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Fayence Kuh
Fayence Kuh © Jörg Baumann
Im Rhein-Main-Gebiet waren seit dem Jahr 1661 unter Delfter Einfluß verschiedene Fayencemanufakturen entstanden, zuerst in Hanau, dann auch in den anderen Städten und Orten der Umgebung. Diese Geschirre aus glasierter Keramik waren sowohl in bürgerlichen als auch in bäuerlichen Familien ein Ersatz für das damals sehr teure Porzellan.

Herkunft und Herstellung

Fayence gab es bereits im Altertum. Fayence ist eine porzellanähnliche Tonkeramik, die mit einer farbigen oder weiß deckenden Glasur überzogen viel günstiger als echtes Porzellan war.
Meist war diese Gebrauchskeramik mit floralen Motiven bemalt. Mit den Arabern gelangte die Fayenceherstellung nach Spanien. Die Balearen, besonders Mallorca, übernahmen die Einfuhr nach Italien. Nach der Stadt Faenza in Italien benannt, verbreitete sie sich seit der Renaissance in ganz Europa.

Die Bewunderung für die schimmernden Gefäße mit dem strahlenden Dekor bestand nicht ohne Grund: Nur langsam war die geheim gehaltene Kenntnis der Herstellung jenes weißen und samtartig glatten Glasurüberzuges in die Regionen nördlich der Alpen gelangt. Im Zuge von Glaubensstreitigkeiten hatten im 16. Jahrhundert italienische Töpfer ihre Heimat verlassen und waren nach Frankreich, in den deutschen Sprachraum und in die Niederlande ausgewandert.

In unsere Gegend kam die Fayenceherstellung über die Niederlande: Dort wurden seit dem 16. Jahrhundert und in Delft seit dem 17. Jahrhundert Fayencen als Nachahmung chinesischer Porzellane gefertigt. Ab 1661 entstanden unter Delfter Einfluss Fayencemanufakturen im Rhein-Main-Gebiet, zuerst in Hanau, dann auch in Heusenstamm, Frankfurt am Main, Offenbach, Höchst, Rückingen, Kelsterbach, Flörsheim und Wiesbaden. Zur wechselseitigen künstlerischen Beeinflussung im Rhein-Main-Gebiet führten bald Ortswechsel der Fayencemaler.

Die asiatischen Porzellane waren den Landesfürsten im 17./18. Jahrhundert zu teuer, weshalb in großzügiger Weise die Konzessionen und Privilegien zur Gründung Fayencefabriken und Manufakturen vergeben worden waren. Überlieferte Dekormotive wurden übertragen oder neuartig kombiniert. In Offenbach wurden Krüge, Kannen und Tassen hergestellt.

Diese kunstvoll bemalten Gebrauchsgegenstände konnten damals bereits einfache Leute erwerben. So war die Möglichkeit gegeben, heiße Getränke wie Kaffee, Tee oder Kakao aus porzellanähnlichen Trinkgefäßen zu genießen. Eine eigenständige deutsche Fayenceproduktion entstand, deren Erzeugnisse noch heute für die Qualität dieses einstigen Kunsthandwerks stehen.

Als Fayence bezeichnet man keramische Erzeugnisse, die aufgrund ihres porösen Scherbens – gebrannte, unglasierte Grundmasse von Keramiken – zur Gattung der Irdenware gehören. Rohstoffe zur Fayenceherstellung sind geschlämmte Tone; Quarz und Kalk werden als Magerungs- bzw. Flussmittel zugesetzt.

Nach dem Trocknen wird ein erster Brand (Schrühbrand) bei einer Temperatur zwischen 800° C und 1000° C durchgeführt. Einmal gebrannte Gegenstände werden mit einer wässrigen Glasur überzogen. Die aus Quarz, Soda, Pottasche, Kalkspat und Bleioxyd hergestellte Glasur enthält als Trübungsmittel Zinnoxyd. Porzellanähnlich deckend weiße oder farbige Zinnglasuren auf porösem rot bis hellgelb brennenden Scherben sind das Kennzeichen der Fayence. Der Dekor wird auf die getrocknete, noch ungebrannte Glasur mit Scharffeuerfarben¹ gemalt. Anschließend findet ein zweiter Brand (Glattbrand) zwischen 950° C und 1100° C statt.

Muffelfarben², die eine reichere Farbauswahl bieten, werde auf die geschmolzene Glasur aufgetragen und in einem zusätzlichen Brand (Muffelbrand) zwischen 550° C und 750° C eingebrannt.

Die Produktion der Offenbacher Fayencemanufaktur umfasste ein umfangreiches Angebot an Gebrauchsgeschirren und Gegenständen des täglichen Lebens. Fayencen wurden in einfacher Art, in aufwändiger Formgebung und Bemalung sowie in unterschiedlichen Größen hergestellt.

Die Fabrikmarke »OFF« auf den Fayencen diente der Ausschließung von Konkurrenz und war zugleich Anpreisung der eigenen Erzeugnisse. In manchen Fällen ergänzten Malerinitialen und ab 1816 die neue Verwaltungszugehörigkeit Hessen-Darmstadt die Fabrikmarke. Der Konkurrenzdruck für die Unternehmer durch die Vielzahl der Werkstätten war hoch: Johannes Klepper, der von 1775 bis 1783 gemeinsam mit seinem Bruder Carl Wilhelm die Manufaktur in der Kleinen Kirchgasse (Schulstraße) führte, litt beispielsweise unter der Konkurrenz der Hersteller feinerer Waren in Kelsterbach und Flörsheim. Ein sechsjähriges Privileg zur alleinigen Belieferung der Kirchweihen und Märkte im Umland wurde im daher im Jahr 1777 erteilt.

