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Frau mit Fahrrad
© FemmeCurieuse / photocase.de
Offenbach sattelt um: Die Stadt der kurzen Wege setzt auf den Ausbau des Radverkehrs. Wie der Magistrat jetzt beschlossen hat, nimmt Offenbach mit dem Projekt Fahrrad-(straßen)-stadt Offenbach am Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ teil. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 5,95 Millionen Euro, von denen der Bund ca. 4,5 Mio. € übernimmt. Erste Maßnahmen sollen mit dem Start in die Fahrradsaison 2018 anlaufen.
Welches Potenzial in der Förderung des Radverkehrs liegt, hat die Stadt schon seit längerem erkannt: Das Thema spielt unter anderem im Masterplan 2030 sowie im Integrierten Klimaschutzkonzept eine wichtige Rolle, und seine Bedeutung wächst weiter. Denn im Verkehrsmix von Offenbach machen Radfahrer bisher lediglich 9,2 Prozent aus, gleichzeitig hält der Zuzug ins Stadtgebiet an. Der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider geht mit gutem Beispiel voran und steuert fast alle dienstlichen Termine per Rad an. „Wir brauchen einen besseren Verkehrsmix für eine positive Entwicklung der Stadt Offenbach“, betont der OB. „Mit dem Ausbau der Radachsen und der Vorfahrt für Radler in den Fahrradstraßen gibt es keinen Grund, kurze Strecken mit dem Auto zu fahren.“
Horst Schneider auf seinem Birdy
© Stadt Offenbach
Die Verantwortlichen sind sich einig: Der zügige Ausbau des Radverkehrs kann hier die Verkehrsinfrastruktur entlasten, die Lebensqualität im Wohnumfeld verbessern und auch Standortvorteile schaffen. Das Offenbacher Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement reicht den Förderantrag für den Wettbewerb des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit ein. Die Projektleitung liegt bei der OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe. Zum Expertenteam zählen das Frankfurter Planungsbüro „Radverkehr Konzept“ und der ADFC Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Offenbach, der mit seiner Kampagne „Offenbach fährt fair“ das Projekt zusätzlich unterstützt. Erklärtes Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren ein gut ausgebautes Netz an Radrouten für annähernd das ganze Stadtgebiet zu erstellen.

Sechs Verbindungswege ausgewiesen

Das Projekt weist sechs Radverkehrsachsen aus, die die wichtigsten Verbindungswege in die Stadt und ins Umland abdecken und bisher nicht für den Radverkehr ausgebaut sind. Dort sollen Fahrradstraßen, neue Radwege und  Schutzstreifen eingerichtet werden, deren Verlauf wichtige Ziele wie Schulen, Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen mit einbindet. Der Radverkehr hat Vorfahrt, Autos müssen Rücksicht nehmen und dürfen nur langsam fahren. Die neuen Wege sollen auffällig gestaltet sein, um die Sicherheit zu gewährleisten, die Orientierung zu erleichtern und das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Weitere Maßnahmen sehen vor, Kreuzungen und Knotenpunkte fahrradfreundlich umzugestalten, Lücken im Radverkehr zu schließen und die Anbindung an die Nachbarkommunen auszubauen.

Die Städte Neu-Isenburg und Obertshausen beteiligen sich als Verbundpartner am Projekt. Zwischen Obertshausen und Offenbach ist ein ca. ein Kilometer langer Radweg entlang der Bahnlinie geplant, und auch zwischen Neu-Isenburg / Gravenbruch und Offenbach werden neue Radwege entstehen. Weitere überörtliche Vernetzungen sind vorgesehen. Insbesondere bei den interkommunalen Verbindungen wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung/Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen, dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und der Hochschule Darmstadt unterstützt; letztere begleitet das Projekt auch wissenschaftlich.

