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CO-Warner einer RTW-Besatzung schlägt Alarm

Um 7.01 Uhr wurde heute Morgen ein Rettungswagen zu einer Patientin in der Stoltzestraße im Offenbacher Stadtteil Bieber gerufen. Vor Ort eingetroffen schlugen die Kohlenstoffmonoxid-Warner (CO-Warner) der Rettungswagenbesatzung Alarm und wiesen die Rettungskräfte auf eine stark erhöhte CO-Konzentration in der Umgebungsluft hin.

Daraufhin wurde sofort die Berufsfeuerwehr nach dort alarmiert, um Mess-, Lüftungs- und ggfs. Rettungsmaßnahmen unter Atemschutz vornehmen zu können. Außerdem wurden weitere Rettungsmittel, ein weiterer Notarzt, ein Beamter des Führungsdienstes der Berufsfeuerwehr und die Einsatzleitung Rettungsdienst nach dort entsandt.

Die Messungen durch die Feuerwehr bestätigten eine erhöhte CO-Konzentration. Daraufhin wurde das gesamte Gebäude geräumt und in allen Räumen Messungen und Lüftungsmaßnahmen durchgeführt sowie in Zusammenarbeit mit dem zur Einsatzstelle angeforderten Heizungsbauer nach der Ursache für die CO-Konzentration gesucht. Insgesamt mussten 6 Hausbewohner rettungsdienstlich versorgt und ins Krankenhaus transportiert werden. Ein Hund wurde von der Feuerwehr ins Tierheim transportiert.

Die Ursache wurde vermutlich in Form einer defekten Gaszusatzheizung in der Wohnung der ersten Patientin identifiziert. Zur vorübergehenden Unterbringung weiterer 5 unverletzter Hausbewohner wurde ein Omnibus der Offenbacher Verkehrsbetriebe angefordert. In diesem konnten sich bis zur Freigabe der Wohnungen die Hausbewohner aufhalten.

Um 09.45 Uhr war der Einsatz beendet.

Hintergrundinformation zu den Eigenschaften von Kohlenstoffmonoxid

Chemische und physikalische Eigenschaften

Kohlenstoffmonoxid (CO) ist ein farbloses, geruchloses und geschmackloses Gas, welches durch die menschlichen Sinnesorgane nicht wahrgenommen werden kann. CO hat eine hochtoxische Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen. Die Dichte von CO liegt bei 0,9668 und ist damit leichter als Luft, es steigt also nach oben und ist sehr stark der Thermodynamik, also auch der räumlichen Luftverwirbelung unterworfen. Durch die geringe molekulare Größe kann es durch Decken und Wände diffundieren, was zu einer nicht spürbaren Schadens- und Gefahrenausbreitung führt. CO ist brennbar und hat einen relativ weiten Explosionsbereich (EX-Bereich).

Pathologische Eigenschaften

Kohlenstoffmonoxid hat eine 200-300 fache höhere Affinität an das im Blut sauerstofftransportierende Protein Hämoglobin als Sauerstoff. Dadurch kann durch das mit CO belegte Hämoglobin kein Sauerstoff mehr zu den Zellen transportiert werden. Die Zellen werden dadurch akut sauerstoffunterversorgt und können irreparabel geschädigt oder zerstört werden. Bereits eine geringe Menge CO kann zu einer akuten Vergiftung führen. Die Anzeichen beginnen meist mit Schwindel, gehen über Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, neurologische Beschwerden, Bewusstlosigkeit, Konzentrationsschwächen, Herzrhythmusstörungen, welche im Verlauf bis zum Tode führen können.

Aufgrund der ähnlichen Krankheitssymptomatik wird in der Diagnostik eine beginnende Vergiftung mit Magen-Darm-Infekten, grippalen Infekten, Alkohol- und Drogenmissbrauch, neurologische Ausfallerscheinungen (z.B. Schlaganfall) und Ähnliches verwechselt. Der Grund dafür ist, dass es keine klaren und eindeutigen Indizien für eine CO-Intoxikation gibt.

Letztlich kann eine CO-Vergiftung nur klinisch mittels einer Blutgasanalyse (BGA) durch eine prozentuale Bestimmung der Sättigung des Hämoglobins mit Kohlenstoffmonoxid genau bestimmt werden. Dies ist kein klinischer Standard und wird meist nur bei einem eindeutigen Verdacht auf eine CO-Vergiftung durchgeführt. Ab einer 10 %-igen Sättigung des Hämoglobins mit CO (10 % COHb) spricht man im Bereich der Notfallmedizin von einer akuten behandlungs- und therapienotwendigen Vergiftung (als Referenzwerte für COHb-Werte werden in der Fachliteratur für Nichtraucher, Normalbevölkerung < 1 % COHb bis in Einzelfällen 5 % COHb und für Raucher von 5 – 10 % COHb angegeben). Spätschäden als auch manifeste Folgeschäden können sich bereits schon bei geringen Vergiftungen nach wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen entwickeln. Folgen sind Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Übelkeit, parkinsonähnliche Anfälle, Kopfschmerzen, Migräneanfälle, Psychosen, Persönlichkeitsveränderungen, Herzerkrankungen usw.