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Pusteblume
© Stadt Offenbach

Kommunen in Hessen stehen vor neuen Herausforderungen. Das veränderte Klima macht sich in den Städten auf besondere Weise bemerkbar: Beton, Asphalt und Glas heizen sich besonders auf. Neu hinzugekommen sind zahlreiche Schotterflächen auch auf privaten Grundstücken – auch Kies und Schotter heizen sich unter der Sonne schnell auf über 60 Grad Celsius auf. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie Wärmeinseln bilden und die Stadt zusätzlich aufheizen. Überall da, wo Bäume und Sträucher ein schützendes Dach bilden und Grünflächen über Verdunstung kühlen, bleiben die Temperaturen spürbar erträglicher. „Deshalb ist es uns so wichtig, möglichst wenig Bäume zu verlieren und diese gegebenenfalls wieder neu zu pflanzen. Der letzte Sommer war für unser Ziel einer grüneren Stadt verheerend, denn durch die lange Trockenheit werden wir wohl eine Reihe von großen Bäumen verlieren“, erläutert Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Dabei ist Offenbach am Main auf das ganze Stadtgebiet betrachtet sogar noch eine Kommune, mit vergleichsweise vielen erhaltenen Grünflächen. Insgesamt gehören der Stadt rund 22.500 Bäume – ohne den Stadtwald, der von Hessen Forst betreut wird. Umso wichtiger sind auch Bäume, die auf privaten Grundstücken wachsen. Doch nicht überall ist im dicht besiedelten Innenstadtbereich Platz für einen Baum.

Die Stadt Offenbach fördert daher zum Beispiel im Fassadenprogramm der Aktiven Innenstadt beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement die Begrünung von Brandwänden mit bis zu 25 Prozent. Das kann bis zu 10 Euro pro Quadratmeter Wandfläche ausmachen. Bisher wurde dieser Aspekt des Fassadenprogramms jedoch noch nicht genutzt.

Dachbegrünung zur Abkühlung in der Stadt

Mit dem Instrument des Bebauungsplanes versucht das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement ebenfalls, den Begrünungsanteil Stadtgebiet zu erhöhen. So sind zum Beispiel in Waldheim-Süd Tiefgaragen zu mindestens 70 Prozent zu begrünen, in anderen Bebauungsplänen sogar noch ein größerer Anteil. Das heißt, auf den Dächern werden mindestens 80 Zentimeter Substrat oder Erde vorgesehen, auf dem Pflanzen gedeihen können. Flachdächer von Gebäuden und Nebenanlagen sind – außer beispielsweise bei Dachterrassen – vollständig extensiv zu begrünen. Gleichzeitig fangen solche Dächer zunächst erhebliche Mengen an Regenwasser auf – ähnlich wie bei einem Schwamm – und entlasten bei Starkregen die Kanalisation.

Das Hochbaumanagement der Stadt selbst hat auf dem Rathaus und an der Rudolf-Koch-Schule bereits für begrünte Dächer gesorgt.

An den meisten Sanierungs- und Bauvorhaben an Schulen und Kitas werden einsehbare Dächer in der Regel begrünt, wie bereits an der Hafenschule, Beethovenschule, Berufsschulzentrum Buchhügel, Schule Bieber Waldhof, Grundschule Buchhügel, Turnhalle Geschwister-Scholl-Schule, Waldschule Tempelsee und Kita Lachwiesen. Die übrigen Dachflächen werden bei ausreichender Größe und Eignung zur Errichtung von Photovoltaikanlagen für externe Anbieter vorgehalten.

Dachgrün
© Stadt Offenbach

Schutz vor Starkregen

Das Dach der Rudolf-Koch-Schule dient hier am tiefsten Punkt von Offenbach mit 97 Metern über dem Normwert als Puffer bei Starkregen, damit das Wasser verzögert in die Kanalisation abfließt.

In Bieber-Nord ist von Seiten der Stadtplanung die Begrünung der Fassaden vorgesehen – auch als Ausgleichsmaßnahme für die Bauflächen. Auch am Kaiserlei müssen flach geneigte Dächer (immer) begrünt werden. Für vorhandene Gebäude und Flächen gilt der Bestandsschutz.

Derzeit gelten in Offenbach knapp 60 Bebauungspläne für Teile des Stadtgebietes. In allen anderen Gebieten werden Bauanträge nach den gesetzlichen Vorgaben des Paragraphen 34 Baugesetzbuch beurteilt. In Verbindung mit Paragraph 8 Absatz 1 der Hessischen Bauordnung sind nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke wasserdurchlässig zu belassen oder herzustellen – und zu begrünen oder zu bepflanzen. 

