Sprungmarken
Aktuelles Wetter:Regen14° C
Suche
Suche

1. Biographisches

Der Historien –und Landschaftsmaler, Turn- und Zeichenlehrer Georg Wilhelm Bode, den man auch "der Alte vom Schloss" oder "G. W." nannte, wurde am 15. Mai 1801 in Hanau geboren. Er wuchs in Steinau an der Straße auf, wo sein Vater Bernhard Tobias Bode, ehemaliger kurhessischer Offizier, Schlossverwalter war. Er besuchte von 1818 bis 1822 die Zeichenakademie in Hanau sowie die Akademie der bildenden Künste in München von 1825-1827, wo er bei Peter von Cornelius und dem Porträt-Historienmaler Clemens von Zimmermann studierte. Durch den Tod seiner Eltern veranlasst, kehrte er – wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen – nach Hanau zurück. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er die Gemälde des Louvre, insbesondere die Werke berühmter Porträtisten, studiert haben soll, und nochmaligem Besuch der Münchener Akademie, kam er 1830 nach Offenbach, wo er als Porträtmaler arbeiten wollte. Ein weiterer Grund für seine Übersiedlung nach Offenbach war das Angebot einer Zeichenlehrerstelle am Progymnasium, die ihm ein festes Einkommen und so die Möglichkeit zur Heirat bot. Mitte 1830 heiratete er Anna Maria Lückhardt, die Tochter des Hanauer Stadtuhrmachers, die am 24. Mai 1799 in Hanau geboren wurde und am 13. März 1870 in Offenbach gestorben ist. Er ließ sich zunächst im alten Andréschen Haus im Kleinen Biergrund nieder; 1836 zog er dann als erster Privatbewohner in den zweiten Stock des alten Isenburger Schlosses, welches vorher eine Papierfabrik beherbergte. 1831 wurde der erste von drei Söhnen geboren: der bekannte Historienmaler Leopold Bode, es folgten 1833 Carl Bode und 1839 Johannes Martin Bode.
Im Winter 1836/37 soll er sich – mit Bildnisaufträgen beschäftigt – wieder in Paris aufgehalten haben. Bode betätigte sich auch in der Lithographie, der er sich schon in Paris – wahrscheinlich unter Senefelders persönlicher Leitung – zugewandt hatte. Er errichtete als erster in Offenbach eine lithographische Anstalt, in der alle Druckverfahren angewendet wurden, und bildete zahlreiche Schüler aus. Aus seiner Werkstatt, die im Isenburger Schloss war, gingen Landschaftsbilder, Porträts, Blumenbilder und Offenbacher Ansichten, z.T. in Vierfarbendruck hervor. Eine von ihm nach Raffaels "Sixtinischer Madonna" angefertigte Zeichnung soll sogar in die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft worden sein.
Aus den im Stadtarchiv aufbewahrten Zeitungsartikeln ist eine unterschiedliche Bewertung seiner Leistungen herauszulesen. Während er in einigen als "sehr geschätzter Zeichner und Porträtist" dargestellt wird, wird in anderen die ungenügende Anerkennung seiner Person bemängelt. So war er bis zu seiner 1872 erfolgten Pensionierung nur Hilfslehrer – die erhoffte Beförderung zum Reallehrer soll ihm aufgrund seiner großdeutschen Gesinnung vorenthalten worden sein. Auch sein Engagement für das Allgemeinwohl sei zuwenig gewürdigt worden. So war er von 1854-1872 als Feuerwehrkommandant für die 1845 gegründete Offenbacher Freiwillige Feuerwehr tätig. Zu einer so genannten Kippleiter, die 1861 zum ersten Mal verwendet wurde, hatte er das Modell konstruiert. Es sei eine "Tragik des Geschicks, dass ein Künstler von so hervorragender Begabung und großem Können, der besonders im Porträtieren Vorzügliches leistete, seine Jahre (...) damit verbringen musste, lithographische Zeichnungen herzustellen, Entwürfe von Vereinsfahnen zu fertigen und die Offenbacher Buben im Turnen und Zeichnen zu unterrichten". Immer wieder wird das Bedauern geäußert, dass Bode durch "kleinbürgerliche Verhältnisse gefesselt" gewesen sei, die ihm "die letzte Möglichkeit zur letzten Entfaltung" genommen hätten.
Erst eine 1914 in Offenbach veranstaltete Ausstellung soll Bode die verdiente Anerkennung gebracht haben. Der Kunsthistoriker Paul Ferdinand Schmidt sprach damals von "der Entdeckung des alten Georg Wilhelm Bode, der sich als einer der empfindungsvollsten und sympathischsten Nazarener herausstellt und seinen Platz zwischen Schwind und Steinle verdient".
Bode hat auch als Unterstützer der Turnbewegung eine wichtige Rolle gespielt. 1832 war er an der Gründung des Turnvereins maßgeblich beteiligt. Sogar für die Einführung des Turnunterrichts in den Schulen war er verantwortlich. Als 1847 die Turnvereine als politisch verdächtig aufgelöst wurden, gründete er eine private Turnanstalt. Des Weiteren engagierte er sich im 1826 entstandenen Sängerverein. In den 48er Jahren stand er inmitten der Freiheitsbewegung. Mit dem "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn war er befreundet, der ihn im Isenburger Schloss mehrmals besuchte. Zu dem Besuch am 2. oder 3. Juli 1848 hat sich eine Anekdote erhalten, die von einer Enkelin Bodes aufgezeichnet wurde: Die Freunde sollen in einem Erker des Schlosses zusammen gesessen und Tee zu sich genommen haben, dabei heftig und aufgeregt über die politischen Verhältnisse debattiert haben – Jahn war Mitglied der Nationalversammlung. Während dieser Unterhaltung soll Jahn vor Zorn eine Hellebarde ergriffen und diese durch zwei geöffnete Zimmer gegen eine Tür geschleudert haben, so dass die Hellebarde in der Tür stecken blieb.
Georg Wilhelm Bode starb am 6. April 1881 in Offenbach und wurde "mit turnerischen Ehren" zu Grabe getragen.

2. Zum Werk

Sein Werk umfasst hauptsächlich Familienporträts und solche bedeutender Offenbacher Persönlichkeiten. Weitere Arbeiten sind "Roland erschlägt den Riesen", "Ritter Harald" (beides sind Darstellungen nach den Gedichten Uhlands); "Walpurgisnacht", "Waldeinsamkeit", das Jugendwerk "Ein Brand in Hanau", "Am Kuhborn" und "Der Traum des Kindes". 1862/63 malte er nach Entwürfen seines Sohnes Leopold 14 Heiligenfiguren in Lebensgröße, die für die katholische Kirche der Deutschen in London bestimmt waren.

3. Stilhistorische Einordnung

Georg Wilhelm Bode gilt als Nazarener oder deutschromantischer Maler.