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Um die Menschen zum Umsatteln zu bewegen, muss auch die Infrastruktur stimmen. Offenbach macht hierfür den (Rad-)Weg frei: Dank des Projekts Bike Offenbach lässt sich die Stadt im Zentrum des Rhein-Main-Gebiets bald ganz neu erfahren.
Bike Offenbach Beethovenschule, 09-2018
Mit dem Fahrrad zur Schule: Das geht ab 2019/20 deutlich besser. © Urban Media Project

Bis 2021 entstehen neun Kilometer Fahrradstraßen und sechs Achsen, die das Stadtgebiet und das Umland neu erschließen. Die neuen Wege werden auffällig gestaltet, um die Sicherheit für alle Generationen zu gewährleisten und die Orientierung zu erleichtern.

Auf den Fahrradstraßen gilt Anlieger frei - es ist also kein Durchgangsverkehr erlaubt - und maximal Tempo 30 für alle, zudem dürfen Radler nebeneinander fahren. Eine erste Teststrecke auf der Senefelderstraße steht seit September 2018 zur Verfügung. 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat im Frühjahr 2018 die Mittel für das Verbundprojekt Fahrrad-(straßen)-stadt Offenbach – genannt Bike Offenbach – bewilligt und stellt dafür rund 4,53 Millionen Euro aus den Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative zur Verfügung. Verbundpartner ist die Stadt Neu-Isenburg, die ebenfalls eine Förderzusage bekam. Die Gesamtkosten des über die Region hinaus wegweisenden Projekts liegen bei rund 5,95 Millionen Euro.

Den Radverkehr zügig auszubauen, um die Mobilität für alle zu gewährleisten – das halten die Verantwortlichen bei der Stadt Offenbach und der Projektentwicklungsgesellschaft OPG aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke-Gruppe gerade in Zeiten wachsenden Zuzugs für unabdingbar: Nur wer Menschen zum Umsatteln motiviert, kann Straßen entlasten, Staus reduzieren und damit auch die Lebensqualität insgesamt verbessern.

Sichere Wege für alle Generationen

Das Offenbacher Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement hatte im Herbst 2017 den Förderantrag für den Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ eingereicht, der vor wenigen Wochen vom Bundesumweltministerium (BMU) bewilligt wurde. „Unser Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren ein gut ausgebautes Netz an Radrouten über annähernd das ganze Stadtgebiet zu spannen, das sichere Wege für alle Generationen schafft“, erläutert die Projektleiterin des Stadtplanungsamtes, Ivonne Gerdts. Die Gesamtkosten des Projekts, das von der Stadtverordnetenversammlung Ende Oktober 2017 beschlossen wurde, liegen bei rund 5,95 Millionen Euro. Zum Expertenteam zählen das Frankfurter Planungsbüro „Radverkehr Konzept“ und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Offenbach (ADFC), der unter anderem das Projekt mit seiner Kampagne „Offenbach fährt fair“ unterstützt.

„Wir haben sechs Radverkehrsachsen ausgewiesen, die wichtige Verbindungswege in Offenbach und ins Umland abdecken und bisher nicht entsprechend ausgebaut sind“, erläutert OPG-Projektmanager Ulrich Lemke. Dort sollen Fahrradstraßen, neue Radwege und Schutzstreifen eingerichtet werden, deren Verlauf wichtige Ziele wie Schulen, Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen mit einbindet. Die neuen Wege werden auffällig gestaltet, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Orientierung zu erleichtern. Weitere Maßnahmen sehen vor, Kreuzungen und Knotenpunkte fahrradfreundlich umzugestalten, Lücken im Radverkehr zu schließen und die Anbindung an die Nachbarkommunen auszubauen. „Uns ist es wichtig, sichere und direkte Verbindungen zu schaffen, um damit Nutzergruppen anzusprechen, die bisher nicht mit dem Rad gefahren sind“, unterstreicht Lemke.

Interkommunale Verbindungen im Blick

Schon seit April 2017 arbeiten die Stadt Neu-Isenburg und die Stadt Offenbach gemeinsam an den interkommunalen Verbindungen, und Neu-Isenburg hat als Verbundpartner ebenfalls eine Förderzusage erhalten. Nun sind sichere und asphaltierte Radverbindungen von Offenbach nach Neu-Isenburg und Gravenbruch vorgesehen. Auch mit dem Kreis Offenbach und der Stadt Obertshausen wird der Ausbau von weiteren überörtlichen Verbindungen untersucht. Insbesondere bei den interkommunalen Verbindungen wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung/Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen, dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und der Hochschule Darmstadt unterstützt; letztere begleitet das Projekt auch wissenschaftlich.

Mit dem überörtlichen Angebot möchten die Verantwortlichen vor allem die Berufspendler aus oder nach Offenbach, die einen hohen Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen haben, zum Umsatteln motivieren. Enormes Verlagerungspotenzial bergen auch die innerstädtischen Fahrten: 40 Prozent der hier zurückgelegten Wege sind kürzer als vier Kilometer – und damit für die allermeisten gut mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Für die Realisierung von „Bike Offenbach“ steht als nächster Schritt bis Ende 2018 ein Projektbeschluss bevor. Im Frühjahr 2019 sollen dann die konkreten Baumaßnahmen anlaufen.