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Artenschutz hat überall einen Platz. Das fanden auch die Stadtverordneten aus dem Offenbacher Parlament: Im Beschluss zur Sanierung des Schlauch- und Übungsturms der Feuer- und Rettungswache in der Rhönstraße wurden deshalb die Empfehlungen des Umweltamtes zur Förderung der Mauersegler umgesetzt.

Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz: “Gefährdet sind diese besonders geschützten Gebäudebrüter vor allem durch den Verlust an Nistmöglichkeiten durch den Abriss alter Gebäude sowie bei Fassaden- und Dachsanierungen oder durch moderne Bauweisen bei Neubauten. Die Vögel als auch ihre Entwicklungsformen und selbst ihre Nist- und Wohnstätten schützt das Bundesnaturschutzgesetz. Sie dürfen weder getötet, noch dürfen Einflugmöglichkeiten und Nester bestehender Populationen beschädigt oder gar zerstört werden. Auch wenn die Nester nach dem Sommer leer stehen, dürfen sie nicht einfach beseitigt werden, da Mauersegler als quartierstreue Brutvögel gelten und jedes Jahr zu ihren angestammten Nestern zurückkehren. Sollten also bei Baumaßnahmen die Nistplätze oder Einflugmöglichkeiten aus bautechnischen Gründen nicht erhalten werden können, sind entsprechend Ersatzplätze zu schaffen. Dafür ist vorher eine Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde einzuholen.“

Mit tatkräftiger Unterstützung der Kollegen von der Feuerwehr konnten spezielle Nistkästen angebracht werden, die eigens für die Ansiedlung dieser schwalbenähnlichen Vögel vorgesehen sind. Der Turm wurde im Herbst 2012 innen umgebaut und insbesondere auch an der Stahlbeton-Fassade instandgesetzt. Er wird weiterhin für Übungszwecke gebraucht. Das freistehende über 30 Meter hohe Gebäude mit seinen auskragenden Brüstungs- und Balkonelementen bot sich geradezu an, Nisthilfen für diese Gebäudebrüter unter zu bringen und damit einen aktiven Beitrag zum Artenschutz im städtischen Raum zu leisten. Auch die Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr freuen sich auf die zukünftigen neuen Mitbewohner und montierten die Kästen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in Eigenleistung mit Einsatz der Drehleiter.“

Die Lebensweise der Mauersegler (Apus apus), die sich hauptsächlich in der Luft befinden, ist überaus beeindruckend. So verbringen die Jungvögel ihre ersten Jahre fast ausschließlich fliegend. Bis sie sich mit dem Erreichen der Geschlechtsreife nach ca. drei Jahren wieder auf festem Boden nieder lassen, um dort das Brutgeschäft aufzunehmen. Neben dem Schlafen finden auch die Nahrungsaufnahme sowie die Paarung in der Luft statt. Mauersegler sind mit ihren langen sichelförmigen Flügeln perfekt an ein Leben im Flug angepasst und können Geschwindigkeiten von 180 km/h erreichen. Für den Auftrieb in die höheren Luftschichten nutzen sie die Thermik – also die durch Wärme entstehenden Aufwinde über dem Boden. So können wir sie sich oft über städtischen Plätzen in die Höhe schrauben sehen. Für die Nahrungsaufnahme legen sie auch kilometerweite Wege zurück, wobei sie die Luftströmung der höheren Schichten perfekt ausnutzen.

Die Zugvögel verbringen regelmäßig die Sommermonate zur Brutaufzucht in unseren Breiten, bevor sie sich zur Überwinterung wieder auf den 10.000 km langen und oft riskanten Weg ins südliche Afrika machen. Als ursprüngliche Felsbrüter bevorzugen sie bei uns die Stadt mit ihrem vielfältigen Angebot an hochgelegenen Gebäudenischen und Hohlräumen unter Dächern oder in Traufkästen, also Strukturen, die ihrem ursprünglichen Bruthabitat ziemlich gut entsprechen. Entscheidend für den Nistplatz ist eine ausreichende Höhenlage von mindestens 6 Metern sowie eine hindernisfreie An- und Abflugmöglichkeit. Mit ihren spitzen Krallen können sie sich selbst an senkrechten Wänden festkrallen und aufgrund ihrer kurzen Beine wieder in den freien Abflug fallen lassen. Dafür kommen hohe freistehende Gebäude wie der Offenbacher Feuerwehrturm, aber auch ganz normale Wohnungsbauten als Niststandorte in Frage.

Heike Hollerbach: „Das Anbringen von Nistkästen kann -wie hier geschehen- gut im Rahmen von laufenden Baumaßnahmen wie Dach- und Fassadensanierungen durchgeführt werden. Wenn das Baugerüst noch steht, sind die Kosten für die Montage relativ gering zu halten. Zumal die Kästen von handwerklich geschickten Leuten auch gut in Eigenanfertigung produziert werden können. Für den Feuerwehrturm wurden vorgefertigte, speziell für diese Vogelart geeignete Nistkästen eingesetzt. Sie sind optisch perfekt in die Farbgestaltung integriert. Ein Verschmutzen der Fassade ist im Übrigen nicht zu erwarten. Mauerseglerkästen sind in dieser Hinsicht wartungsfrei, die Vögel entsorgen ihren „Mist“ selbst. Hausfassaden bleiben frei von Kotklecksen und anderen Spuren.“

Noch ein Hinweis auf den Status des Mauerseglers in Hessen. Nach der Roten Liste Hessen 2006 sind die Mauersegler zwar noch mit mehreren 10.000 Brutpaaren vertreten, stehen aber bereits in der sog. Vorwarnliste. D.h. solange die Gefährdungsfaktoren nicht ausgeschaltet sind, ist weiterhin mit einem erheblichen Rückgang der Bestandszahlen zu rechnen.


Umso mehr stellen Maßnahmen wie diese einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Vogelvielfalt in unseren Städten da. Ingrid Sponsel, Fachreferentin der unt. Naturschutzbehörde: „Die Vögel danken es uns auch, indem sie lästige Insekten wie Mücken, Motten und Blattläuse reduzieren und damit für das ökologische Gleichgewicht sorgen. Und was wären laue Sommerabende ohne das Konzert und die Flugschauen der eleganten Vögel? Jetzt müssen sie nur noch einziehen, die Mauersegler, die mit ihren vielstimmigen markanten „Srih Srih“-Rufen und ihren rasanten und kunstvollen Flugparaden an Hochsommerabenden zu beobachten sind. “

Wenn sich Haus- und Wohnungsbesitzer für diesen persönlichen Beitrag zum Erhalt alter Brutplätze entscheiden oder, wo es passt, neue Nistmöglichkeiten schaffen, steht das Umweltamt mit Rat und Tat gerne zur Seite. Unterstützung und Beratung bei der Auswahl der Nisthilfen sowie Informationsmaterial und Bauanleitungen sind im Amt erhältlich. Rufen Sie an oder mailen Sie uns.