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Veranstaltung Agora-Verkehrswende
© Stadt Offenbach

Wie lebenswertere Städte gestaltet sein müssen war Thema einer Fachtagung des Think Tanks „Agora Verkehrswende“ in Berlin, an der auch die Leiterin des Offenbacher Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Heike Hollerbach, als Mitglied des Netzwerkes teilnahm. Agora beschäftigt sich mit Veränderungen im Straßenverkehr zugunsten von Luftreinhaltung und Klimaschutz. Bei dem Treffen am 5. September wurden Beispiele für mehr Aufenthaltsqualität der Straßenräume betrachtet, etwa durch eine bessere Infrastruktur für das Fahrrad, mehr Platz für Carsharing oder Leihräder.

Heike Hollerbach: „Die Herausforderungen sind groß: Öffentliche Räume mit ihren Nutzungskonflikten sind unsere Lebensräume, daher ist es entscheidend, wie wir in den Kommunen Diskussionen über unsere Lebensqualität mit allen Beteiligten führen und durch unser Management und die Umverteilung von Flächen bei Luftreinhaltung und Klimaschutz vorankommen.“ Die Sorge um den vermeintlichen Abbau von Privilegien, den Kraftfahrzeuge bei der Inanspruchnahme von Verkehrsflächen noch genießen, rufen Widerstand hervor, so Hollerbach weiter. „Deshalb ist es wichtig, wie der anspruchsvolle Veränderungsprozess angemessen und erfolgreich kommuniziert wird. Dies war unter anderem eine der Erkenntnisse aus der Tagung.“

Prominente Fachleute aus der Wissenschaft wie Professorin Jutta Allmendingen, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, sprachen vor allem die Sorge aus, dass durch zunehmende Abgrenzung unserer Lebensgemeinschaften in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis die Abstumpfung für die Belange und Werte des Gemeinwohls befördert wird. Die Kommunen könnten, so Allmendingen, durch das Schaffen von Räumen der Begegnung die Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung fördern. Dies erfordere moderierte Prozesse um die Stadtentwicklung, die Umgestaltung öffentlicher Räume und alternative Mobilitätsformen. „Eine gemeinsame Identität schafft Stolz und damit Mehrwert für alle“, fasst Hollerbach die Aussagen zusammen. Neben dem Recht auf Wohnen, dem Recht auf Bildung sei das Recht auf eine lebenswerte Stadt eine der größten Herausforderungen der Zukunft.

Eine Studie der Agora hat gezeigt, dass eine Kombination an Maßnahmen zu einer Minimierung der CO2-Belastung bis zum Jahr 2030 führt. „Damit werden auch durch die Veränderungen im Verkehrsmix wichtige Beiträge zur Luftreinhaltung geleistet.“

Weitere prominente Beteiligte der Themendiskussion waren Oberbürgermeister Markus Lewe (Stadt Münster, Präsident des Deutschen Städtetages) sowie Dr. Paul Barter, Wissenschaftler zum Thema Parkraummanagement. Außer Offenbach nehmen noch die Städte Norderstedt, München, Kassel, Leipzig, Oldenburg, Berlin, Dortmund, Ulm und Hamburg teil. Heike Hollerbach ist seit 2017 auf Einladung des Agora-Netzwerkes als Expertin in diese Arbeit mit einbezogen.

Hintergrund:

AGORA Verkehrswende ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation mit dem Ziel eine umfassende Klimaschutzstrategie für den Verkehrssektor in Deutschland bis hin zur vollständigen Dekarbonisierung zu erarbeiten. Ein Ziel ist es, gemeinsam mit den Städten Diskurse über zukunftsfähige und klimafreundliche Mobilität zu führen. Die besondere Rolle der Kommunen wird durch das Netzwerk gewürdigt. Gleichzeitig hilft es, Möglichkeiten zur integrierten Betrachtung des Themas Stadtverkehr (mit anderen Herausforderungen wie der Luftreinhaltung) sowie den Unterstützungsbedarf der Städte durch Bund und Land zu formulieren. Der Deutsche Städtetag unterstützt das Netzwerk als wichtiges Gremium, die Teilnehmer wirken als Multiplikatoren in ihren Kommunen und gleichzeitig greift das Netzwerk die Arbeit der kommunalen Belange in seine Arbeit mit auf.

Offenbach am Main, 10. September 2018