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Stadt Offenbach

Die Geschichte des Stadtarchivs

Sowohl institutionell als auch im Hinblick auf seine Bestände ist das Stadtarchiv Offenbach am Main zwar vergleichsweise jung, hält aber sehr spannende Unterlagen zur Geschichte der Stadt und ihrer Einwohnerinnen und Einwohner bereit.

Erst im Jahr 1934 wurde das Stadtarchiv begründet. Mit Theodor Reichert erhielt die Stadt Offenbach am Main ihren ersten Stadtarchivar, der zugleich auch das Heimatmuseum leitete. Dem Archiv wurden Räume im Isenburger Schloss zugewiesen und eingerichtet, die kurz zuvor von der Stadtbibliothek geräumt worden waren:

Welche überreiche Fülle von Arbeit nun begann, um all das zu sichten, zu ordnen und neu zu registrieren, was sich hier zusammengefunden hat, kann man nur dann verstehen, wenn man weiß, daß allein 60 Lastwagen voll Material dem neu gegründeten Archiv zuflossen. Besonders günstig für den inhaltlichen Bestand des Archivs war die Tatsache, daß die in dieser Zeit durchgeführten Luftschutzmaßnahmen zur Entrümpelung der Dachböden nicht nur alle Behörden zur Herausgabe aller archivreifen Akten zwang, sondern daß hierdurch auch recht viel Material aus Privatbesitz in das Archiv gelangte

(Offenbacher Monatsrundschau Nr. 01/1940, S. 48)
Transport der Ortsgerichtsakten im Hof des Isenburger Schlosses

Im September 1937 war Reichert so weit vorangeschritten, dass das Stadtarchiv von Interessierten auch genutzt werden konnte: 20.000 (Akten-)Bände, 662 Bände der Archivbibliothek und eine Sammlung von 300 Fotoplatten zur Dokumentation des Offenbacher Stadtbildes standen zur Verfügung. Theodor Reichert war die treibende Kraft bei der Gründung des Stadtarchivs, was ihm mit Verweis auf die nationalsozialistische Kulturpolitik („Volkstum und Heimat“ als ein Hauptmotiv) schließlich gelang. Andrea Hansert hat im Zuge ihrer Forschungsstudie „Offenbach. Kultur im Sog des Nationalsozialismus“ (2019) auch einen Blick auf die Umstände der Gründung des Stadtarchivs und die Person von Theodor Reichert geworfen (ebd., S. 125ff). 


Während des Zweiten Weltkrieges folgte allerdings bereits ein schwerer Einschnitt. Die Kriegsverluste sind schwer zu beziffern, dürften aber trotz Auslagerungen nach Oberhessen erheblich sein. Dazu kommt, dass durch die Kriegszerstörung einer Vielzahl städtischer Gebäude – und damit der laufenden Registraturen – auch große Lücken in der Überlieferung der Zwischenkriegszeit insgesamt und besonders die Zeit des Nationalsozialismus entstanden sind.  

1947 konnte das Stadtarchiv schließlich mit den zurückgekehrten Unterlagen in der Sandstraße 26, dem 1903 erbauten ehemaligen Leihhaus der Stadt Offenbach, untergebracht werden, nachdem das Isenburger Schloss zerstört worden war. In der Zeit des Wiederaufbaus wurde das Stadtarchiv von Georg Hoffmann und später von Werner Münzberg betreut, letzterer leitete neben dem Stadtarchiv auch das 1971 wiederbegründete Stadtmuseum.

Im Jahr 1980 wurden Stadtarchiv und Museum organisatorisch getrennt, 1989 konnte das Stadtarchiv aus den beengten Räumen in der Sandgasse an den heutigen Standort in den Bernardbau in der Herrnstraße 61 umziehen. Schließlich schloss sich der Kreis in gewisser Weise wieder als Stadtarchiv und Stadtmuseum 2004 zum „Haus der Stadtgeschichte“ in seiner heutigen Form zusammengeschlossen wurden und das Stadtmuseum vom Dreieich-Park zum Stadtarchiv in den Bernardbau zog.

Nur wenige Unterlagen im Stadtarchiv reichen in die isenburgische Zeit vor dem Jahr 1815 zurück, so sehr prominent das „Offenbacher Gerichtsbuch“ (1587-1720), auch gibt es einige Hypothekenbücher und Unterlagen zur Kriegskostenrechnung der französischen Revolutionskriege. Eine dichtere städtische Überlieferung ist erst ab Mitte der 1820er Jahre festzustellen, als die Offenbacher Alt- und Neugemeinde zusammengeschlossen wurden und sich die kommunale Selbstverwaltung im Großherzogtum Hessen und damit auch in Offenbach etablierte. Für die vorhessische Zeit findet sich die einschlägige Überlieferung im Fürstlich Isenburgischen Archiv in Birstein, den damaligen Landesherren. Viele Unterlagen mit Offenbacher Betreffen aus dem fürstlichen Archiv stehen auf Mikrofilm zur Verfügung, Findmittel zum isenburgischen Bestand können ebenfalls im Stadtarchiv genutzt werden.


Bestände

  • Akten und Amtsbücher der Stadtverwaltung Offenbach (auch Eigenbetriebe, überwiegend 19. – 21. Jahrhundert) sowie der ehemals selbstständigen Gemeinden Bieber, Bürgel und Rumpenheim
  • Zeitgeschichtliche Sammlung (thematische Sammlung, v. a. Zeitungsausschnitte)
  • Fotos, Postkarten, Graphik (Stadtbild, Personen, Ereignisse, Unternehmen, Vereine usw.)
  • Karten und Pläne (Land- und Katasterkarten; Stadt- und Baupläne u. a.)
  • Audiovisuelle Unterlagen (Töne und Filme)
  • Nachlässe, Vereine, Unternehmen, Autographen (u. a. Sophie von La Roche)

Archivbibliothek (Präsenzbibliothek)

  • Offenbacher Zeitungen ab 1818
  • Adressbücher ab 1863 (ältere Einwohnerverzeichnisse im Archivbestand)
  • Alte Drucke aus Offenbach, darunter auch hebräische Drucke/Judaica
  • Alte und neue (Forschungs-)Literatur zu Offenbach, Druckschriften

Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv

Stadt Offenbach am Main - Bernardbau
Herrnstraße 61
63065 Offenbach

Hinweise zur Barrierefreiheit

Öffentliche Behindertenparkplätze in der Herrnstraße und in der Kirchgasse.
Das Archiv im Haus der Stadtgeschichte ist nicht barrierefrei erreichbar

Hinweise zur Erreichbarkeit

S-Bahn-Linien 1, 2, 8, 9 (Haltestelle Offenbach Marktplatz) Buslinien 103, 104, 108, 551, 41 (Haltestelle Rathaus)

Weitere Hinweise

Tiefgarage Sheraton Hotel, Parkhaus Französisches Gässchen, Öffentliche Parkplätze am Mainufer

Öffnungszeiten

Montag
Dienstag 9:00 Uhr - 12:00 Uhr , 13:30 Uhr - 15:30 Uhr
Mittwoch
Donnerstag 09:00 Uhr - 12:00 Uhr , 13:30 Uhr - 15:30 Uhr
Freitag



Bürgerinnen und Bürger sollten nach Möglichkeit ihre Suchwünsche vor ihrem Besuch im Stadtarchiv per E-Mail anmelden unter stadtarchiv@offenbach.de

Erläuterungen und Hinweise

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