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Die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) planen die Anschaffung von Elektrobussen. In der Antwort auf eine Magistratsanfrage der SPD Fraktion, ob alternativ auch eine Erneuerung der Busflotte durch Fahrzeuge mit Biomethanantrieb geprüft worden sei, erinnert die zuständige Dezernentin Sabine Groß daran, dass sich die OVB vor einer Beschlussfassung des Aufsichtsrats intensiv mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen umweltgerechten Antriebsarten beschäftigt haben. Wie bereits in der Antwort auf die SPD-Anfrage zu Wasserstoffantrieben verweist die Dezernentin darauf, dass sich der Elektroantrieb als wirtschaftlich und ökologisch sinnvollste Alternative herausgestellt hat.

Bereits am 14. September 2016 hatte sich der Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe mit der Fragestellung „Busantrieb – quo vadis OVB“ befasst und die verkehrlichen, betrieblichen und ökologischen Vorteile von E-Bussen herausgearbeitet. Auf Grundlage des Aufsichtsratsbeschlusses vom September 2016 war eine Voruntersuchung mit Unterstützung des Landes Hessen durchgeführt und im Anschluss daran eine Machbarkeitsstudie erarbeitet worden. Die Machbarkeitsstudie wurde dem Aufsichtsrat sowie der Öffentlichkeit in einer Veranstaltung vorgestellt, zu der auch die Stadtverordneten eingeladen waren.

Aufgrund mangelnder Serienreife und auch einer zweifelhaften Ökobilanz sind Biomethan-Busse derzeit für den Linienbetrieb nicht geeignet. Der Einsatz von Biomethan führt zwar zu geringeren CO2-Emissionen – auch im Vergleich zu Erdgas – und ist insofern im Hinblick auf den Klimaschutz ebenfalls eine sinnvolle Antriebstechnologie. Dies jedoch nur, wenn es aus anderweitig kaum nutzbaren Reststoffen hergestellt wird. Nachhaltig ist der Einsatz nur, wenn diese kohlen- und nährstoffreichen, organischen Stoffe der Natur ohne weiteres entzogen und als Kraftstoff eingesetzt werden können. Die Verfügbarkeit solcher Reststoffe ist aber als gering einzuschätzen. Zudem konkurrieren sie mit anderen Bereichen (z. B. Wärme und Strom). Zu dieser Antriebsart wird bereits seit Jahren die sogenannte Tank-statt-Teller-Diskussion geführt. Zur Gewinnung der Rohstoffe werden Flächen in Anspruch genommen, die zur Nahrungsmittelproduktion benötigt werden. Der Anbau von Biomasse kann zur Landgewinnung durch Rodung und Trockenlegung von Gebieten beitragen. Insbesondere, wenn dazu auch Schutzgebiete wie Wälder und Moorgebiete dafür genutzt werden. Bei der Rodung und Trockenlegung dieser Gebiete entstehen hohe Treibhausgasemissionen. Die Gesamtökobilanz ist daher zweifelhaft, heißt es in der Magistratsantwort.

Ein weiteres Argument für die Elektromobilität ist, dass Biomethanbusse nicht zu den Nullemissionsfahrzeugen gehören. Busse mit elektrischem Antrieb (Batteriebusse und Brennstoffzellenbusse) bieten die Möglichkeit eines lokal emissionsfreien Betriebes. Gasbusse nutzen Verbrennungsmotoren, die auch bei einer Verbrennung von Biomethan Stickoxide und Feinstaub emittieren. Bei einer Komplettumstellung der Flotte auf Biomethan-Busse könnte damit die EU-Vorgabe der „Clean Vehicle Directive“ nicht erfüllt werden.

Auch bei der Reichweite sind keine Vorteile von Biomethan absehbar. Das Thema der begrenzten Reichweite der Batteriebusse wird im Konzept der OVB durch eine Zwischenladung an den Wendeanlagen Kaiserlei und An den Eichen gelöst. Die Elektro-Fahrzeuge werden dort – während ihrer regulären Standzeit in den Umläufen – zwischengeladen, so dass ganztägige Einsätze auch im Winter- und Sommerbetrieb möglich sind. Der Fahrzeugbedarf ist daher identisch zum Einsatz von Diesel- bzw. Biomethan-Bussen.

Darüber hinaus liegt beim Einsatz von synthetischem Methan der Strombedarf bei heute verfügbaren Technologien wegen der gleichen Gründe wie beim Wasserstoff, bezogen auf die gleiche Fahrleistung mindestens fünf Mal so hoch. Die vollständige Nutzung von synthetischem Methan im Straßenverkehr würde mehr Strom benötigen als heute alle Stromnachfrager in Deutschland zusammen verbrauchen

Auch bei der SPD Anfrage nach Biomethanbussen, wie bereits bei der SPD-Anfrage zu Wasserstoffbussen, verweist die Stadträtin darauf, dass die Entwicklung anderer Antriebsarten und Tests bei anderen Verkehrsbetrieben beobachtet werden. „Aufgrund der Größe der Offenbacher Verkehrs-Betriebe müssen wir uns jedoch mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen auf eine zusätzliche Technologie beschränken. Jede Technologie stellt andere Anforderungen an die Abstellung, die Wartung, den Betrieb der Fahrzeuge und damit auch an das Personal. Dadurch würden zusätzliche Kosten entstehen, die für ein Unternehmen der Größe der OVB nicht tragbar wären.“

6. September 2019