Sprungmarken
Suche
Suche

Über die Vogelwelt in Stadt und Kreis Offenbach informiert der druckfrische Ornithologische Jahresbericht 2016. Klaus Fiedler vom Arbeitskreis Offenbach der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) hat den Bericht Oberbürgermeister und Umweltdezernenten Horst Schneider vorgestellt. Dieser wurde zum dritten Mal gemeinsam vom HGON – Arbeitskreis Offenbach und dem Kreisverband Offenbach des Naturschutzbundes Offenbach (NABU) aufgelegt und kann ab sofort bestellt werden.

222 Vogelarten beobachtet

Wie Klaus Fiedler berichtet, war es erneut eine große Herausforderung, aus den mehr als 31.200 Meldungen das Wesentliche herauszufiltern. 201 Personen haben ihre Beobachtungen von insgesamt 222 Vogelarten zur Verfügung gestellt. Aus den Datensätzen hatten die Verfasser einiges herauszuarbeiten: Wie sollten beispielsweise die mehr als 900 zufälligen Beobachtungen von Kohlmeisen interpretiert werden? Oder wie viele Stockenten haben tatsächlich in einem Gebiet gebrütet, wenn von mehreren Personen innerhalb einer kurzen Zeitspanne unterschiedliche Angaben zu Junge führenden Weibchen und zur Anzahl der Jungvögel gemacht worden sind?

Inhaltlich zeichnet sich der aktuelle Bericht durch „teilweise sehr bemerkenswerte Beobachtungen“ aus, vor allem bei den Wasservögeln. Erstmals rastete eine Schwarzkopf-Ruderente, im November erschienen ungewöhnlich viele Bergenten mit maximal 22 Tieren in einem Trupp, eine Moorente war einige Tage anwesend und bis zu drei Ohrentaucher verweilten längere Zeit im Beobachtungsgebiet.

Seeadler und Rotfußfalke gesichtet

Höhepunkte für die Beobachter war der mehrwöchige Aufenthalt eines jungen Nachtreihers sowie die Sichtung von Seeadler und Rotfußfalke. Erstaunlich ist nach Ansicht der Verfasser auch die recht hohe Anzahl von 22 beobachteten Limikolenarten, darunter Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Kiebitzregenpfeifer und Zwergstrandläufer. Schwarzstorch, Zwergseeschwalbe und Weißbart-Seeschwalbe waren besondere Erscheinungen im Mai vergangenen Jahres.

Alles in den Schatten stellt – so die Verfasser – die erste Brut vom Bienenfresser im Kreisgebiet. Kaum weniger außergewöhnlich seien der Nachweis einer erfolgreichen Brut vom Blaukehlchen und der Verdacht auf ein Brutvorkommen vom Orpheusspötter. „Von unserem Sorgenvogel Schwarzhalstaucher haben zwei Paare erfolgreich gebrütet“, heißt es außerdem in dem Bericht. Und auch der Drosselrohrsänger steht auf der Liste der Brutvögel in Stadt und Kreis Offenbach.

Bestandszählungen von Rauch- und Mehlschwalben seit mehreren Jahren

Vor allem den Raritäten wurde im Beobachtungszeitraum hohe Aufmerksamkeit geschenkt. „Unsere ehemaligen Allerweltsarten hingegen fristen ein eher unbemerktes Dasein – und die Bestände gehen bei vielen von ihnen immer weiter zurück.“

Neben dem ausführlichen Sammelbericht bereichern wieder mehrere Beiträge den Inhalt. So werden die Ergebnisse der Wasservogelzählungen im vergangenen Jahr dargestellt und die lange Rast des Nachtreihers im Rahmen des hessischen Vorkommens der Art betrachtet. Rudolf Lehmann berichtet über die Ergebnisse der bereits seit mehreren Jahren durchgeführten Bestandszählungen von Rauch- und Mehlschwalben in Langen, Egelsbach und Dreieich.

Bericht kann angefordert werden

Einen interessanten Beitrag über Ringelnattern im Komposthaufen hat Werner Matzke verfasst. Mara und Wilfried Greve schildern ihre Erfahrungen aus zwölf Jahren Nistkästenkontrollen. Komplettiert wird der Jahresbericht mit einem Artikel von Werner Matzke, der sich dem auch für die Menschen wichtigen Gut Wasser widmet und auf seinen 30 Jahre währenden Niederschlagsaufzeichnungen in Egelsbach basiert.

Der Bericht kann ab sofort schriftlich bei Klaus Fiedler, Am Hinterberg 23, 63073 Offenbach, oder per E-Mail an klaus.fiedler.ofgmxde für 10 Euro pro Exemplar angefordert werden.

Ornithologe Klaus Fiedler

Oberbürgermeister Horst Schneider dankte Klaus Fiedler für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement bei der Beobachtung der hier anzutreffenden Vogelarten. Fiedler ist ein Mann der ersten Stunde des Arbeitskreises Offenbach der HGON, der sich 1967 als Arbeitskreis Rodgau und Dreieich gründete. Bis heute gehört der 81-Jährige dem Vorstand an.

Als Vertreter der HGON hat Fiedler viele Jahre im Naturschutzbeirat der Stadt Offenbach die Interessen der Gesellschaft wahrgenommen. 16 Jahre war er Vorsitzender dieses beratenden Gremiums. Nach seinem Rücktritt übernahm Fiedler das Amt des Naturschutzbeauftragten des Beirats. Inzwischen ist er seit 16 Jahren Betreuer der Naturschutzgebiete Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben und Erlensteg von Bieber. Die Ornithologie betreffend war Fiedler 30 Jahre Koordinator für die Zählungen in Stadt und Kreis Offenbach.