_______________________________________________________________

OFF = Offenbacher Fayencefabrik
L = Johann Jacob Lay
HD = Hessen-Darmstadt


Erklärung:
¹ Scharffeuerfarben sind Unterglasurfarben, die hohen Temperaturen standhalten. Sie werden bei Fayencen und Porzellan vor dem Glasurbrand aufgebracht, gehen durch das Brennen mit dem Scherben eine enge Verbindung ein und sind durch die Glasur vor Abrieb und Absplitterung geschützt. Sie wurden vorwiegend bis zum 18. Jh. verwendet, da die Farbskala ziemlich beschränkt ist (Antimon- bzw. Ockergelb, Eisenorange, Kobaltblau, Chrom- oder Kupferoxidgrün und Manganviolett bzw. -rot).


² Muffelfarben werden auch Aufglasur- oder Überglasurfarben genannt. Muffelfarben splittern leichter ab; trotzdem werden sie seit dem 18. Jh. verwendet, da die ganze Farbpalette verfügbar ist. Zu den Muffelfarben gehören auch die Emailfarben. Es ist ein Farbmittel aus gemahlenem Glas, dem zur Farbgebung Metalloxide beigefügt wurden.

Wohn- und Küchenkultur

Bis zum 17. Jahrhundert waren die Wohnräume mit wenigen Einzelstücken eingerichtet: Schrank, Bett, Tisch, Stuhl, Truhe. Der im 18. Jahrhundert an Frankreich orientierte Lebensstil forderte neue Möbelstücke: Sofa, Sessel, Kommode. Die Möbel wurden jetzt einem einheitlichen Gestaltungswillen unterworfen und bildeten Garnituren.

Neben der neuen Wohnungsausstattung wurden dekorative Haushaltsgegenstände, Eßgeschirr, Bestecke und Tischschmuck zum Bedürfnis. Von jedem Modell benötigte man mehrere gleiche Exemplare. Die Wiederholung der Geschirrform und Bemalung ergab ein Service. Die Herstellung vieler gleicher Formen und Muster kam der Produktionsweise der Manufakturen entgegen.

In der Küche wurde nicht nur gekocht, sie war zugleich alltäglicher Aufenthaltsraum. Die Einrichtung war einfach und zweckmäßig. Geschirr wurde in offenen Regalen aufbewahrt und diente somit gleichzeitig als Schmuck des Raumes. Mit volkstümlichen Sprüchen und Lebensweisheiten verzierte Fayencen konnten preiswert erworben oder auf Jahrmärkten gewonnen werden.

Verschiedene Materialien der Haushalts- und Küchengefäße geben Aufschluss über ihre Verwendung:

  • Glas
    • Flaschen und Trinkgefässe aus Glas waren in einfacher Ausführung breiten Bevölkerungsschichten zugänglich
  • Töpferware
    • Als Anricht- und Kochgefässe sowie zur Vorratshaltung und als billiges Essgeschirr wurde einfache und preiswerte Töpferware benutzt.
  • Steinzeug
    • Zur kühlen Aufbewahrung von Speisen und Flüssigkeiten diente hartes und wasserundurchlässiges Steinzeug. Als Kochgeschirr war es ungeeignet.
  • Fayence
    • Kaffee- und Tafelgeschirr, Teeservice, Krüge und Schüsseln wurden aus dem Ersatzporzellan hergestellt.
  • Steingut
    • Einfacher und billiger zu produzierendes Steingut löste Fayencen als Servicegeschirr ab.
  • Porzellan
    • Das gut zu reinigende und der Beanspruchung besser standhaltende Por-zellan war begehrter Artikel des bürgerlichen Haushalts im ausgehenden 18. Jahrhundert.
  • Metall
    • Kochtöpfe, Wasserkessel und Kannen aus Metall waren teurer als Töpferwaren und wurden deshalb vornehmlich in wohlhabenden Familien verwendet.
  • Holz
    • Holzgefäße waren früher weit verbereitet, wurden von anderen Materialien zurückgedrängt und blieben das Geschirr armer Leute.

Ess- und Trinkgewohnheiten

Vor dem 18. Jahrhundert bestand die Hauptnahrung aus Getreideprodukten, Gemüsen und Hülsenfrüchten, die brei- und musartig oder als Eintöpfe zubereitet wurden. Brot, Milch-erzeugnisse und Fleisch ergänzten die Mahlzeiten. Getrunken wurde Wasser, Buttermilch, manchmal auch Bier oder Wein. Warme Getränke kannte man nicht.

Durch die gewerbliche Entwicklung der Städte, wachsende Bevölkerungszahlen und Miss-ernten wurden Nahrungsmittel im 18. Jahrhundert immer knapper, Hungersnöte waren die Folge. Brot und die aus Amerika eingeführte Kartoffel wurden Ernährungsgrundlage.

Der Kaffee, anfangs Genussmittel der feudal-bürgerlichen Gesellschaft, war jetzt – vermischt mit Ersatzstoffen – billiges Volksgetränk und häufig eiliger Ausgleich für warme Mahlzeiten.

