Sprungmarken
Suche
Suche

See
Damit sich das Gewässer erholen kann, bekommt es in diesem Jahr eine Pause © Stadt Offenbach

Die Stadt Offenbach will den Schultheisweiher langfristig ökologisch stabilisieren und damit auch das Naturschutzgebiet und den Badebetrieb für die Zukunft sichern. Bereits 2017 haben die Gewässerfachleute des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz die Idee einer Nährstoffverringerung im See mittels technischer Vorrichtungen erstmals ins Auge gefasst. Sie war aus Kostengründen aber zunächst zugunsten von biologischen Maßnahmen zurückgestellt worden. Im Zuge der extremen Einflüsse durch die klimatischen Veränderungen auf den See hat die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr dann mit breiter Mehrheit beschlossen, für die Errichtung einer Anlage zur Phosphatelimination 600.000 Euro aus dem städtischen Haushalt bereitzustellen.

Wie Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß mitteilt, sind sämtliche Maßnahmen, die das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz zwischenzeitlich durchgeführt hat oder die sich in Umsetzung oder Planung befinden, stets umfassend im Naturschutzbeirat und der Umweltkommission vorgestellt, beraten und beschlossen worden. Zuletzt gab es im Herbst 2019 eine umfangreiche Gewässerschau und Führung im geschlossenen Bereich des Naturschutzgebietes unter breiter Beteiligung von Verbänden und Gremien. Die jüngst aus politischen Kreisen geäußerte Kritik an den Maßnahmen des Umweltamtes weist der Umweltdezernent deshalb auch entschieden zurück: „Diese Kritik ist völlig unsachlich und erfolgt wider besseres Wissen, da diverse Meinungen und Behauptungen in den Umweltgremien schon mehrfach widerlegt und richtiggestellt wurden. Diejenigen, die das Umweltamt jetzt öffentlich kritisieren, sind in diesen Gremien vertreten. Deshalb finde ich es höchst bedauerlich und für die sachliche wie auch für die politische Debatte schädlich, dass sie ihre Kritik ohne neue Argumente öffentlich wiederholen.“ Die Fachleute des Amtes sind seit mehreren Jahren in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium und den städtischen Gremien darum bemüht, schrittweise alle Möglichkeiten zu nutzen, die Umweltschutzgesetze und technische Möglichkeiten erlauben, um das sensible Ökosystem des Gewässers in den Griff zu bekommen, so Weiß weiter.

Verschärfte Rahmenbedingungen

Das Ökosystem zu stabilisieren ist in den vergangenen zwei, drei Jahren jedoch immer schwieriger geworden. Weiß erinnert an die lange Trockenheit 2018 und 2019 mit der Folge einer anhaltenden Grundwasserabsenkung, intensive Sonneneinstrahlung, vergleichsweise hohe Temperaturen sowohl in den Sommer- als auch Wintermonaten sowie das unerwünschte Aufkommen invasiver und biotopfremder Arten. Diese veränderten Rahmenbedingungen haben im Zusammenspiel zu einer dramatischen Steigerung der Phosphatanteile im Wasser geführt. „Diese verschiedenen Faktoren haben auch die Umweltfachleute in den oberen Behörden vor neue Herausforderungen gestellt, ein relatives kleines Gewässer mit extrem wichtiger Funktion für das Naturschutzgebiet zu erhalten ist das gemeinsame Ziel und auch eine gesetzliche Verpflichtung für uns als Stadt.“

Weiß erinnert auch daran, dass die Situation des Sees nicht nur in den Fach- und in den politischen Gremien, sondern auch öffentlich ausführlich thematisiert wurde. „Dabei haben wir auch aufgezeigt, welche leider nur begrenzten Möglichkeiten wir in einem gesetzlich streng geschützten Gebiet haben, um dieser Abwärtsspirale der langfristigen Folgen für den Lebensraum streng geschützter Arten überhaupt entgegenzuwirken.“ Maßnahmen wie die Bekämpfung des amerikanischen Flusskrebses durch das Einsetzen von Aalen sind die einzige vom Regierungspräsidium zugelassene Bekämpfungsmethode, um deren Phosphateinträge zu reduzieren. „Diese Maßnahme hat 5.000 Euro gekostet und war erfolgreich, da sie nachweislich die Population des Krebses reduziert hat. Sie reicht aber aufgrund der veränderten Klimabedingungen nicht mehr alleine aus, um den See langfristig zu stabilisieren.“

Mit der technischen Phosphateliminierung gehe die Stadt nun folgerichtig den nächsten und zugleich auch nicht ganz günstigen Schritt, eine Stabilisierung des Gewässers zu erreichen. „Die Funktion des Sees zu erhalten ist nicht nur aus Gründen des Landschafts- und Vogelschutzes notwendig. Sie ist auch Voraussetzung dafür, dass der Schultheisweiher langfristig ein See zum Baden bleiben kann. Und das ist zurecht erklärter politischer Wille in der Stadt“, so Umweltdezernent Weiß.

Schwimmverbot
© shutterstock.com

Badeverbot zur Erholung des Gewässers

Dafür ist es notwendig, dem See in diesem Jahr eine Erholungspause zu geben und den offiziellen Badebetrieb ausnahmsweise ganzjährig zu untersagen. Es habe sich bei der vertiefenden Planung gezeigt, dass dieser Schritt auch deshalb sinnvoll ist, weil der See während des Einbaus der technischen Anlagen aus Verkehrssicherungsgründen immer wieder gesperrt werden müsste, erläutert Heike Hollerbach, die Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie- und Klimaschutz. Weiterhin müsse bei einem ähnlich verlaufenden Frühjahr und Sommer wie 2019 und 2018 ohnehin damit gerechnet werden, dass der Badebetrieb aufgrund von Blaualgenpopulationen immer wieder für längere Zeit unterbrochen werden muss. „Der Winter hat bisher nicht die gewünschte Erholungsphase gebracht, die Niederschläge sind zu gering. Damit wir schneller erfolgreich sein und 2021 wieder das Baden erlauben können, müssen wir jetzt mal für ein Jahr ganz aussetzen. Unser Ziel ist es, möglichst schnell wieder normale Verhältnisse zu erreichen.“

Im Frühjahr wird die Öffentlichkeit über die Maßnahme vor Ort an der Informationstafel und im Internet informiert, es wird auch wieder eine Gewässerschau im Herbst geben. Wenn die Umsetzung gut vorankommt, wird die Anlage dann bereits laufen.

Offenbach am Main, 19. Februar 2020