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Bahntrasse
© Stadt Offenbach

„In Offenbach soll es zukünftig entlang der Schienen leiser werden“, berichtet Umwelt- und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß, „da der Bund die Bahnstrecke von Frankfurt nach Hanau in das Lärmschutzprogramm aufgenommen hat. Damit sind in Offenbach sowohl aktive Lärmschutzvorkehrungen wie Schallschutzwände als auch passive Maßnahmen wie Schallschutzfenster förderfähig.“ Um die Auswirkungen des Bahnverkehrslärms zu lindern, stellt der Bund seit 1999 für das Programm „Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwege“ finanzielle Mittel zur Verfügung. Mit der Umsetzung ist die Deutsche Bahn beauftragt.

Am vergangenen Donnerstag hat der Magistrat der Stadt Offenbach den Planungsvorgaben zum Lärmsanierungsprogramm der Deutschen Bahn zugestimmt, die noch von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden müssen. „Bis zur endgültigen Beschlussfassung ist es jedoch noch weit. Das ist nur ein Planungsschritt“, so Weiß. Eine Arbeitsgruppe der Verwaltung unter Federführung des Amts für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement hat die Planungsvorgaben erstellt, die detailliert festhalten, welcher Schallschutz entlang der Strecke, die in Offenbach von Westen kommend über den Hauptbahnhof bis zu Offenbach-Ost führt, umzusetzen ist. In diesen Vorgaben sind auch die Wünsche und Hinweise der Anwohnerinnen und Anwohner eingeflossen. In einer Bürgerveranstaltung hatten die Deutsche Bahn und die Stadt Offenbach im vergangenen Jahr die Einwohner über Lärmschutzmöglichkeiten informiert und deren Bedarfe erfragt. „Natürlich gab es auch widersprüchliche Aussagen“, erzählt Marion Rüber-Steins, Referatskoordinatorin im Bereich Stadtentwicklung und Städtebau. „Einige Bürger wollen zum Beispiel keine Lärmschutzwände, weil sie ihnen die Sicht versperren oder sie befürchten, dass sie die Umgebung verdunkeln.“ Auf der Veranstaltung im vergangenen November, an der rund 80 Offenbacher teilnahmen, ging es auch darum, Kompromisse zu finden. Wichtig war den Bürgern auch, dass der Grünbewuchs des Bahndamms so weit wie möglich erhalten bleibt und der Vogelschlag bei transparenten Wänden vermieden wird. „Das ist möglich, indem transparente Module mit perforierten Rillen angebracht werden“, erklärt der Projektleiter Christian Homburg vom Stadtplanungsamt.

Um die Bedürfnisse der Anwohner so individuell wie möglich zu erfassen, aber auch um der unterschiedlichen Umgebung der Bahnstrecke Rechnung zu tragen, hat das Stadtplanungsamt die Bahnstrecke in unterschiedliche Abschnitte unterteilt. „Es gibt Teilstrecken, an denen es denkmalgeschützte Bereiche wie die Viaduktbögen am Anlagenring oder denkmalgeschützte Gebäude wie den Hauptbahnhof gibt“, erläutert Rüber-Steins. „Die Aufteilung in Abschnitte ermöglicht es uns, diese Besonderheiten bei den Planungen zu berücksichtigen.“

Die vorliegenden Planungsvorgaben für die Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen sehen aktuell vor, dass im westlichsten Teil der Bahnstrecke eine Lärmschutzwand mit einer Höhe von drei Metern angebracht wird. Ab dem Bereich des Anlagenrings bis zur Bahnbrücke an der Waldstraße sollen dagegen zwei Meter hohe Wände mit transparenten Elementen entstehen. Damit bleiben zum Beispiel im Bereich des Anlagenringes die Sichtachsen bestehen, dennoch wird der Lärmschutz für die Leibnizschule gewährleistet. Am Hauptbahnhof sollen transparente Module den Reisenden die Sicht auf den Eingang zur Stadt erhalten, die Höhe von zwei Metern wiederum ist mit dem Denkmalschutz vereinbar. Bei der Bahnbrücke an der Waldstraße ist keine Lärmschutzwand vorgesehen. Zum einen soll die stadtbildprägende Sichtachse bewahrt bleiben, zum anderen ist die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr dort sehr hoch. Aus Sicht der Stadtplaner ist dort ein passiver Lärmschutz sinnvoller. Mit Schallschutzfenstern, deren Kosten in Höhe von 75 Prozent von der Deutschen Bahn gefördert werden, können die Anwohner dort künftig sowohl den Bahn- als auch den Straßenlärm reduzieren. Östlich der Waldstraße sollen drei Meter hohe Wände die Anwohner schützen. Um Sichtachsen zu erhalten, aber auch um die städtebauliche Trennwirkung des Bahndamms zu reduzieren, haben die Stadtplaner im Bereich Tempelsee- / Karlstraße, im Bereich Bach- / Kurze Straße und im östlichsten Teil der Strecke (Bieberer Straße) nur zwei Meter hohe Wände mit transparenten Modulen vorgesehen.

Der vom Stadtplanungsamt erstellte Maßnahmenkatalog fließt jetzt als kommunale Planungsvorgabe in die weiteren Planungen der Deutschen Bahn ein. Sie bereitet das sogenannte  Planfeststellungsverfahren vor. „Das wird etwa zwei Jahre dauern“, weiß Homburg. „Die Bahn prüft in dieser Zeit, wie die Vorgaben umgesetzt werden können - in Bezug auf Gestaltung und Statik, aber auch in Bezug auf die Verträglichkeit mit dem Tier- und Naturschutz sowie dem Denkmalschutz“, ergänzt Rüber-Steins. Sobald die vertieften Planungen fertig seien, würden sie erneut der Öffentlichkeit vorgelegt. Bürger, Verbände, aber auch Kommunikations- und Energieversorger können dann ihre Belange einbringen. „Bei günstigen Verlauf kann die bauliche Umsetzung des Lärmschutz Ende 2021 starten“, schätzt Homburg. 

 

Offenbach am Main, 22. Januar 2019

Bahntrasse Stadt Offenbach
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