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Gruppenbild mit E-Pedelec
Gruppenbild mit Cargo Cruiser, v.l.n.r.:Anja Georgi, Leiterin der Projektleitstelle Elektromobilität Rhein-Main, Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider, Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Victor Stern, Direktor UPS Division Frankfurt, Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, und Paketzusteller Anastasios Savallas © Stadt Offenbach
„Innovativ“, „beispielhaft“ und „ein bisschen wie Weihnachten“: die Begeisterung über das Pilotprojekt des amerikanischen Paketzustellers UPS mit Sitz in Frankfurt-Fechenheim, Sendungen in der Offenbacher Innenstadt mit einem E-Pedelec, also einem elektrisch unterstützen Lastenfahrrad, auszuliefern, ist groß. „Seit 2010 wurde über das Projekt geredet“, erinnert sich Heike Hollerbach, Leiterin des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz, seit Montag, 21. März, ist Paketzusteller Anastasios Savallas jetzt mit dem lärm- und emissionsarmen UPS Cargo Cruiser unterwegs ist.

„Das ist etwas völlig innovatives“, findet der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, „aber auch sehr zeitgemäßes, dem wachsenden Verkehr mit einer Kombination aus Elektromobilität und ein bisschen Muskelkraft zu begegnen.“ Gerade in der Innenstadt müssten Fußgänger ständig auf der Hut sein, weil morgens die Paketdienste unterwegs sind. Ein wichtiger und auch wachsender Wirtschaftszweig, alleine 2014 habe das Sendungsvolumen um 4,5 Prozent zugenommen, 2,8 Milliarden Sendungen wurden insgesamt zugestellt. Der Trend, beispielsweise online nach Hause zu bestellen, nehme auch weiterhin zu, so Al-Wazir, aber auch die Innenstädte wollen beliefert werden. Daher sei von weiteren Zuwächsen im Bereich der Paket-, Kurier- und Expressdienstleistungen auszugehen. Dabei kommen meistens Dieselfahrzeuge zum Einsatz. „25 Prozent aller verkehrsbedingten CO2-Emissionen entstehen in den Städten. Sie leiden am meisten unter der Überlastung der Straßen, dem Lärm und der schlechten Luftqualität.“ Entsprechend lobenswert sei daher die Initiative des Unternehmens, die innerstädtische Auslieferung emissionsarm und leise vorzunehmen: „Wir haben lange dafür gekämpft, dass Städte wieder lebenswerter werden.“ Dass UPS nach ersten positiven Erfahrungen in Hamburg jetzt in seiner Heimatstadt die Auslieferung mit einem Lastenfahrrad erledigen lässt, ist für den Minister ein schönes Signal. Schließlich ist Offenbach lange Jahre eine „dramatisch autogerechte Stadt“ gewesen, der Minister erinnert in dem Zusammenhang an die vierspurige Berliner Straße.

Paketzusteller Anastasios Savallas
Paketzusteller Anastasios Savallas © Stadt Offenbach
„Stickoxide sind bei uns seit langem ein Thema“, ergänzt Umweltdezernent Peter Schneider, „mit dem Pilotprojekt wird sichtbar und erfahrbar, dass auch private Partner beispielhaft am gemeinsamen Ziel der Schadstoffreduzierung arbeiten können.“ Er ist sicher, dass das Lastenfahrrad „Staunen und Verblüffung“ hervorrufen wird, wenn es in der Fußgängerzone unterwegs ist.
„Das ist die Zukunft“ und „ein echter Hingucker noch dazu“, schwärmt Victor Stern, Direktor der UPS Division in Frankfurt. Weltweit ist UPS mit 6.000 alternativ betriebenen Fahrzeugen unterwegs, in Hamburg macht das Unternehmen seit 2013 gute Erfahrungen mit 5 Cargo Cruisern. Diese sollen jetzt in Offenbach fortgesetzt und zudem wissenschaftlich begleitet werden, um die technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu evaluieren. In der Offenbacher Innenstadt werden täglich über 120 Kunden von UPS angesteuert, um Paketsendungen abzuholen oder Versandaufträge abzuholen. „Daraus ergeben sich jeweils 80 bis 90 lokale Fahrzeugbewegungen in ohnehin räumlich beengten Gegebenheiten“, erläutert Stern. Für das 3,3 Meter lange und 1,1 Meter Breite Lastenfahrrad muss nicht lange eine Park- oder Haltemöglichkeit gesucht werden, Paketzusteller Anastasios Savallas kann auf der „letzten Meile“ beinahe überall problemlos an- und ausliefern. Vorher belädt er den Cargo Cruiser an einem mobilen Depot in Form eines Paketwagenanhängers, der morgens mit einem konventionellen Fahrzeug von der Niederlassung Fechenheim nach Offenbach gebracht wurde. Das ist auch für den 49-jährigen eine Umstellung, immerhin war er 15 Jahre mit dem UPS-Auto mit einer Sondergenehmigung in der Innenstadt unterwegs und ist als Zehnjähriger zuletzt Fahrrad gefahren.
Savallas erklärt das Elektro-Fahrrad
Minister Al-Wazir ließ es sich nicht nehmen und probierte den Cargo Cruiser an Ort und Stelle aus. Hier gibt Savallas noch eine kleine Betriebsanleitung © Stadt Offenbach
Testfahrt mit Minister
Der Minister auf Testfahrt © Stadt Offenbach

„Derzeit hat das Ordnungsamt 76 Ausnahmegenehmigungen in der Innenstadt erteilt, dazu kommen 521 Ausnahmegenehmigungen für die Umweltzone der Stadt“, erklärt Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz, das auch für den Immissionsschutz zuständig ist. Gemeinsam mit dem Land Hessen hat das Amt einen Luftreinhalteplan erarbeitet, der unter anderem die zum 1. Januar 2015 eingeführte Umweltzone für das gesamte Stadtgebiet und das nächtliche LKW-Durchfahrtverbot in der Mainstraße umfasst: „Der zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegte Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wird im Rhein-Main-Gebiet regelmäßig überschritten. Da Stickstoffdioxide ein Bestandteil von PKW- und LKW-Abgasen sind, helfen vor allem Maßnahmen im Verkehrsbereich wie die jetzige Initiative von UPS.“