Sprungmarken
Aktuelles Wetter:wolkenlos12°C
Suche
Suche

Das Rhein-Main-Gebiet wächst weiter – und gerade in der Corona-Zeit zeigt sich, welches Potenzial im Radverkehr steckt, um die Metropolregion zu vernetzen. Ein Baustein im Ausbau der dafür erforderlichen Infrastruktur ist das Fahrradstraßenprojekt Bike Offenbach. Welche Fortschritte es hier in den vergangenen Monaten gegeben hat, zeigte Stadtplanungs- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß nun Bürgermeister Herbert Hunkel aus Neu-Isenburg - die Kommune ist Verbundpartner bei Bike Offenbach - sowie Manfred Ockel, Bürgermeister der Stadt Kelsterbach und Geschäftsführer der Regionalpark Gesellschaft RheinMain Südwest, am 7. September 2020 bei einer gemeinsamen Radtour.
Bike Offenbach-Tour mit Politikern, 07.09.2020
Mit Bike Offenbach auf Tour (v.l.): die städtische Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts, Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel, Stadtplanungs- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel und Bike OF-Projektmanager Ulrich Lemke. © Urban Media Project

„Unser Ziel ist es, eine direkte und sichere Infrastruktur zu schaffen, um mehr Menschen und vor allem Pendlerinnen und Pendler zum Umsatteln zu bewegen“, betonte Weiß beim Start in der neuen Fahrradstraße im Nordend. Während der Corona-Pandemie habe die Akzeptanz des Fahrrads als alltägliches Fortbewegungsmittel deutlich zugenommen. Davon profitierten alle Verkehrsteilnehmenden, denn Offenbach sei in den vergangenen zehn Jahren um 20.000 Einwohner*innen gewachsen: „Schon daher brauchen wir einen neuen Mobilitäts-Mix, damit wir nicht alle gemeinsam im Stau stehen.“

Bike OF-Stand Taunusstraße, Tour mit Politikern, 07.09.2020
Vor der Abfahrt gab es Infos am Bike Offenbach-Zelt in der Taunusstraße. © Urban Media Project

Baustein für umwelt- und klimafreundliche Mobilität

Neben anderen Maßnahmen wie dem Bau von Radwegen und der Ausweisung von Schutzstreifen sei Bike Offenbach ein wichtiger Beitrag für die angestrebte umwelt- und klimafreundliche Mobilität in der Stadt, die auch zum Luftreinhalteplan beiträgt: „Das funktioniert nur im Gesamtpaket.“ Das Fahrradstraßen-Projekt schließe Lücken im Streckennetz und komme gut voran. Zudem nehme die Akzeptanz bei den Autofahrenden spürbar zu, auch wenn Diskussionen dazugehörten.

Eine umweltgerechte und staufreie Mobilität wünscht sich auch Bürgermeister Hunkel für Neu-Isenburg: „Zu uns pendeln täglich 27.000 Menschen, davon mehr als 4.000 aus Offenbach.“ Um möglichst viele von ihnen zum Radfahren zu motivieren, fungiert die Kommune als Verbundpartner im Förderprojekt Bike Offenbach: Eine Fahrradachse soll ab 2021 für sichere und schnelle Verbindungen zwischen beiden Städten sorgen. „Wir müssen großräumig denken und das Radverkehrsnetz regional, überregional und hessenweit spannen“, unterstrich Hunkel. Dieses Ziel hat auch Manfred Ockel, der mit der Regionalpark Gesellschaft Südwest zuständig ist für die Umsetzung des Radschnellwegs Frankfurt – Darmstadt. „Wir wollen diese Verbindung so schnell wie möglich realisieren, auch wenn es hin und wieder von direkten Anwohnern auf der Strecke einzelne Bedenken gibt.“ Bisher nutze die Bevölkerung im Ballungsraum die Möglichkeiten von Pedelecs und eBikes noch zu wenig. Für eine möglichst breite Akzeptanz sei, neben einem Schnellweg als Hauptroute, die Anbindung mitten in die Kommunen hinein wichtig: „Die Radelnden müssen angenehm und sicher durch die Städte kommen – und das geht nur mit gravierenden Veränderungen im Verkehr, die dem Fahrrad die Vorfahrt geben.“

Markierungen Fahrradstraße in Offenbach
Die Ausweisung der „Dooring Zone“ mit blauen Diagonalstreifen überzeugte auf der Tour. © Urban Media Project