Während die gewerblich arbeitende Bevölkerung der Städte gegen den Hunger kämpfte, orientierte sich der Adel und das gehobene Bürgertum am Lebensstil des französischen Hofes. Es entwickelte sich eine aufwendige Esskultur. Üppige Speisezubereitungen und mehrere Menügänge wurden gemächlich genossen.

Mit Verfeinerung der Menüs verfeinerten sich die Esssitten. Während die einfache Bevölkerung weiterhin aus der gemeinsamen Schüssel mit dem Löffel aß, benutzte man in höfischen und reichen bürgerlichen Kreisen auch Messer und Gabel. Die neuen Speisen und Getränke erforderten neues Essgeschirr.

1602 wurde in Holland die Ostindische Handelskompanie gegründet. Sie führte auf dem Seeweg chinesisches Porzellan nach Europa ein. Es wurde zum kostbaren Sammelobjekt der Fürsten; prunkvolle Porzellankabinette entstanden in den herrschaftlichen Häusern.

Erst seit dem frühen 17. Jahrhundert waren Tee, Kaffee und Trinkschokolade in Europa bekannt, anfangs als Arznei, dann als Genussmittel und Luxusartikel. Für heiße Getränke gab es in Europa kein geeignetes Geschirr. Bei Metall verbrannte man sich die Lippen, Glas zersprang, Holz beeinflusste den Geschmack und Irdenware war schwierig zu reinigen. Gefäße aus Porzellan waren für den Genuss heißer Getränke ideal.

China und Japan waren in der Entwicklung der Gefäßformen vorbildlich: Kanne, Tasse, Büchse. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden ausdrücklich Teegeschirre bestellt und Zeichnungen sowie Holzmodelle europäischer Formvorstellungen nach Asien geschickt.

Da sich nur reiche Leute das teure Porzellan leisten konnten, versuchte man in Europa, die fremden Produkte auf Tonbasis nachzuahmen. Die Fayence kam dem Porzellan in Aussehen und Nutzung am nächsten. Delft (Holland) entwickelte sich zum Zentrum der Fayenceherstellung.

Speiseplan 1727 Arme und Reiche

SPEISEPLAN EINER ARMENANSTALT 1790:


Sonntags:

Mittags: Dicke Gerstengraupensuppe
½ Pfund von gutem Rockenmehl (Roggenmehl) und
keineswegs von geschrotenem Korn gebackenes Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier (950 ml) tüchtiges Dünnebier

Montags:

Mittags: Untadelige Mehlsuppe von klarem Mehl
Linsen oder Grütze
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier

Dienstags:

Mittags: Ein zinnerner Napf voll dicke gekochte reine Erbsen
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier

Mittwochs:

Mittags: Gute und hinlängliche Buchweizengrütze
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier

Donnerstag:

Mittags: Rüben oder Kohl
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier

Freitags:

Mittags: Mehlbrey, der niemals zu dünne sein muß
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier

Samstags:

Mittags: Linsen oder Buchweizengrütze
½ Pfund Brodt
Abends: ½ Pfund Brodt
1 Quartier Dünnebier


MENÜVORSCHLAG FÜR EINEN HAUSHALT REICHER BÜRGER, 1727:

Erster Gang:

Suppe
Kalbsbrustragout
Gekochte Hammelkeule mit Blumenkohl

dazu in kleineren Portionen:
Hasenpfeffer
Markpudding
gedünsteter Aal
gedünsteter Karpfen
Tauben-Pupton (eine Art heiße Pastete)
Gebratenes vom Schwein

Zweiter Gang:

Rebhühner und Wachteln
Hummer
Mandelkäsekuchen und Eiercreme

dazu in kleineren Portionen:
Hammelhoden
in Teig gebackene Aprikosen
Stör
gebratene Seezunge
grüne Erbsen
eingemachte Tauben

Wandel der Zeit

1700 zählte Offenbach 800 Einwohner.

Während des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die bäuerliche Gemeinde zu einer bedeutenden Gewerbestadt. Ihr Wachstum verdankte sie der verkehrsgünstigen Lage, der Wirtschaftspolitik der Herren von Isenburg-Birstein und dem Fleiss der arbeitenden Bevölkerung.

An einheimischer Produktion interessiert, die von teuren Importen unabhängig machte, förderten die Landesherren die Gründung neuer Gewerbe. Kleingewerbetreibende hugenottische Glaubensflüchtlinge siedelten sich in Offenbach an. Zahlreiche jüdische Krämer und Händler fanden Aufnahme. Frankfurter Kaufleute gründeten in Offenbach die ersten Fabriken.

Aus der ursprünglich bäuerlichen Bevölkerung hatte sich ein Bürgertum entwickelt. Handwerker und Unternehmer bildeten eine neue Bevölkerungsstruktur. Über 50 Manufakturen waren entstanden. Das Gewerbe erlangte überegional wirtschaftliche Bedeutung. Im Mittelpunkt der geistig kulturellen Entwicklung Offenbachs standen Konzerte, Theateraufführungen und Bälle.

1800 zählte Offenbach ca. 6.000 Einwohner.

Löhne und Preise

Bis zur Einführung der Deutschen Mark-Währung 1871 wurden in Offenbach, die in Frankfurt und Hessen kursfähigen Gepräge der Guldenwährung als Zahlungsmittel benutzt.

