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Stadt Offenbach

Historische Druckmaschine „Elisabeth“ findet im Bernardbau eine neue Heimat

12.03.2026

Sie ist rund 80 Jahre alt und wiegt 4,5 Tonnen. Ihre Begabung: handwerkliche Präzision. Ihr Können hat sie zuletzt im Manroland-Werk in der Borsigstraße unter Beweis gestellt. Heute ist „Elisabeth“ in ihrem hohen Alter ein Zeugnis drucktechnischer Ingenieurskunst der 1940er Jahre – und ein echtes Schwergewicht, das erstmal bewegt werden will. Im Februar hat die seltene Conter-Andruckpresse ihren Weg in den Bernardbau an der Herrnstraße gefunden: ihr neues Zuhause für den Ruhestand. Mit ihrem Umzug bleibt nicht nur ein außergewöhnliches Stück Drucktechnik erhalten, zugleich entstehen neue Möglichkeiten, historische Druckkunst in der Druckwerkstatt der Stadt Offenbach lebendig zu vermitteln.

Die Druckmaschine des Herstellers Steinmesse & Stollberg Maschinenfabrik Roth stammt aus dem Bestand der ehemaligen Werkstatt der internationalen Senefelder-Stiftung (ISS), die zuletzt in den Hallen der Firma Manroland Sheetfed in Mühlheim betrieben wurde. An der Maschine arbeitete unter vielen anderen Kunstschaffenden auch der Künstler K.O. Götz gemeinsam mit dem Lithographen und Meisterdrucker Manfred Hügelow. Damit ist „Elisabeth“ nicht nur für die Technikgeschichte, sondern auch kunst- und kulturgeschichtlich von besonderem Wert. Ihren Namen trägt die Steindruckpresse in Erinnerung an Elisabeth, eine Freundin des Meisterdruckers Hügelow, nach der er sie einst benannte. Nun eröffnet die Umdruckpresse neue Perspektiven für die praktische Arbeit in der Druckwerkstatt. Gerade mit Blick auf das Großformat bietet sie Möglichkeiten, die über die bisherige Ausstattung hinausgehen. 

„Elisabeth“ hat den Umzug überstanden und steht nun im Bernardbau. Leiter der Druckwerkstatt, Dominik Gußmann, freut sich über die seltene Druckmaschine.

Workshops und Veranstaltungen geplant

Mit dem Umzug in den Bernardbau ist nun ein wichtiger Schritt zum Erhalt und Weiterbetrieb der Maschine gelungen. Dort soll die Druckmaschine künftig die bestehende historische Druckwerkstatt vom Haus der Stadtgeschichte und des Klingspor Museums ergänzen und das Angebot für Besucherinnen und Besucher erweitern. Geplant ist nicht nur die Präsentation der Maschine, sondern auch ihre Nutzung im Rahmen von Veranstaltungen und Workshops. So soll sie einen lebendigen Einblick in die historische Druckkunst ermöglichen, insbesondere in die Herstellung von Steindrucken. Dabei wird das Motiv zunächst auf ein Gummituch übertragen, bevor es anschließend auf das Papier gedruckt wird. „Mit der Verlagerung dieser außergewöhnlichen Druckmaschine bewahren wir nicht nur ein bedeutendes Stück Technik- und Kunstgeschichte. Wir schaffen zugleich neue Möglichkeiten, das historische Druckverfahren zu vermitteln und praktisch zu erleben“, sagt Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte.

Ein Umzug in Präzisionsarbeit

Der Umzug selbst stellte alle Beteiligten vor eine technische und logistische Herausforderung: Für den Transport der 4,3 x 2,2 Meter großen Druckmaschine und ihres Druckzylinders wurde sie bei der Firma Manroland Sheetfed zunächst für den Umzug fachgerecht gesichert. Anschließend verluden die Mitarbeiter des Transportunternehmens die Maschinenteile auf einen Lastwagen. Von dort aus ging es zum Bernardbau. Vor Ort musste die Maschine durch die schmalen Flügeltüren bugsiert und anschließend in Millimeterarbeit auf die vorbereiteten Lastverteilungsträger aus Stahl geschoben werden. Diese leiteten das hohe Gewicht gezielt auf die Stahlträger in der Kellerdecke ab. Besondere Vorsicht war während des gesamten Transports erforderlich, da die aus Gusseisen gefertigte Maschine zwar robust wirkt, zugleich aber empfindlich auf Erschütterungen und punktuelle Belastungen reagiert. Da diese Druckmaschine nicht mehr gebaut wird, wäre ein Schaden nicht mehr reparabel. Zusätzlich stützten mobile Pfeiler die darunterliegende Kellerdecke, um die Konstruktion während des Einbringens der Maschine abzusichern. Nachdem „Elisabeth“ an ihrem neuen Standort positioniert war, setzte das Transportunternehmen mithilfe eines Alumontagebocks den Druckzylinder in die Druckmaschine ein.  

Ein erster Probedruck hat bereits gezeigt, dass „Elisabeth“ grundsätzlich wieder arbeitsfähig ist. Bevor sie jedoch bald regelmäßig zum Einsatz kommen kann, muss zunächst noch das blaue Gummituch an der Walze ausgetauscht und ein Starkstromanschluss gelegt werden.

Die Druckmaschine stand zuletzt in den Räumlichkeiten der Firma Manroland

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