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Geschwindigkeitsbeschränkungen sind ein Mittel zur Verringerung von Unfallrisiken im Straßenverkehr und zur Steigerung unserer Wohn- und Lebensqualität in den Städten. In Tempo 30-Zonen sinkt die Zahl der Unfälle um rund 20 Prozent. Der Rückgang bei den schweren Unfällen ist noch deutlicher. In Offenbach sollen außerhalb der Vorfahrtsstraßen flächendeckend Tempo 30-Zonen eingerichtet werden. Mittlerweile gibt es 16 solcher Zonen im Stadtgebiet.
Tempo 30-Zone
© Stadt Offenbach

Warum Tempo 30?

Gut 25 Jahre nach der Einrichtung der ersten Tempo 30-Zone in Tempelsee hat die Stadt Offenbach eines ihrer größten Projekte zur Verkehrsberuhigung abgeschlossen. Seit 29. November 2010 heißt es "Tempo 30" nun auch im Offenbacher Nordend. Damit gilt die reduzierte Höchstgeschwindigkeit jetzt im gesamten Stadtgebiet außerhalb des Vorfahrtsstraßennetzes. Die Vorzüge der Tempo 30-Regelung erläutert Rainer Buck, Stabsstelle Straßenverkehrsbehörde beim Amt für Stadtplanung und Baumanagement.

Herr Buck, die Straßenverkehrsordnung legt fest, dass abseits der Vorfahrtstraßen jederzeit mit Tempo 30-Zonen zu rechnen ist. In Offenbach gilt die reduzierte Höchstgeschwindigkeit seit Ende 2010 außerhalb des Hauptstraßennetzes flächendeckend. Was verspricht sich die Straßenverkehrsbehörde davon?

Rainer Buck: Die Einführung von Tempo 30-Zonen lohnt sich gleich mehrfach: Einerseits sinkt durch die Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit die Gefahr schwerer Unfälle, weil Autofahrern mehr Zeit zum Reagieren bleibt. Die Wohngebiete werden dadurch sicherer, wovon in erster Linie schwächere Verkehrsteilnehmer profitieren – beispielsweise Kinder auf dem Schulweg oder alte Menschen, aber natürlich auch Radfahrer. Außer dem Sicherheitsaspekt gibt es natürlich auch noch andere Vorteile – ökologische zum Beispiel.

Klima- und Umweltschutz spielen heutzutage eine bedeutende Rolle. Inwiefern ist "Tempo 30" auch ein Beitrag zum Umweltschutz?

Rainer Buck: Tempo 30 entlastet die Umwelt in zweierlei Hinsicht: Geringere Geschwindigkeiten bedeuten weniger Fahrgeräusche - die Lärmbelastung in den Zonen wird somit verringert. Und langsameres Fahren wirkt sich natürlich auch positiv auf den Spritverbrauch aus. Es entstehen weniger klimaschädliche Emissionen. Nicht zu vergessen: Spritsparendes Fahren schont den Geldbeutel!

In Zeiten explodierender Benzinpreise sicherlich nicht das schlechteste Argument für Tempo 30. Andererseits musste die Stadt Offenbach natürlich auch Geld in die Einrichtung von Tempo 30-Zonen investieren. Ist es hier gut angelegt?

Rainer Buck: Sicher muss man zunächst Geld in die Hand nehmen, um eine Zone einzurichten. Es müssen Zonenschilder aufgestellt werden, die Vorfahrtsbeschilderung und Signalanlagen müssen abgebaut werden, Markierungen sind anzupassen. Trotzdem ist Tempo 30 für die Stadt Offenbach am Main auf längere Sicht wirtschaftlich eine sinnvolle Sache. Allein im Nordend, wo wir im Jahr 2010 eine Tempo 30-Zone eingerichtet haben, ist die Zahl der Verkehrszeichen um 35 Stück reduziert worden. Dadurch - und auch durch den Abbau von Signalanlagen - können langfristig Unterhaltungskosten eingespart werden, was natürlich dem "Stadtsäckel" zugutekommt. Außerdem bedeuten weniger Schilder mehr Übersicht für alle Verkehrsteilnehmer, die Ablenkungsgefahr sinkt.

Fast zwanzig Tempo 30-Zonen sind im Laufe der Jahre in Offenbach entstanden - offenbar haben sich die Regelungen bewährt. Trotzdem murren Autofahrer manchmal, fühlen sich "gegängelt"...

Rainer Buck: Natürlich mussten sich die Verkehrsteilnehmer nach der Einrichtung neuer Verkehrsregelungen erst mal an die neue Situation gewöhnen. Stellenweise haben wir nachgebessert und durch zusätzliche Markierungen an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erinnert, vereinzelt hat sich die Regelung "Rechts vor Links" nicht durchsetzen können. Aber im Großen und Ganzen wird die Regelung heute akzeptiert. Unsere Messungen haben deutlich gezeigt: Wo auch immer wir eine Zone eingerichtet haben, ist es uns gelungen, die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit zu reduzieren. Wir konnten damit einige frühere Unfallpunkte entschärfen. Tempo 30 ist in Offenbach ein Erfolgsmodell.