1 Gulden = 60 Kreuzer
1 Kreuzer = 4 Heller


Was wurde monatlich verdient ?:

In der Fayencemanufaktur:

Höchst 1764                              Mosbach 1772

Direktor, zugleich Buchhalter 33 Gulden 20 Kreuzer plus Gewinn .
Modellmeister 40 Gulden .
Maler im Stücklohn 30 bis 35 Gulden .
Maler 16 bis 22 Gulden 14 bis 20 Gulden
Arkanist (Farbenhersteller) * 20 Gulden .
Staffierer ** 20 Gulden .
Dreher 10 bis 20 Gulden 16 bis 24 Gulden
Former 10 bis 18 Gulden 16 bis 18 Gulden
Kapseldreher 13 Gulden 10 Gulden
Brenner 12 Gulden 12 bis 20 Gulden
Glasurmüller 12 Gulden 10 bis 14 Gulden
Masseschlämmer 12 Gulden 12 Gulden
Tagelöhner 8 bis 10 Gulden 8 Gulden
Malerlehrling 5 Gulden .
Dreherlehrling 4 Gulden 20 Kreuzer .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*arcanum (lat.=Geheimlehre), dieser kennt das Geheimnis der Herstellung von Fayence, Porzellan, Glas usw.
** diese versuchten mit geringem malerischen Aufwand, Fayencen prächtiger herauszuputzen, »auszustaffieren«

Sonstige Berufe: in  Offenbach

Pfarrer                1734                   6 Gulden 40 Kreuzer plus Naturalien
Lehrer                1752                    3 Gulden   7 Kreuzer plus Naturalien

 in Frankfurt

Köchin (mit Familienanschluss)           1734                          1 Gulden 20 Kreuzer plus Naturalien
Hausmagd (mit Familienanschluss)     1734                          50 bis 60 Kreuzer plus Naturalien
Kindermagd (mit Familienanschluss)   1735                          45 Kreuzer plus Trinkgelder

Tägliche Kosten

 1 Gulden = 60 Kreuzer
 1 Kreuzer = 4 Heller

   Lebensmittel von wenig bis viel

   in Offenbach 1773 / 1778

1 Brötchen                    1 Kreuzer
2 Liter Milch                    5 Kreuzer
Salz                    6 Kreuzer
1 Schwarzbrot (3 kg)

                 12 Kreuzer

1 Pfund Butter                  15 Kreuzer
125 kg (=1 Malter) Roggenmehl 5 Gulden 30 Kreuzer

125 kg (=1 Malter) Erbsen, Linsen, Bohnen

6 Gulden

   in Frankfurt 1734 / 1735 / 1736

1 Käse                    5 Kreuzer
1 Zitrone                    5 Kreuzer

1 Zuckerstange

                   5 Kreuzer
1 Pfund Schweinefleisch (1760)                    6 Kreuzer
1 Milchbrot                  16 Kreuzer
1 Kuchen                  30 Kreuzer
Schokolade                  45 Kreuzer
1 Zuckerhut                  50 Kreuzer
1 Liter Wein 1 Gulden
Essig 1 Gulden   6 Kreuzer
1 Hühnerpastete 1 Gulden 20 Kreuzer
100 kg (=1 Malter) Korn 1 Gulden 45 Kreuzer
1 Lammpastete 2 Gulden
1 Pfund grüner Tee 2 Gulden
1 Torte 2 Gulden 30 Kreuzer
1 Pfund schwarzer Tee 2 Gulden 40 Kreuzer

   Kleidung

1 Knopf                     6 Kreuzer
1 Paar wollene Kinderstrümpfe                   30 Kreuzer
1 Paar Kinderschuhe                   36 Kreuzer
1 seidenes Halstuch                   40 Kreuzer
1 Paar wollene Damenstrümpfe                   48 Kreuzer
1 Paar Damenschuhe 1 Gulden 12 Kreuzer
1 Paar wollene Herrenstrümpfe 1 Gulden 20 Kreuzer
1 Kinderhaube 1 Gulden 30 Kreuzer
1 Paar Herrenschuhe 1 Gulden 52 Kreuzer
Stoff für ein Kleid 3 Gulden   5 Kreuzer
1 Reifrock 4 Gulden
1 Perücke 4 Gulden 12 Kreuzer
1 Korselett (Mieder) 5 Gulden 10 Kreuzer

   Küchengeräte

1 kleiner Bratspieß                       5 Kreuzer
1 Glas                     13 Kreuzer
1 großer Bratspieß                     16 Kreuzer
1 Spülbrett                     20 Kreuzer
1 Besen                     20 Kreuzer
1 Küchenmesser                     30 Kreuzer
1 Pfund Kerzen                     40 Kreuzer
1 Seife   1 Gulden 30 Kreuzer
1 Brunnenkette   3 Gulden
1 Kupferpfanne   3 Gulden 20 Kreuzer
1 silberner Becher 13 Gulden 26 Kreuzer

   Sonstiges

1 Offenbacher Zeitung                      4 Kreuzer
1 kleines Schreibbuch                      8 Kreuzer
1 Tag Stallmiete und Futter für ein Pferd                    10 Kreuzer
1 großes Schreibbuch                    12 Kreuzer
1 Dienermahlzeit                    15 Kreuzer
1 Puppe                    22 Kreuzer
1 Herrschaftsmahlzeit                    40 Kreuzer
Herbergsmiete pro Woche                    45 Kreuzer
1 Gesangbuch   1 Gulden
1 Sarg   1 Gulden 20 Kreuzer
1 Bibel   2 Gulden 20 Kreuzer
6 Monate Schulgeld   3 Gulden
Begräbnis eines reichen Bürgers 33 Gulden 30 Kreuzer

