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© Cheeba / photocase.de
Die antisemitischen Traditionslinien der NSDAP gingen auf Parolen des 19. Jahrhunderts zurück, gewannen jedoch immer mehr an Schärfe. Was zuvor im Parteiprogramm gefordert worden war, wurde im September 1935 durch das »Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« beschlossen. Nun war unter anderem die Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden unter Strafe gestellt.
Innenansicht der alten Synagoge
Innenansicht der alten Synagoge © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach

Ein weiterer Schritt in diese Richtung war das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums«, das die Entlassung von »Nichtariern« aus dem öffentlichen Dienst vorsah.

Aber auch in allen anderen Berufsbereichen machte sich die restriktive NS Politik gegenüber den Juden bemerkbar. So wurden den zahlreichen jüdischen Metzgern Offenbachs ab 1936 kein oder nur minderwertiges Schlachtvieh zugeteilt und bereits im April 1933 war den jüdischen Rechtsanwälten Offenbachs die Zulassungen entzogen worden.

Der Inhaber der Offenbacher Lederfabrik J. Mayer & Sohn, Robert von Hirsch, emigrierte nach Zahlung von 1,5 Millionen Reichsmark in die Schweiz. Hugo Oppenheimer, Besitzer eines Kaufhauses, blieb zunächst in Offenbach, bevor er 1936 nach Verkauf seines Geschäftes mit erheblichem Verlust emigrierte.

Eine Anzeige in den »Offenbacher Nachrichten« vom 1. Mai 1936 verkündete, dass das Geschäft nunmehr in »arischen Besitz« übergegangen sei. Ab Herbst 1937 kam es zu einer massiven »Arisierung« jüdischer Unternehmen und Geschäfte. Scheinübertragungen wurden durch die ab 1938 reichsweit gültige »Verordnung gegen die Unterstützung der Tarnung jüdischer Gewerbebetriebe« unterbunden.

Die Zahl der Offenbacher Juden ging von 1.435 Gemeindemitgliedern im Jahre 1933 auf nur noch rund 900 Mitglieder im Juni 1938 zurück. Vorläufiger Höhepunkt der NS Gesetzgebung war der Zwang zur Kennzeichnung der Kleidung mit dem gelben Stern im Jahre 1941, dem verschiedene Maßnahmen vorangegangen waren, so etwa die sogenannte »Reichskristallnacht« vom 9. auf den 10. November 1938.

Nach der Ermordung des deutschen Gesandtschaftsrates Ernst vom Rath in Paris wurde auch die Offenbacher Synagoge Ziel eines organisierten, als »spontaner Racheakt« getarnten Angriffs. Der Befehl an die SA Standarte 168 lautete:

»Die Synagoge ist zu zerstören unter Schonung der Nachbargebäude, worüber Vollzugsmeldung zu erstatten ist!«

In Offenbach wurde bei der versuchten Brandstiftung am 10. November 1938 die Einrichtung zerstört.

Das Gebäude selbst überstand die sogenannte »Reichskristallnacht« fast unversehrt und wurde im Krieg als Kino, Stadttheater und nationalsozialistische Versammlungsstätte genutzt. Ausschreitungen gegen Juden und Plünderungen jüdischer Geschäfte fanden auch in der Offenbacher »Reichskristallnacht« (9. auf 10. November 1938) statt.

Viele der führenden Köpfe der Gemeinde, so etwa der Rabbiner Dr. Max Dienemann oder der Rechtsanwalt Dr. Siegfried Guggenheim, wurden verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach ihrer Entlassung im Dezember 1938 emigrierten beide.

Die Zahl der Offenbacher Juden ging weiter zurück und bis zum Beginn der Massendeportationen nach den Beschlüssen der »Wannsee Konferenz« (Januar 1942 zur »Endlösung der europäischen Judenfrage«) gelang noch ungefähr 450 Menschen die Flucht. Die verbliebene Gemeinde wurde »nach Osten«, in die Vernichtungslager deportiert. 1943 war die jüdische Gemeinde der Stadt Offenbach am Main ausgelöscht.