Offenbacher Goethe-Bildnis von 1786 erworben
12.08.2025
Das Offenbacher Stadtarchiv im Haus der Stadtgeschichte hat auf einer Auktion ein überaus seltenes Goethe-Bildnis erworben, das ab 23. August in der Ausstellung „Der Anfang, das Ende und alles dazwischen. Love Stories“ zu sehen sein wird. Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Klingspor Museum ausgerichtet und widmet sich in aktualisierter Form dem 250. Jubiläum der Offenbacher Verlobung von Goethe mit Lili Schönemann. Das Goethe-Bildnis zeigt den Dichter im Profil nach links, sowie ihn Lili Schönemann wenige Jahre zuvor in Offenbach wahrnahm. Sie verliebte sich sofort in ihn, was Goethe in die Worte kleidete: „Ein unbezwingliches Verlangen war eingetreten; ich konnte nicht ohne sie, sie nicht ohne mich sein“.
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke freut sich über diesen wichtigen Ankauf: „Offenbach besitzt jetzt das 1786 in Offenbach hergestellte Goethe-Bildnis und das finde ich wunderbar! Hoffentlich werden viele Offenbacherinnen und Offenbacher die Gelegenheit nutzen, sich das Bildnis anzusehen. Man findet es in der Jubiläumsausstellung. Ich danke dem Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, der die gemeinsame Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte und im Klingspor Museum zur Verlobung Goethes und Lilis ermöglicht hat.“
Weshalb ist das erworbene Goethe-Bildnis so besonders? Im Jahr 1899 wurde auf einer Goethe-Ausstellung in Düsseldorf ein Bildnis des jugendlichen Dichters gezeigt, das seitdem als eines der seltensten in Kupfer gestochenen Bildnissen Goethes überhaupt gilt. In kaum einer Sammlung ist es vorhanden. Die Bildlegende des kleinformatigen Blattes (14,8 x 12,8 cm) nennt als Entstehungsort Offenbach am Main und das Jahr 1786. Als Kupferstecher ist Isaak Schnapper genannt, der laut Eintrag in der Jewish Encyclopedia der erste jüdische Kupferstecher in Deutschland überhaupt war. Er gab den Beruf früh auf, wurde Spielkartenfabrikant. Von Schnapper sind neben diesem seltenen Goethe-Bildnis bloß wenige weitere Werke bekannt. In den Jahren 1781 bis 1810 war er als Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Offenbach tätig. In seine Zeit fällt die Aufhebung des sogenannten „Judenleibzolls“ im Fürstentum Isenburg; ein wichtiger Beitrag zur Judenemanzipation im frühen 19. Jahrhundert.