 Offenbacher Fayencen 1786

1 Schokoladenbecher (weiß)                    4 Kreuzer
1 kleine Schüssel                    6 Kreuzer
1 Zuckerschale                    6 Kreuzer
1 Schokoladenbecher (fein bemalt)                    8 Kreuzer
1 Senfnapf                    8 Kreuzer
1 Handleuchter                  12 Kreuzer
1 Milchkanne                  12 Kreuzer
1 Warmhaltebehälter mit Topf                  14 Kreuzer
1 Barbierbecken                  16 Kreuzer
1 Teekanne                  16 Kreuzer
1 Schreibzeug                  18 Kreuzer
1 Blumenvase                  20 Kreuzer
1 Henkeltasse                  24 Kreuzer
1 Kaffeekanne                  24 Kreuzer
1 Terrine                  24 Kreuzer
1 gerippte Butterschale auf einem Teller                  24 Kreuzer
1 große Schüssel                  30 Kreuzer
1 Schokoladenkanne                  30 Kreuzer
1 Wasserkessel                  36 Kreuzer
1 Kanne mit Waschbecken 1 Gulden

   Fayencen und Porzellan Ende 18. Jh.

Kaffeeservice für 12 Personen, Fayence, einfach 4 Gulden 56 Kreuzer
Kaffeeservice für 12 Personen, Porzellan, einfach 10 Gulden 38 Kreuzer
Kaffeeservice für 12 Personen, Porzellan, einfach, blumenbemalt   36 Gulden
Kaffeeservice für 12 Personen, Porzellan, fein, blumenbemalt   70 Gulden
Kaffeeservice für 12 Personen, Porzellan, extra fein, figurenbemalt 125 Gulden
Tafelservice für 12 Personen,        Fayence, kunstvoll bemalt 136 Gulden 54 Kreuzer

Der durchschnittliche Monatsverdienst eines Fayencearbeiters in der Manufaktur betrug 16 bis 17 Gulden. Um sich ein einfaches Kaffeeservice zu 4 Gulden 56 Kreuzer kaufen zu können, musste er etwa sieben Tage arbeiten. Heute arbeitet ein Fabrikarbeiter zu ein vergleichbares Service etwa zwei Stunden.
Für ein kunstvoll bemaltes Tafelservice zu 136 Gulden 54 Kreuzer hätte der Fayencearbeiter 8 ½ Monatslöhne ausgeben müssen. Der angestellte Handwerker konnte sich sein eigenes Produkt nur in einfachster Ausführung leisten. 

Arbeitsverhältnisse in der Fayencemanufaktur

Der Manufakturbesitzer war Eigentümer der Werkstätten, Werkzeuge, Rohstoffe und Endprodukte. Er war verantwortlich für die Verwaltung des Betriebes und den Warenverkauf. Die Manufakturarbeiter brachten ihre Arbeitskraft und ihr handwerkliches Geschick in den Produktionsprozess ein.

Hohe Stückzahlen und gleichmäßige Qualität der Waren setzten die Arbeitsteilung in der Manufaktur voraus. Das Endprodukt wurde nicht mehr von einer Person gefertigt. Durch Spezialisierung auf bestimmte Handgriffe im Herstellungsprozess begab sich der Manufakturarbeiter immer mehr in die Abhängigkeit zum Unternehmer.

Gegenstände, die nicht auf der Töpferscheibe gedreht werden konnten, wurde modelliert (Figuren) oder aus Tonplatten montiert (Schreibzeuge). Ein Reliefdekor entstand, indem Ton in ein Dekormodel (Pressform) gedrückt wurde. Formen wurden von Modellmeister oder Bossierer (Former) hergestellt. Die Verwendung von Dekormodels ersetzte die handwerkliche Modellierarbeit und beschleunigte die serienmäßige Produktion.

Der Preis einer Fayence richtete sich nach der Größe und Dekoration. Einfache Leute kauften unbemalte oder schlicht verzierte, preiswerte Ware. Wohlhabende Bürger konnten sich kunstvoll bemalte, teure Fayencen leisten. Sonderanfertigungen wurden häufig mit den Initialen der Auftraggeber versehen.

Häufig waren Teilarbeiten des Produktionsprozesses in einem Haus vereint.

Erdgeschoss: Die Tonknetmaschine wird von einem Pferd angetrieben, ein an-deres Pferd dreht die Glasurmühlen, Tagelöhner heizen unter Aufsicht des Brenners den Ofen an, im Nebenraum sitzen Maler und Glasierer.

Mittelgeschoss: Dreherei, ein Arbeiter stellt ein Brett mit Formlingen zum Trocknen in ein Regal.

Obergeschoss: Fliesenherstellung in hölzernen Rahmen, die Fliesen werden aus den Formen genommen und in Regalen luftgetrocknet.

 

Markt und Handel

Reiche Tonvorkommen im Umland, die Nähe zur Messe- und Handelsstadt Frankfurt, die verkehrsgünstige Lage am Main sowie steuerliche und private Freiheiten im Fürstentum Isenburg-Birstein waren maßgebend für die Entscheidung Philipp Friedrich Lays, eine Fayencemanufaktur in Offenbach zu gründen.