Markierungen als Anregung für Neu-Isenburg

Dafür sorgt das Projekt Bike Offenbach: Wie die Tour verdeutlichte, haben Radlerinnen und Radler auf den neuen Fahrradstraßen im Nordend sowie in Bürgel stets Vorfahrt, zudem dürfen sie in der Mitte der Fahrbahn und auch nebeneinander unterwegs sein. Für Autofahrende gilt dagegen: Anlieger frei, die Durchfahrt ist nicht gestattet. „Das ist ein Gewöhnungsprozess, der mal schneller oder auch langsamer geht“, hat Verkehrsdezernent Weiß beobachtet. Rund um die Taunusstraße im Nordend seien die Veränderungen freundlich aufgenommen worden, und an der Senefelderstraße laufe es nun dank der Busschleuse, die den Autoverkehr stadteinwärts von der Fahrradstraße fernhält, deutlich besser. Besonders entspannt kamen die Politiker mit den bei den Stadtwerken geliehenen Pedelecs auf der 1,5 Kilometer langen Fahrradstraße in Bürgel voran. Bürgermeister Hunkel lobte die mit der Hochschule für Gestaltung entwickelten Markierungen der neuen Straßen, etwa die Ausweisung der „Dooring Zone“ mit blauen Diagonalstreifen: „Diese Anregung nehme ich mit nach Neu-Isenburg.“ Dort wird im Herbst 2020 die erste Fahrradstraße „Am Trieb“ realisiert.

Bike OF-Tour mit Politikern, 07.09.2020
Die Tour führte am Main entlang nach Bürgel zur dortigen Fahrradstraße. © Urban Media Project

Südmainischer Radschnellweg geplant

Wie Bike Offenbach-Projektmanager Ulrich Lemke erläuterte, werden im Rahmen von Bike Offenbach bis Ende 2021 neun Kilometer Fahrradstraßen eingerichtet und als Fahrradachsen in die Nachbargemeinden fortgeführt. Zeitgleich steht das nächste interkommunale Projekt schon in den Startlöchern: Geplant ist ein südmainischer Radschnellweg von Hanau über Mühlheim und Offenbach bis nach Frankfurt, die Federführung liegt beim Regionalverband Frankfurt RheinMain. „Die Machbarkeitsstudie zur Festlegung der Trasse wird noch 2020 ausgeschrieben“, berichtete die städtische Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts, die wie Lemke die Tour begleitete. Am Ende der Rundfahrt waren sich alle Beteiligten einig: Der Ausbau der Radverbindungen in der Region steht noch am Anfang, ist aber nicht mehr aufzuhalten. „Wir profitieren alle von der Zusammenarbeit“, betonte Hunkel, und Ockel ergänzte: „Wir sind auf einem sehr guten interkommunalen Weg.“

Zum Projekt: Bike Offenbach – eine Stadt neu erfahren

Um die Menschen zum Umsatteln zu bewegen, muss die Infrastruktur stimmen. Offenbach macht hierfür den (Rad-)Weg frei: Dank des Projekts Bike Offenbach lässt sich die Stadt bald ganz neu erfahren. Das Projekt ist Teil der Strategie der Stadt Offenbach, umwelt- und klimafreundliche Mobilität zu fördern. Bis Ende 2021 entstehen neun Kilometer Fahrradstraßen sowie sechs Fahrradachsen, die das Stadtgebiet und das Umland neu erschließen. Sie ergänzen bestehende Angebote für Radfahrer wie Fahrradwege, Radverkehrsstreifen auf wichtigen Strecken sowie die Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr. Auf den Fahrradstraßen gilt „Anlieger frei“ und maximal Tempo 30 für alle, zudem dürfen Radler nebeneinander fahren. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat im Frühjahr 2018 die Mittel für das Verbundprojekt Fahrrad-(straßen)-stadt Offenbach – genannt Bike Offenbach – bewilligt und stellt dafür rund 4,53 Millionen Euro aus den Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative zur Verfügung. Verbundpartner ist die Stadt Neu-Isenburg, die ebenfalls eine Förderzusage bekam. Die Projektentwicklungsgesellschaft OPG aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke-Gruppe ist von der Stadt Offenbach mit dem Projektmanagement für Bike Offenbach beauftragt.
Bike Offenbach-Tour mit Politikern, 07.09.2020 Urban Media Project
1 / 4