zu den Themenschwerpunkten Flug-, Schienen-, Straßen- und Freizeitlärm gab es, das Zuhören war mal mehr, mal weniger schwierig.

Flugverkehr ist Hauptbelastung

Dass eine Stadt kaum eine Oase der Ruhe sein könne, sei allen bewusst und auch bekannt, betonte Paul-Gerhard Weiß, dessen Dezernat die Aktivitäten des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement, Ordnungsamt und der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL)  anlässlich des Aktionstags am „Tag gegen Lärm“ gebündelt hatte. „Aber“, so Weiß im Hinblick auf den Flughafen, „die Verursacher müssen zur Verantwortung gezogen werden. Stattdessen beobachten wir, wie diese nach und nach aus den Kompensationsleistungen aussteigen.“
Ingrid Wagner kämpft seit 28 Jahren in der BIL gegen den Ausbau des Flughafens. „Die Flugzeuge sind“, sagt sie, „zu laut. Nachdem wir die Nordwestbahn nicht verhindern konnten, gilt es nun, den Betrieb verträglich zu gestalten. Wir brauchen das Nachtflugverbot und“, mit Verweis auf Ryanair, „dessen strikte Durchsetzung.“
„Low cost carrier höhlen die bestehenden Beschränkungen immer weiter aus.“ Das sieht Hermann Gaffga, ebenfalls in der BIL engagiert, ebenso. Er rechnet nicht mit signifikanten Verbesserungen für die Bewohner der Region: „Lärmobergrenzen werden die wenigsten von uns noch erleben“. Und auch wenn aktuell die Zahl der Flugbewegungen mit 476.000 pro Jahr noch weit hinter den prognostizierten 701.000 Flugbewegungen zurückliegt, wird es mit der Eröffnung von Terminal 3 kaum leiser werden.

Fluglärmgegner
© Stadt Offenbach
Dr. Haas erläutert Straßenlärm
Dr. Irene Haas vom Umweltamt © Stadt Offenbach

Lärmschutz aktiv und passiv

Ein bisschen hoffen dürfen die Anwohner der Bahn, die in den nächsten Jahren das 1990 vom Bund auf den Weg gebrachte Lärmvermeidungsprogramm auch in Offenbach angeht. Bis 2021 schätzt Experte Homburger könnte die Deutsche Bahn Maßnahmen zum Lärmschutz umgesetzt haben, eine Bürgerbeteiligung zum Planfeststellungsbeschluss ist derzeit in Planung.

Gegen röhrende Mofas und getunte Autos allerdings ist in Offenbach noch kein Kraut gewachsen, dagegen hilft auch kaum ein entsprechender Straßenbelag. Denn an vielen Stellen kommt bei neugebauten Straßen inzwischen ein geräuschärmerer Belag zum Einsatz, um den Straßenlärm zu reduzieren. Außerdem setzt die Stadt auf E-Mobilität und damit langfristig auf geräuscharme Alternativen und baut das Fahrradwegenetz weiter aus. „Wir tun, was wir können, um Lärm zu reduzieren“, erklärt Haas. „Aber letztlich ist jeder Einzelne Verursacher und Leidtragender und trägt somit auch zu seinem Umfeld bei.“
Das gilt auch Gärtnerarbeiten und private Feiern. Das Ordnungsamt informierte über Möglichkeiten und Grenzen den Nachbarschaftslärm zu reduzieren. Auch hier sollte, wie überall, Rücksichtnahme groß geschrieben werden. Das gilt auch für Kinderlärm: „Der“, so Weiß“, gehört zu einem lebendigen Umfeld dazu. Kinder müssen Krach machen können, da ist Toleranz gefragt.“

Offenbach am Main, 30. April 2018