Wasser versickern oder Pflanzen bewässern

Wasser sparen ist ebenso ein wichtiges Ziel zur Anpassung an den Klimawandel. Denn überall sinken derzeit die Grundwasserspiegel rapide mit ernsten Konsequenzen – und sie füllen sich auch nicht wie früher im Winter wieder auf. Dazu wird in neuen Bebauungsplänen definiert, wie mit Regen und Schnee umgegangen wird: Alle Niederschläge sind zu sammeln und das Wasser entweder selbst als Brauchwasser zu nutzen oder vor Ort im Boden zu versickern. Das Regenwasser kann zum Beispiel in Zisternen gesammelt und für die Toilettenspülung genutzt werden. Oder es wird direkt zur Bewässerung der Pflanzen ringsum im Sommer genutzt. Dies unterstützt langfristig auch die Stabilisierung des Grundwasserspiegels.

Modellhaus für klimagerechtes Bauen

Für Bauherren und Hausbesitzer hat das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz ein Modellhaus konstruiert. Es zeigt Möglichkeiten auf, wie ein Haus kühl gehalten und Wasser sinnvoll eingesetzt werden kann. Das Haus hat der Offenbacher Klimaanpassungsmanager Lukas Glitsch konzipiert. Damit informiert das Umweltamt auf Veranstaltungen über „klimagerechtes Bauen“; angefangen mit versickerungsfähigem Pflaster – das wirkt auch dem deutlich sinkenden Grundwasserspiegel in Offenbach entgegen. Das Dach ist begrünt, ebenso die Fassade, um das die Räume vor Sommerhitze zu schützen und gleichzeitig die Luft zu reinigen. Eingebaut ist auch gleich eine Zisterne zur Brauchwassergewinnung und eine Photovoltaik-Anlage zur Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie sowie viele weitere kleinere Maßnahmen zum Entdecken.

Gartengestaltung an Klima anpassen

Je nach Vorlieben des Gärtners bilden die privaten Gärten in der Stadt heute vielen heimischen Vogel-, Tier- und Pflanzenarten und Insekten Nutzflächen, die sie auf dem Land verloren haben. Das gilt sogar für Gärten, die für Pflanzen aus dem Gebirge und trockenheitsresistente Pflanzen mit Steinen und Kies angelegt sind.

Negativ für das Stadtklima wirken sich dagegen reine Schottergärten aus: Sie tragen als Wärmeinseln zur Aufheizung in der Stadt im Sommer bei und können gleichzeitig bei Starkregen kaum Wasser aufnehmen. Wasser, das durch Schotter ins Grundwasser gelangt, ist weniger gut gefiltert, als bei einer von Organismen belebten Bodenschicht. Zusätzlich werden oft Wurzelschutzfolien eingesetzt, die einen freien Wasserabfluss in den Untergrund ebenfalls verhindern. Die Gestaltung des eigenen Gartens kann so Auswirklungen auf das lokale Klima und das Grundwasser haben.

Gärten mit vielen Pflanzen helfen dem Stadtklima durch ihre Verdunstungskühlung und sind wichtige Frischluftproduktionsflächen. Bei geschickter Auswahl der Pflanzen fördern sie die Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln und sichern so den zukünftigen Bestäubern der Obstbäume das Überleben. Neben Pflanzen mit Pollen und Nektar eignen sich heimische Beerensträucher – davon können dann Mensch und Tier gleichermaßen etwas haben.

Mit Samenmischungen können schöne Blüten-Ecken für die Artenvielfalt gestaltet werden – dabei dürfen jedoch nur heimische Pflanzen enthalten sein, damit nicht invasive Arten noch weiterverbreitet werden. Dazu informiert das Land Hessen unter www.biologischevielfalt.hessen.de und www.bienen.hessen.de im Internet.

Links:

Klimagerechtes Bauen:
https://www.offenbach.de/microsite/klimaschutzaktion/Klimawandel/difu---ratgeber-klimagerechtes-bauen.php

Bebauungspläne der Stadt Offenbach:
https://www.offenbach.de/leben-in-of/planen-bauen-wohnen/aktuelle_Projekte_stadtentwicklung/veroeffentlichungen_und_bebauungsplaene/bebauungsplanuebersicht-der-stadt-offenbach.php

Baugesetzbuch – Paragraph 34:
https://www.gesetze-im-internet.de/bbaug/__34.html  

Wieso fehlt dem Boden in Offenbach Wasser?:
https://www.offenbach.de/leben-in-of/umwelt-klimaschutz/Wasser___Boden/setzrisse-2019.php

Modellhaus klimagerechtes Bauen:
https://www.offenbach.de/leben-in-of/umwelt-klimaschutz/Bauen___Umweltschutz/modellhaus-klimagerechtes-bauen.php#c5

Haus-zu-Haus-Beratung:
https://www.offenbach.de/microsite/klimaschutzaktion/Energie/Energieberatung/Haus-zu-Haus-Beratung/Haus-zu-Haus-Beratung.php

Offenbach am Main, 23. Juli 2019

Pusteblume Stadt Offenbach
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