Fahrradzählstelle
© Bernd Georg

Berufspendler und Schüler besonders im Blick

Der Ausbau des Angebots richtet sich ausdrücklich an alle gesellschaftlichen Gruppen und Generationen. Zum Umsatteln möchten die Verantwortlichen vor allem zwei Zielgruppen motivieren: die Berufspendler aus oder nach Offenbach, die einen enormen Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen haben, und die Kinder und Jugendlichen, von denen insgesamt nur 13 Prozent zur Schule radeln (obwohl 95 Prozent ein Fahrrad besitzen).

Reduziert werden sollen auch innerstädtische Fahrten mit dem Auto: 40 Prozent der hier zurückgelegten Wege sind kürzer als vier Kilometer, was ebenfalls enormes Verlagerungspotenzial birgt. Gerade in innenstadtnahen, dicht bebauten Gebieten verbessert eine fahrradfreundliche Umgestaltung das Wohnumfeld und damit die Lebensqualität. Daher liegen die beiden vom Bund geförderten Projekte (Main)RadQuartier und Fahrrad-(straßen)-stadt auch im zentral gelegenen Senefelder Quartier.

Das lässt die Menschen in mehrfacher Hinsicht durchatmen – denn das Projekt soll erheblich dazu beitragen, die Treibhausgas-Emissionen in der Stadt zu senken: Auf Basis von Modellrechnungen des Umweltbundesamtes für die Studie „Klimaschutz durch Radverkehr“ hat das Expertenteam für Offenbach ein Minderungspotenzial von mehr als 19.400 Tonnen Treibhausgasen pro Jahr ermittelt.

Angesichts solcher Zahlen wird mit der Förderzusage durch die Nationale Klimainitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit noch in diesem Jahr gerechnet. Direkt im Anschluss möchten die Verantwortlichen das Projekt Fahrrad-(straßen)-stadt Offenbach möglichst breitenwirksam kommunizieren. Die Radfahrer selbst sollen unter anderem mittels einer App in die konkreten Planungen eingebunden werden. Diese sollen bis Sommer 2018 abgeschlossen sein, um dann die erforderlichen Bauleistungen im Winter 2018/19 ausschreiben und vergeben zu können. Die Bauzeit ist ab Februar 2019 für knapp zwei Jahre angesetzt.

Die Voraussetzungen in Offenbach sind vielversprechend, da eine große Koalition verschiedener Akteure aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft das Projekt unterstützt. Sie möchten das modellhafte Vorhaben auch in die Region tragen und mittelfristig möglichst viele Menschen in Hessen zum Umsatteln motivieren.

Weitere Informationen:

https://www.offenbach.de/leben-in-of/umwelt-klimaschutz/Luft___Laerm/mainradquartier23.10.2017.php

 

Stadtwerke Offenbach Immobilien

Zum Geschäftsfeld Immobilien gehören die Unternehmen GBO Gemeinnützige Baugesellschaft mbH Offenbach, GBM Gebäudemanagement GmbH Offenbach sowie die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Die OPG unterstützt als Partnerin der Stadt Offenbach die Stadt- und Standortentwicklung. Mit ihren Dienstleistungen aus den Bereichen Projektentwicklung, Projektmanagement, Erschließung und Projektvermarktung begleitet die OPG den Wandel Offenbachs
von einer Industriestadt zu einem modernen Kreativ- und Wirtschaftsstandort.

Die OPG trägt dazu bei, das Stadtbild Offenbachs positiv und zukunftsweisend zu verändern. Im Auftrag der Stadt setzt sie strategisch bedeutsame Projekte kompetent und zuverlässig um. Die Aufgabenbereiche der OPG sind vielfältig. Zu den aktuellen Projekten zählen die Entwicklung des Hafenareals, die Entwicklung und Vermarktung des Neubaugebietes "An den Eichen" sowie die Projektsteuerung zahlreicher Schul- und Kita-Projekte für die Stadt Offenbach. Für die Entwicklung des Hafens Offenbach ist die OPG in der Kategorie Stadtentwicklung mit dem Immobilienmanager Award 2017 ausgezeichnet worden.

Offenbach, 1.November 2017