Täglich verkehrte das Marktschiff zwischen der Isenburger Residenzstadt Offenbach und der Freien Reichsstadt Frankfurt. Der Absatzmarkt für Offenbacher Fayencen im »nachbarlichen Ausland« war unkompliziert und schnell zu erreichen.

Der »inländische« Absatz vollzog sich über Märkte und Hausierhandel. Zwischenhändler sorgten für den Verkauf in umliegenden Städten und Gemeinden. Krämer und Hausierer zogen über Land und boten ihre Ware der bäuerlichen Bevölkerung des Fürstentums an.

Ein Privileg, das alleiniges Produktionsrecht garantieren sollte, schützte den Hersteller gegen Wettbewerb im Fürstentum. »Ausländische« Konkurrenz versuchte man durch Einfuhrverbote auszuschalten, dennoch bestimmte sie schon früh die Märkte. Manufakturen, die rationeller arbeiten und preiswerter verkaufen konnten, dehnten ihr Absatzgebiet über die Grenzen ihrer eigenen Regionen aus.

  1. 1661-1806                Hanau                    Landgrafschaft Hessen-Kassel
  2. 1662-1666                Heusenstamm       Graftschaft Schönborn
  3. 1666-1772                Frankfurt               Freie Reichsstadt
  4. 1739-(nach) 1829    Offenbach             Fürstentum Isenburg-Birstein, ab 1816 Großherzogtum Hessen-Darmstadt
  5. 1746-1758                Höchst                   Kurfürstentum Mainz
  6. 1752- ?                     Rückingen             Grafschaft Isenburg-Büdingen
  7. 1758-ca.1835           Kelsterbach           Landgrafschaft / Großherzogtum Hessen-Darmstadt
  8. 1765-1922                Flörsheim               Kurfürstentum Mainz, ab 1802 Herzogtum Nassau, ab 1866 Preußen
  9. 1770-1797                Wiesbaden            Fürstentum Nassau-Usingen

Begriffe »Manufaktur« und »Merkantilismus«

Die Manufaktur (lat. manu facere =mit der Hand machen) ist ein vorindustrieller Gewerbezweig mit Handarbeit. In der Manufaktur des 17./18. Jahrhunderts ist der Produktionsprozess gekennzeichnet durch Spezialisierung, Arbeitsteilung, Serienfertigung und geringen Einsatz von Maschinen. Erstmals wurden Verwaltung und Produktion getrennt.

Manufakturen dienten der rationellen Warenproduktion, die technisch oder künst-lerisch vom Handwerk nicht bewältigt werden konnten. Es wurden zunächst Lu-xusartikel (Gobelins, Fayencen, Porzellan) und später Gebrauchsgüter (Wachslichter, Stoffe, Nähnadeln) hergestellt. Die Arbeiter der Manufakturen waren nicht in Zünften organisiert.

Der Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts kennt keine Unterscheidung zwischen Manufaktur und Fabrik. »Fabriquen« verstanden sich als Herstellungsorte und Werkstätten. Sie sind nicht vergleichbar mit den maschinisierten Großbetrieben des Industriezeitalters.

Der Übergang von der Manufaktur zur Industrie war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fließend. Das Manufaktursystem findet sich heute noch in der Porzellanindustrie und im Kunstgewerbe.

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Mit Merkantilisimus (franz. mercantile = kaufmännisch) wird die volkswirtschaftliche Theorie und Praxis des 17./.18. Jahrhunderts in Europa bezeichnet. Ausgangspunkt waren die Finanznöte der absolutistischen Staaten (Hofhaltung, Unterhaltung des Heeres, Verwaltung).

Entsprechend dem Ziel des privaten Kaufmanns zielte die Wirtschaftspolitik des Staates auf aktive Handelsbilanz. Durch weitgehende Einschränkung der Wareneinfuhr (Geldausgaben) und Steigerung der Ausfuhr (Geldeinnahmen) sollten Macht und Reichtum des Staates gefördert werden. Mittel der Handelspolitik waren Exportprämien, Importverbote und Schutzzölle.

Maßnahmen des Merkantilismus waren auf Vermehrung der Bevölkerung, Förderung der Industrie (Manufakturen) und in der Landwirtschaft auf Stärkung der bäuerlichen Kleinbetriebe ausgerichtet.

Die Unternehmen wurden in erster Linie vom Bürgertum getragen. Der Produzent finanzierte und erhielt vom Landesherrn Privilegien und Schutz vor Konkurrenten. Der Merkantilismus hatte den wirtschaftlichen Aufstieg des Bürgertums zur Folge.

Berühmte Fayencenhersteller

=> Philipp Friedrich Lay, *1684 +1766
tätig von 1739 bis 1765


Philipp Friedrich Lay entstammte einer Bauernfamilie aus Wallrabenstein bei Idstein im Taunus.

Seit 1706 lernte er in der Frankfurter Fayencemanufaktur. In 30 Jahren gelang ihm der Aufstieg vom Arbeiter zum Pächter (1732–1736) und Direktor des Betriebes. 1736 wechselte er als Brenner zur Hanauer Manufaktur.

