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Feuerwehr Offenbach, Sandra Reng
© Stadt Offenbach/georg-foto.de
Die Berufsfeuerwehr Offenbach hat ihre Rettungsleitstelle mit einer neuen Software aufgerüstet. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Feuerwehr für die Leitstelle, dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst sowie der Software-Firma wurde die Anwendung für Offenbach optimiert. Bei jedem Anruf in der integrierten Leitstelle für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst unter 112 unterstützt die Software die Disponentinnen und Disponenten mit strukturierten Fragen. Ziel ist es, mit Hilfe der Antworten der Notrufmeldenden, die passende Hilfe für jeden Notfall zu senden. „Mit der strukturierten Notrufabfrage steigert die Berufsfeuerwehr Offenbach die Qualität der Arbeit in der integrierten Leitstelle“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke.

Benötigt ein Anrufer eigentlich eine normale ärztliche Begutachtung, wird er an den Hausarzt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 verwiesen. Geht es um ein akutes Ereignis entscheiden die Disponenten, ob ein Rettungswagen ohne Blaulicht und Sondersignal genügt – oder ob der Einsatz mit höchster Alarmstufe notwendig ist. „Vielleicht wird auch noch ein Notarzt oder womöglich auch die Feuerwehr gebraucht.  Dies kann der Fall sein, wenn ein Verletzter an unzugänglichem Ort liegt. Das kann eine Baugrube oder ein Dach sein. In diesem Fall können ihn Rettungskräfte nur mit Hilfe der Feuerwehr erreichen“, erklärt der Leiter der Berufsfeuerwehr Offenbach Uwe Sauer.

Doch die Software unterstützt auch lebensrettende Sofortmaßnahmen: Während der Rettungsdienst bereits auf dem Weg ist, führt der Disponent die oft aufgeregten Anrufer anhand der Anleitung auf dem Bildschirm zum Beispiel durch die Reanimation. Mit ruhiger Stimme gibt er vor, wie der Patient zu lagern und in welchem Rhythmus die Herzmassage auszuführen ist. Die Disponenten bleiben in der Leitung und stehen dem Anrufer zur Seite bis der Rettungsdienst vor Ort eintrifft.

2018 halfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leitstelle in den meisten Fällen schon mit Anweisungen zur Reanimation. Doch nicht in allen Fällen wurde mit den Angaben der Anrufer erkannt, dass ein solches Vorgehen notwendig ist. Hier soll die Software die Qualität der Arbeit in der Leitstelle noch besser machen.

„Alles übernimmt die Software nicht – die letzte Entscheidung treffen immer die Disponenten. Denn letztlich steht jeder von ihnen in der Verantwortung und muss sich an gesetzliche und ärztliche Vorgaben zur Disposition halten“, stellt Schwenke klar.

Dabei sind die Disponenten vollkommen auf die Angaben der Anrufer angewiesen. Wird eine akute medizinische Notlage beschrieben, fährt der Rettungswagen los. Auch wenn eigentlich nur ein seit längerem existierendes nicht lebensbedrohliches Symptom vorliegt und der Patient ein Fall für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Hausarzt wäre. "Wir haben hier zunehmend mit Anrufenden zu tun, die ihre Situation dramatischer darstellen, weil die Menschen den Eindruck haben, in der ambulanten ärztlichen Versorgung nicht zeitnah Hilfe zu bekommen", erläutert Feuerwehrchef Sauer. Damit die Rettungswagen und deren Besatzung für echte Notfälle zur Verfügung stehen, appelliert Sauer an die Offenbacherinnen und Offenbacher, die 112 nur bei echten Notfällen zu wählen. Bei medizinischen Fragen außerhalb der Öffnungszeiten der Hausärzte steht der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 zur Verfügung.

"Mit der Einstiegsfrage „Wo genau ist der Notfallort?“ erreichen wir auch, dass wir den Rettungswagen los senden können, selbst wenn das Gespräch aus irgendeinem Grund abreißt", erläutert Sandra Reng, die das Projekt bei der Berufsfeuerwehr betreut und die Erprobungsphase gesteuert hat. "Ist der Anrufende selbst betroffen, kann es ja sein, dass er bewusstlos wird. Dann kennen wir noch nicht die genaueren Umstände, aber der Rettungswagen hat ein Ziel", erläutert die Ausbildungsleiterin im Fernmeldewesen.

Wer 112 anruft, wird nach dem Ort und dann Name und Rückrufnummer gefragt. Erst dann will der Disponent wissen, was passiert ist. Sobald er eingeordnet hat, welche Art von Unterstützung der Anrufer benötigt, kann er per Knopfdruck schon den Rettungswagen oder die Feuerwehr zum Ziel senden. Im folgenden Dialog werden je nach Lage die Detailfragen abgeklärt – während Rettungskräfte oder Feuerwehrleute schon ausrücken. Zum Beispiel wie viele Menschen verletzt sind, wie alt sie sind, ob Atemprobleme oder Schmerzen vorliegen. Gefragt wird nach dem Kreislauf oder ob der Patient ansprechbar ist, ob sichtbare Verletzungen vorhanden sind oder jemand eingeklemmt oder eingeschlossen ist. Wichtig ist auch, ob es weitere Gefahren für die Betroffenen gibt – wie ein sich ausbreitender Brand oder Atemgifte. Anhand der Angaben konkretisiert sich das Bild für den Disponenten und er kann über die weiteren Maßnahmen entscheiden. 

Die Anzahl der Fragen richtet sich nach den gegebenen Antworten und ist für jede Meldung anders. Spätestens nach der Beantwortung dieser zusätzlichen Fragen werden die Rettungskräfte alarmiert. Bei eindeutigen Meldebildern schon nach der Antwort auf die Frage was denn passiert ist.

Nach der Alarmierung bleibt der Disponent in der Leitung: Er erklärt, was der Anrufende bis zum Eintreffen der Rettungskräfte noch für den Patienten oder Betroffenen tun kann und gibt den Hinweis, dass er jeder Zeit wieder über die 112 anrufen kann, wenn sich an der Situation oder dem Zustand etwas verändert.

In der Leitstelle sind alle Disponenten zugleich Rettungssanitäter, Rettungsassistenten oder sogar Notfallsanitäter und haben entsprechende Qualifikationen erworben. Sie wissen auch, was bei kleineren Unfällen wie einem Schnitt oder Nasenbluten zu tun ist. Regelmäßig sitzen sie auch selbst bei Einsätzen im Rettungswagen.

„Es ist beruhigend zu wissen, dass alle Situationen voraus bedacht sind, wenn ich die 112 anrufe – und die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger immer schnellstmöglich die richtige Hilfe bekommen“,  sagt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke und dankt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der integrierten Leitstelle bei der Feuerwehr.

Bildinformation

Projektleiterin Sandra Reng nimmt in der Rettungsleitstelle einen Anruf entgegen.
Foto: Stadt Offenbach

Link

www.feuerwehr-offenbach.de

Offenbach am Main, 20. März 2019