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s/w Aufnahme Baustelle. Im Hintergrund Rathaus und Stadtkirche
© Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach
Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 existierte in Deutschland keine staatliche Gewalt mehr. An deren Stelle trat das Besatzungs und Verwaltungsrecht der Alliierten. Zerstörte Städte und Dörfer, Flüchtlingsströme von Millionen Vertriebenen, Demontagen der Industrie und hohe Reparationskosten bestimmten zunächst das Leben in allen vier Besatzungszonen.

In Offenbach wurde noch am Tag des Einmarsches der US-amerikanischen Truppen der Verwaltungsdirektor Fritz Reinicke zum kommissarischen Oberbürgermeister Offenbachs. Am 28. März 1945 nahm die amerikanische Militärverwaltung ihre Arbeit auf: Hauptziel dieser Administration war zunächst die Sicherstellung der öffentlichen Ordnung, wozu auch die Versorgung mit Lebensmitteln und medizinisch Notwendigem gehörte.

Eine Maßnahme zum Sicherstellen einer zivilen Ordnung war die Aufstellung eines 200 Personen umfassenden Verbandes einer Polizei-Eingreiftruppe, gleichzeitig nahm am 29. März das amerikanische Militärgericht seine Arbeit auf.

Zum Aufbau einer funktionsfähigen Verwaltung suchte die Militäradministration unbelastete Personen. Das ernannte, entnazifizierte Gremium, der "Beratende Ausschuss", bestand aus vierzehn Personen, die nach amerikanischer Überzeugung einen einigermaßen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung der Stadt darstellten.

Das erste Zusammentreten dieses Gremiums fand am 3. Mai 1945 statt, also noch vor der bedingungslosen Kapitulation des Rumpfreiches. Wichtige Tagesordnungspunkte waren die Ernährungslage, die Wohnungsfrage oder aber die Versorgung der Bevölkerung mit Kleidung.

VW T3 vor verlassenen Häusern
© Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach

Zeitgleich mit der anhebenden politischen Neustrukturierung normalisierte sich das Leben in der Stadt: Bereits im Juni fuhren wieder Straßenbahnen, die Schulen öffneten am 17. September 1945 wieder und im Herbst 1945 wurden politische Parteien zugelassen. Am 26. Mai 1946 schließlich wurden die ersten Kommunalwahlen nach der NS Zeit angesetzt. Die Wahlbeteiligung lag mit über 80% sehr hoch. Nur drei Parteien gelang der Sprung über die seinerzeit bestehende 15% Hürde: SPD (37,4%), CDU (26,4%) und AP (17,5%).

Der wirtschaftliche und infrastrukturelle Aufbau ging hingegen eher schleppend voran. So dauerte es bis August 1947, ehe die wiedererrichtete Mainbrücke für den Verkehr freigegeben werden konnte. In der unmittelbaren Nachkriegszeit führten auch die von der amerikanischen Militäradministration verhängten Demontageverordnungen zu größeren wirtschaftlichen Problemen.

Bis zum Frühjahr 1948 wurden etliche industrielle Maschinenanlagen und damit erhebliche Werte aus Offenbach abtransportiert. Mit der Währungsreform und den damit veränderten Rahmenbedingungen zeigte sich allerdings im Sommer 1948 eine wirtschaftliche Neuausrichtung der amerikanischen Besatzungspolitik. Die Weichen konnten nun in Richtung Wachstum gestellt werden, das berühmte "Wirtschaftswunder" begann auch in Offenbach Gestalt anzunehmen.