1739 kaufte der Fayencehersteller Philipp Friedrich Lay ein Hofgut in der Offenbacher Kirchgasse zur Errichtung einer Fayencemanufaktur. Mittels Anleihen finanzierte er den Kaufpreis von 23.500 Gulden. Im gleichen Jahr erteilte ihm der Landesherr Graf Wolfgang Ernst II. zu Isenburg-Birstein das Privileg zur Fayenceherstellung, das ihm Handelsvergünstigungen sowie steuerliche und private Freiheiten für seine Familie und Angestellten sicherte.

Bei unterschiedlichen Rohstoffproben stellte sich der auch von der Hanauer Manufaktur genutzte »Büdinger SandG als besonders geeignet für die Glasurmischung heraus.

Der Hanauer Fabrikant Hieronymus von Alphen wehrte sich gegen die Nutzung der Büdinger Sandgrube durch das Konkurrenzunternehmen. Trotzdem wurde Lay 1741 vom Landesherrn die »Erlaubnis zum freyen Holen von Sand im Offenbacher Umland« erteilt.

Unter seiner Leitung, mit Unterstützung seiner Ehefrau Eva und der Söhne Georg Heinrich und Johann Jacob, wuchs der Betrieb heran.

Die Offenbacher Fayencemanufaktur wurde immer mehr zur bedrohlichen Konkurrenz für das ältere Hanauer Unternehmen. Offenbach lag näher zu Frankfurt und konnte seine Waren schneller auf den Märkten und Messen der Handelsstadt absetzen. Die Hanauer Manufaktur wurde gezwungen, Warenlager in Frankfurt anzulegen.

Nach mehreren mißlungenen Fayencebränden - die Glasur riss - überstiegen die Herstellungskosten die Einnahmen, und Lay konnte seine Schulden nicht bezahlen.
Die Geldgeber klagten gegen ihn, die Manufaktur wurde beschlagnahmt und die Fabrikation eingestellt.

1744 erwarb der Frankfurter Kaufmann Isaac de Bassompierre das Anwesen. Als Pächter nahm Lay die Fayenceproduktion mit neuen Techniken wieder auf.

1765 wurden der 81jährige Lay und sein Sohn Johann Jacob zum Ausbau der Fayencemanufaktur nach Kelsterbach gerufen. Er erhielt als Meister einen Monatslohn von 50 Gulden – Johann Jacob als Geselle 16 Gulden.

Am 31. Oktober 1766 wurde Philipp Friedrich Lay in den Kelsterbacher Lohnlisten das letzte Mal genannt.

 

=> Georg Heinrich Lay, *1731 +1802
tätig von 1762 bis 1765


Er wurde als erstes Kind und Sohn des Philipp Friedrich Lay und Eva Lay gebo-ren. Als 20jähriger erhielt er die Bürgerrechte Frankfurts. Erst 11 Jahre später - am 28. April 1762 – erhielt er von seinem Vater die Manufakturleitung überschrieben.

Das Fabrikationsprivileg wurde von Fürst Wolfgang Ernst II. zwar neu bestätigt, aber er führte die Manufaktur nur drei Jahre weiter, denn die Konkurrenz durch die Gründung einer Fayencemanufaktur in Flörsheim 1765 ließ das Offenbacher Unternehmen unrentabel werden.

Flörsheim produzierte und verkaufte seine Waren wesentlich preisgünstiger, da es die finanzielle Unterstützung des Karthäuser Klosters Mainz besaß. Georg Heinrich Lay verkaufte das Fabrikationsprivileg 1765 und zog nach Frankfurt.

 

=> Johann Christoph Puschel,
tätig von 1765 bis 1775


Im Dezember 1765 erwarb der Frankfurter Johann Christoph Puschel, vorheriger Besitzer einer Offenbacher Rapsmühle, das Privileg der Fayencefabrikation.

Um das Unternehmen wieder konkurrenzfähig zu machen, mussten die Gebäude renoviert und der Hof ausgebaut werden. Bekannte Künstler wurden nach Offenbach geholt, u.a. der Maler Louis Victor Gerverot aus Frankreich.

Gerverot war auch als Töpfer und Arkanist (Geheimnisträger besonderer Keramiktechniken) bekannt. Er arbeitete in mehreren deutschen Fayence-, Steingut- und Porzellanmanufakturen und verbesserte deren technischen Einrichtungen.

Puschel war kein gelernter Fayencehersteller, konnte somit sein Unternehmen fachlich nicht fördern und mit der Flörsheimer Manufaktur konkurrieren. Die Offenbacher Fayencemanufaktur auf dem Bassompierreschen Hof musste schließen.

Issac de Bassompierre war Eigentümer der Offenbacher Fayencemanufaktur seit 1744, geriet in finanzielle Schwierigkeiten durch verunglückte Metallspekulationen. Nachdem er seine Häuser in Frankfurt bereits veräußert hatte, verkaufte er 1775 das Offenbacher Hofgut mit der geschlossenen Fayencemanufaktur in der Kirchgasse für 23.500 Gulden dem Fürsten Wolfgang Ernst II. zu Isenburg-Birstein.

Auf diesem Gelände wurde das erste Offenbacher Komödienhaus errichtet.

 

=> Johannes Klepper,
tätig von 1775 bis 1783


Es bestand neben der Manufaktur von Johann Christoph Puschel eine weitere, die ein gewisser Koch in der Kleinen Kirchgasse – heute Schulstraße – eingerichtet hatte. Über diese Manufaktur ist sonst nichts bekannt.

