Sprungmarken
Aktuelles Wetter:Regen14° C
Suche
Suche

Fa. Heinz Rosenberger
© Kirsten Bucher

Fotografien von Kirsten Bucher

Am Donnerstag, 8. Oktober 2015, 19:00 Uhr, wurde im Haus der Stadtgeschichte die Ausstellung „Das verborgene Museum – Dokumentation eines Offenbacher Schatzes“ eröffnet (bis 1. November).

Die Ausstellung zeigt Fotografien von Kirsten Bucher, die im Auftrag des Hauses der Stadtgeschichte in der ehemaligen Lederprägeanstalt Rosenberger in der Ludwigstraße in Offenbach am Main aufgenommen worden sind.

Zur Einführung sprach Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer und Mitarbeiterin Rebekka Kremershof, die die Ausstellung in Kooperation mit Heinz Rosenberger, Eigentümer der früheren Fabrik, konzipiert hat.

Die Firma Rosenberger ist das klassische Beispiel einer Lederprägeanstalt, zumal sie seit ihrer Stillegung im authentischen Originalzustand der frühen Nachkriegszeit erhalten ist.

In einem Hinterhaus in der Ludwigstraße verbirgt sich dieser Schatz, über drei Etagen unverfälschte Offenbacher Nachkriegsgeschichte zeigend. Es handelt sich um eine Art Zeitmaschine.

Im Keller stehen schwere Maschinen des 19. Jahrhunderts aus heimischer Offenbacher Produktion, die mit Müh und Not nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin transportiert und wieder gangbar gemacht worden sind. Riesenhafte Schraubenschlüssel liegen herum, altertümliche Kalender zieren die Wände, hölzerne Werkbänke stehen in den Ecken, Bakelitarmaturen zieren die Wände. Alles ist original.

Ein Stockwerk höher befindet sich ein Verkaufsraum, ein Glasfenster mit Klingel, daneben eine Zigarettenablage und ein Hutständer. Dahinter öffnet sich eine weitere Werkstatt, in der – als zeitgenössisches Detail unter vielen – Munitionskisten aus dem Zweiten Weltkrieg behelfsmäßig umfunktioniert als Werkzeugkisten gestapelt sind. Schachteln und Dosen mit längst vergessenen Werbeaufdrucken und Namen ehemals bekannter Firmen stehen in den Regalen. Alles wirkt, wie eben verlassen.

Im Obergeschoß ist die Fabrikantenwohnung zu sehen. Eingerichtete Räume im Stil der fünfziger und sechziger Jahre, mit Gemälden der Künstler der Offenbacher Bachstraße an den Wänden. Ein repräsentatives Röhrenradio steht auf einer Häkeldecke, denn die Familie besaß Wohlstand – den Wohlstand der Wirtschaftswunderzeit.

Dieses Refugium, das sich hier als Originalensemble präsentiert, ist bedroht. Dieses verborgene Offenbacher Museum wird in wenigen Jahren verschwunden sein, denn es gibt keine Erben, die diesen Ort erhalten würden.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.