Sprungmarken
Suche
Suche

Frisch gepflanzte Schilfinseln am Schultheis-Weiher
© Stadt Offenbach

Anfang November wurden am Badestrand des Schultheis-Weihers im Auftrag des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz Schilfinseln angelegt. „Die Schilfinseln am Badestrand werden dem Uferabschnitt Struktur geben, zahlreichen Tieren neuen Lebensraum bieten und Nährstoffe aus dem Gewässer binden“, erklärt Dr. Patrick Slattery, Projektleiter für den Schultheis-Weiher im Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz die Hintergründe der Maßnahme. „Außerdem nimmt das Schilf der großen Nilganspopulation den freien Blick aufs Wasser, was die Attraktivität des Strandes und der Liegewiese als Aufenthaltsort für die Vögel reduzieren soll. Der freie Zugang zum Wasser bleibt am Badestrand jedoch weiterhin erhalten.“

Bis die so genannten Rhizome, bei denen es sich um ein unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsensystem handelt, ausgetrieben sind und das Schilf hoch genug ist, um diese Funktionen zu erfüllen, wird es allerdings noch ein bis zwei Vegetationsperioden dauern. Damit die empfindlichen Sprösslinge nicht zertreten oder verbissen werden, sind die Flächen für diesen Zeitraum mit einem Zaun umschlossen.

Sanierung und Restaurierung des Schultheis-Weihers

„Die Pflanzung von Schilfinseln ist Bestandteil eines Programms zur Sanierung und Restaurierung des Schultheis-Weihers, das die Stadt Offenbach unter Federführung des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz aufgestellt hat und zwischen 2019 und 2022 umsetzen wird“, so Alexander Jeschke, stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Hauptziel der Maßnahmen ist die dauerhafte Verringerung der Nährstoffkonzentration im Schultheis-Weiher, um die Stabilität des Ökosystems wiederherzustellen und den Badebetrieb dauerhaft zu sichern.“ Regelmäßige Hegebefischungen, zuletzt in diesem September, regulieren die Bestände pflanzenfressender und schlammwühlender Fischarten. Der Schutz vor Fraßfeinden und eine erhöhte Sichttiefe fördern das Wachstum von Wasserpflanzen, die wiederum mit Algen und Cyanobakterien um Nährstoffe in der Wassersäule konkurrieren.

Am Südufer wird zudem eine Phosphateliminationsanlage (PEA) in Betrieb genommen. Die verfahrenstechnische Anlage entnimmt durch Fällung und Flotation kontinuierlich Phosphat aus dem Gewässer und reduziert die Grundlage für das Wachstum von Cyanobakterien. Bei der Phosphatelimination in Oberflächengewässern handelt es sich um ein seit 20 Jahren angewandtes Verfahren mit nachhaltiger Wirkung auf den Nährstoffhaushalt. Darüber hinaus wird über ein Netz von Grundwassermessstellen untersucht, wie viele Nährstoffe aus dem Umland durch den Grundwasserzustrom eingeleitet werden. Die Ergebnisse geben auch Aufschluss darüber, wie die Flächen im Grundwassereinzugsgebiet genutzt werden.

Hintergrund:

Seit 2017 ist die Wasserqualität im Schultheis-Weiher instabil. Auslöser hierfür sind heiße Sommer und die damit unmittelbar einhergehende intensive Sonneneinstrahlung, stark sinkende Grundwasserspiegel und das Auftreten invasiver Krebs- und Fischarten. Zudem führt der Eintrag von Phosphat aus dem Gewässerumfeld - auch durch die große Zahl an Wasservögeln - zu einer Anreicherung von Nährstoffen im See. Bedingt durch das Niedrigwasser ist die Konzentration der Nährstoffe höher. In den Sommermonaten kann sich eine Cyanobakterienbiomasse entwickeln, die das Gewässer trübt und zu sauerstoffarmen Bedingungen sowie zum Absterben von Wasserpflanzen und Fischen führen kann. So geschehen in den Jahren 2017 und 2019. Der Schultheis-Weiher war in den Jahren 2010 bis 2016 ein krautreicher Klarwasserflachsee, ein Zustand in den er zurückgeführt werden soll.

Ohne geeignete Maßnahmen werden die Wasserpflanzen- und Fischarten zurück und die ökologischen Funktionen des Gewässers im Naturschutzgebiet verloren gehen. Das würde auch ein dauerhaftes Badeverbot bedeuten.

13. November 2020