Johannes Klepper kaufte 1775 diese »Kochische porcellan-Fabrique« und führte sie gemeinsam mit seinem Bruder Carl Wilhelm. Auch Klepper hatte Schwierigkeiten durch die Konkurrenz von Kelsterbach und Flörsheim, da das aufstrebende Bürgertum die feineren Waren dieser Manufakturen bevorzugte, er aber nur einfache Gebrauchsware herstellte.

Er erbat daher am 02.07.1777 ein Privileg, das ihn zum alleinigen Fayencelieferanten für Spiel- und Würfeltische auf den Kirchweihen und Märkten im Umland berechtigen sollte. Dieses Privileg wurde ihm am 08.08.1777 – allerdings auf 6 Jahre befristet – erteilt.

Der Absatz der Offenbacher Fayencen beschränkte sich zu dieser Zeit auf die ländliche Bevölkerung der südlichen Nachbargemeinden und der Vogelsbergregionen des Fürstentums Isenburg.

 

=> J. W. Klaumann,
tätig von 1783 bis nach 1789


Den Betrieb Kleppers erwarb 1783 Johann Wilhelm Klaumann.

Noch vorhandene Waren- und Preislisten dieser Manufaktur geben Aufschluss über ihr reichhaltiges Sortiment.

Neben den Absatzgebieten seines Vorgängers Klepper belieferte Klaumann zusätzlich Frankfurter Händler.

Robustes englisches Steingut und in Deutschland gefertigtes Porzellan lösten immer mehr die ursprüngliche Funktion der empfindlichen Fayence als Porzellanersatz ab. Ein Ende dieses Gewerbezweiges war vorauszusehen.

In Offenbach trat die Fayencemanufaktur im Vergleich zu den aufstrebenden Unternehmen (Tabak-, Kutschen- und Textilindustrie) zurück.

 

=> Herr Philipp,
tätig von 1787 bis nach 1795

Obwohl Fayencen als Gebrauchsgeschirr rückläufig waren, gründete 1787 der Fabrikant Philipp eine weitere Fayencemanufaktur in Offenbach. Die Ahnentafel der Offenbacher Industrie weist den Standort des Unternehmens im Biergrund aus.

In einem »Verzeichnis Sämtlicher dahier etablirten NahrungsGewerben Fabrikanten der 1.ten Klasse und Handlungen en gros« wird der Fayencefabrikant Philipp an siebter Stelle 1795 zum letzten Mal erwähnt.

 

=> F. de Roussier,
tätig um 1794 bis nach 1796


Als Besitzer der Offenbacher Fayencemanufaktur in der Kleinen Kirchgasse (heute Schulstraße) wird bis September 1796 der Hauptmann Friedrich de Roussier genannt. De Roussier konnte den Kauf der Manufaktur durch Aufnahme von Krediten finanzieren.

Französische Truppen hatten Frankfurt besetzt. Die Kriegsunruhen brachten auch de Roussier in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Er war gezwungen, die Manufaktur zu verpachten und zwar an seine bisherige Geschäftsführerin Catharina Heyder.

 

=> C. Heyder,
tätig von 1796 bis um 1800


Catharina Heyder hatte die Manufaktur von Friedrich de Roussier als Pächterin über-nommen. Folgende Bekanntmachung wurde in der »Samstägige Frankfurter Kaiserliche Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung« am 26. November 1796 veröffentlicht:

»Catharina Heyder, vorherige Geschäftsführerin der Fayence-Fabrik in Offenbach, hat selbige in Bestand genommen. Sie wird die Sorge tragen, daß die bisherige Freunde und Gönner in ihren Bestellungen, so viel es seyn kann, schleunigst und nach Verlangen befördert werden.«



=>Engelbert Pfülb,
tätig von 1800 bis um 1813


Catharina Heyder heiratete Engelbert Pfülb. Dieser übernahm die Leitung des Betriebes. Die Manufaktur wurde unter dem Namen Pfülb weitergeführt.

Aktenunterlagen von 1802 nennen acht Arbeiter, die neben den Familienangehörigen in dem Betrieb tätig waren. Die Fayenceherstellung erlebte einen neuen Aufschwung.

Das Unternehmen legte Wert auf künstlerisch feine Gestaltung, elegante Formen und Dekore. Die Pfülbsche Manufaktur nahm viele private Auftragsarbeiten an. Um die Nachfrage nach robustem Alltagsgeschirr zu decken, wurde aber auch Steingut produziert.

Engelbert Pfülb starb 1813.



=> Catharina Pfülb,
tätig von 1813 bis um 1829


Nach dem Tod ihres Mannes Engelbert Pfülb leitete Catharina Pfülb, geborene Heyder, die Manufaktur alleine weiter.

1817, während allgemeiner wirtschaftlicher Krisenzeit, versuchte sie erfolglos, das Anwesen zu versteigern.

Mit Einführung der Gewerbefreiheit 1821 boten Offenbacher Händler feines, preiswertes französisches und englisches Steingut an. Die Produktion von Fayencegeschirr wurde unrentabel. Sie schränkte die Herstellung ein, bildete jedoch weiterhin Lehrlinge aus. Bis nach 1829 wurde in der Offenbacher Manufaktur Fayence und Steingut produziert.

1833 erwarb die Stadt Offenbach das Grundstück in der Kleinen Kirchgasse(heute Schulstraße) für 9.000 Gulden und richtete dort das erste öffentliche Pfandhaus ein.